Interview mit Frauen-Cheftrainer Swen Wolf: "Als Jäger spielt es sich oft besser!" | Folge 5/5
Seit mehr als zwei Jahren steht Swen Wolf an der Seitenlinie der ersten Frauenmannschaft des Chemnitzer FC. Der Trainer formt sein Team nicht nur taktisch weiter, sondern setzt auch auf eine starke Mentalität und eine klare Spielphilosophie. Mit einer erfolgreichen Hinrunde im Rücken geht es nun in die entscheidende Phase der Saison. Wir haben vor dem Rückrundenstart mit dem Übungsleiter gesprochen.
Im Interview spricht Swen Wolf über die intensive Wintervorbereitung, die Herausforderungen der Rückrunde und das spannende Titelrennen mit Eintracht Leipzig-Süd. Außerdem gibt er Einblicke, warum der CFC aktuell so stark ist und welche Bedeutung ein möglicher Aufstieg für den Verein hätte. Viel Spaß beim Lesen, liebe CFC-Fans!
Swen, wenn wir gemeinsam auf die Wintervorbereitung zurückblicken: Ihr hattet einige namhafte Gegner dabei. Wie würdest du die Vorbereitung zusammenfassen?
Swen: Mein Plan war, die Vorbereitung etwas anders zu gestalten als sonst – ruhiger, mit mehr Zeit, um wirklich aufzubauen. Wir sind bewusst mit einem eher einfachen Gegner gestartet und haben uns dann mit drei richtig starken Teams gemessen. Ich wollte den Mädels zeigen, wo sie hinwollen, und dass sie mal diese Qualität der Gegner spüren. Dazu kamen auch die Reisestrapazen – alles war bewusst so geplant.
War es also für euch in erster Linie ein Test, wie weit ihr schon seid?
Swen: Genau und bis auf das letzte Testspiel in Berlin hätte ich gesagt, dass es optimal gelaufen ist. Da waren wir leider zu emotionslos, zu elanlos. Die Mädels hatten einfach einen schwachen Tag. Das wirft mich nicht aus der Bahn, aber es hat das ansonsten sehr positive Fazit ein wenig getrübt. Abgesehen davon war die Vorbereitung aber wirklich gut: Die Beteiligung stimmte, die Intensität war hoch, und wir sollten jetzt gut gerüstet sein.
Am Sonntag geht es direkt los, zwei Punkte hinter Eintracht Leipzig-Süd. Ist das jetzt ein Zweikampf um den Titel?
Swen: Ja, es sieht momentan danach aus. Entscheidend ist, dass wir gut in die Rückrunde starten. Und das wird nicht einfach, denn unser erstes Spiel ist ausgerechnet auswärts gegen Stötteritz – ein Gegner, gegen den wir die letzten beiden Spiele verloren haben. Dort haben wir letztes Jahr in der 95. Minute durch einen direkten Freistoß die Meisterschaft aus der Hand gegeben. Das ist natürlich noch in den Köpfen drin. Aber wir müssen das als Ansporn nehmen, mit voller Konzentration und der richtigen Mentalität in dieses Spiel zu gehen. Ohne Druck, aber mit der Freude am Fußball. Wenn uns das gelingt, dann kann es eine erfolgreiche Rückrunde werden.
Direkt das zweite Spiel der Rückrunde ist dann das direkte Duell gegen Eintracht Leipzig-Süd. Welche Bedeutung hat dieses Spiel für euch?
Swen: Natürlich ist das ein wichtiges Spiel, aber für mich ist erst einmal nur Stötteritz wichtig. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Wenn wir gut starten und gegen Eintracht Leipzig-Süd eine Möglichkeit haben, vorbeizuziehen, wäre das natürlich optimal. Aber das bringt nichts, wenn wir vorher Punkte liegen lassen. Also voller Fokus auf den Auftakt, danach schauen wir weiter.
Ihr seid jetzt seit neun Ligaspielen ungeschlagen. Was hat euch vor der Winterpause so stark gemacht?
Swen: Der Schlüssel war, dass wir den Mädels nach der letzten Saison erst einmal eine richtige Pause gegeben haben. Wir wollten, dass sie mal komplett vom Fußball abschalten, weil das Saisonfinale mit der verlorenen Meisterschaft in der 95. Minute unglaublich bitter war. Dazu kam, dass wir nicht am Aufstiegsspiel teilnehmen durften – das hat richtig wehgetan. Durch eine gute Teamdynamik und den schwierigen Saisonstart sind wir dann aber schnell als Einheit zusammengewachsen. Das beste Beispiel war das Spiel in Heidenau, wo ich die Mädels so Fußball spielen gesehen habe, wie ich es noch nie in dieser Liga erlebt habe. Spielfreude, Tempo, klare Abläufe – das war genau das Niveau, auf das wir jetzt wieder kommen müssen.
Plant ihr bereits zweigleisig mit Blick auf einen möglichen Aufstieg?
Swen: Nein, aktuell nicht. Natürlich haben wir das langfristige Ziel, in die Regionalliga aufzusteigen, aber dafür müssen wir Erster werden. Letztes Jahr standen wir lang oben und haben darauf gehofft, dass sich die anderen Mannschaften gegenseitig Punkte wegnehmen. Dieses Jahr ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass wir nicht von Anfang an ganz oben stehen. Als Jäger spielt es sich oft besser, als wenn du immer der Gejagte bist.
Haben euch die Pokalduelle gegen RB Leipzig und Fortuna Dresden gezeigt, dass ihr in der Regionalliga mithalten könntet?
Swen: Definitiv. Die Regionalliga ist aktuell qualitativ sehr gespalten. Wir haben in den letzten Monaten gegen mehrere Teams aus der oberen Tabellenhälfte gespielt, darunter Erfurt, Hertha und RB Leipzig. Da haben wir gesehen, was uns in der Regionalliga erwarten würde. Es gibt dort einige Mannschaften, die auf jeden Fall schlagbar sind, aber auch Teams, die eine echte Herausforderung wären. Klar ist: Wenn wir aufsteigen wollen, müssen wir uns mit diesen Gegnern messen. Aber müssen wir überhaupt dahin kommen – und dafür zählt jetzt nur die Rückrunde.
Dir und deiner Mannschaft viel Erfolg bei der Mission "Aufstieg" in der Rückrunde, Swen, und vielen Dank für das Gespräch!
Interview: Yannic Gillmeister



