„Jeder muss den Mund aufkriegen“
Seit dreieinhalb Jahren spielt er an der Gellertstraße. Die Fans nennen ihn den „Fußballgott“. Seit wenigen Tagen ist Daniel Frahn nun auch Mannschaftskapitän des Chemnitzer FC. Steffen Wunderlich sprach mit dem 32-Jährigen über Verantwortung, Zusammenhalt und die 3. Liga.
Frahner, Herr Kapitän oder Käptn. Wie darf man dich jetzt ansprechen?
Am besten einfach weiterhin ganz normal. Es hat sich dadurch nichts geändert. (lacht)
Ist das Kapitänsamt eine besondere Auszeichnung für dich oder wirklich nur der nächste logische Schritt nach dem Abgang von Dennis Grote?
Es ist für mich eine Ehre, für den Verein, für den ich wirklich gerne spiele, als Kapitän auflaufen darf. Die Sachen, die ich ansprechen wollte, habe ich aber auch in der vergangenen Saison ohne Kapitänsbinde angesprochen.
Welche Aufgaben kommen durch das Kapitänsamt auf dich zu? Bist du jetzt „die Mutter der Kompanie“?
Zum Teil schon. (lacht) Wenn es Fragen innerhalb des Teams gibt, bin ich jetzt natürlich der erste Ansprechpartner. Wenn es Probleme gibt, bin ich dazu da, um sie zu lösen. Darum hat sich Dennis in der vergangenen Saison hervorragend gekümmert. Weil seine Familie nicht hier war, hatte er aber auch ein bisschen mehr Zeit gehabt. (lacht) Ich werde mich mit meinen Kollegen aus dem Mannschaftsrat gut reinteilen.
Sich um die anderen zu kümmern, gerade um die jüngeren Mitspieler. Das ist schon etwas, was dir Spaß macht.
Das stimmt. Das hat aber weniger etwas damit zu tun, dass ich Kapitän bin, sondern damit, dass ich es als junger Spieler selbst so kennengelernt habe. Mir haben früher auch die erfahreneren Spieler Tipps gegeben, wofür ich sehr dankbar bin. Man konnte viel von ihnen lernen. Deswegen bin ich gerne bereit dazu, jüngere Spieler wie Pelle oder Nils mal zur Seite zu nehmen und Ratschläge zu geben.
Von welchen Spielern hast du früher Tipps bekommen?
Steffen Baumgart hat in Cottbus immer gut auf mich aufgepasst. Wenn ich im Kreis einen älteren Spieler nochmal und nochmal getunnelt habe, hat er mich schon mal zur Seite genommen und gesagt: „Wenn du das Trainingslager überleben willst, solltest du das als junger Spieler nicht allzu oft machen.“ (lacht) Er, aber auch Timo Rost haben mir immer wieder weitergeholfen.
Eine Stärke der Mannschaft der vergangenen Saison war der unglaubliche Zusammenhalt. Wie zuversichtlich bist du, dass es diese Saison ebenfalls so wird?
Wir werden nur über diese Geschlossenheit in der 3. Liga Erfolg haben können. Wenn jemand aus der Reihe tanzt, wird es nicht gehen. Der Kader ist besser geworden. Wir sind jetzt 24 Jungs, die jede Woche von Anfang an spielen könnten. Interessant wird es, wenn man sieht, wer spielt und wer nicht. Ich gehe davon aus, dass wir unseren Spirit behalten können. Das Gefühl in der Kabine ist sehr gut.
Du sagtest bei der Mannschaftspräsentation vergangenes Wochenende: „Jeder ist gefragt, Verantwortung zu übernehmen.“ Wie kann das aussehen?
Vielleicht kommt ein junger Spieler nicht zu einem älteren Spieler und sagt, welche Probleme er hat. Aber vielleicht geht er zu einem gleichaltrigen Mannschaftskollegen. Dann ist auch dieser gefordert, die Verantwortung anzunehmen und das beste für das Team rauszuholen.
Darüber hinaus haben alle Spieler die Verantwortung, das Beste für den CFC zu geben, den Körper zu pflegen und bereit zu sein, wenn es darauf ankommt. Da kann ich als Kapitän wenig helfen. Ich kann nicht Freitagabend kontrollieren, dass jeder pünktlich im Bett liegt.
Gibt es da einen Unterschied zwischen jüngeren und erfahreneren Spielern?
Jeder muss den Mund aufkriegen, wenn es Probleme gibt. Da zählt nicht, ob du 18 oder 32 Jahre alt bist. Bei uns in der Kabine darf und muss jeder etwas sagen. Nur so wird es funktionieren. Mittlerweile müssen auch die Jungen Verantwortung übernehmen und mit anpacken.
Nun geht’s gegen Waldhof Mannheim wieder los. Ein stimmungsvoller Start. Wie sehr hast du Bock auf diese 3. Liga?
Unfassbar viel! Ich habe ja schon mal 3. Liga gespielt. Aber was uns dieses Jahr erwartet, ist der Hammer. Es sind so viele Traditionsvereine, so viele geile Stadien dabei. Sogar Stadien, in denen ich selbst noch nie gespielt habe. Ich freue mich auf die vielen Zuschauer und die stimmungsvollen Spiele. Dafür lohnt es sich, jeden Tag hart zu arbeiten. Dafür haben wir uns letztes Jahr den Arsch aufgerissen.



