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07.11.2024 - 16.30 Uhr | Vereinsnachrichten

Kapitänin Vanessa Oehmichen im Interview: "Wir gehen Schritte in die richtige Richtung"

Wir haben uns vor dem großen Highlight-Spiel unserer CFC-Frauen gegen RasenBallsport Leipzig II mit der Kapitänin Vanessa Oehmichen getroffen. Wir haben mit der 22-jährigen Chemnitzerin über ihre Anfänge im Fußball, das Aufwachsen in Jungen-Teams und die aktuelle Saison mit den CFC-Frauen gesprochen.

Außerdem berichtete uns die gelernte Erzieherin, die sich mittlerweile in ihrer zweiten Saison mit der Kapitänsbinde am Arm befindet, vom Trainingslager im Vogtland, dem Teamgeist in der aktuellen Truppe und schilderte ihre Sichtweise auf die Entwicklung des Frauenfußballs in Chemnitz.

Vanessa, du bist ja quasi ein himmelblaues Urgestein in der Frauenabteilung. Wie lang spielst du bereits beim CFC?

Vanessa Oehmichen: Ich spiele seit 2008 beim CFC, also seitdem ich sechs Jahre alt bin. In der D-Jugend bin ich dann zu Fortuna Chemnitz gewechselt – das Zweitspielrecht beim CFC ist allerdings immer geblieben. Mit 16 Jahren bin ich dann zurück zu den Himmelblauen, dann das erste Mal in einer reinen Mädchenmannschaft. Kurze Zeit später dürfte ich auch meine ersten Spiele im Frauenbereich gemacht haben.

Das bedeutet auch, dass du fast deine komplette Jugendzeit in Jungen-Teams verbracht hast?

Oehmichen: Ja. Ich habe vereinzelt durch mein Zweitspielrecht wichtige Spiele bei den U17-Juniorinnen mitgespielt, ansonsten war ich nur in Jungen-Mannschaften aktiv. So habe ich dann drei- bis viermal in der Woche Training gehabt und am Wochenende meist einmal, teils aber auch zweimal gespielt. Je nachdem ob sich die Spiele zeitlich überschnitten haben oder nicht.

Du hast mit dem Fußballspielen direkt in Chemnitz begonnen. Wie bist du mit dem Sport erstmals in Kontakt gekommen?

Oehmichen: Als Kind hat mich mein Vater oft mit ins Stadion genommen. Dort habe ich dann auch direkt meinen ersten CFC-Schal bekommen und die Atmosphäre hat mich einfach angesteckt. Er hat mich irgendwann gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, selbst zu spielen und dann sind wir auch schon zum Probetraining beim CFC gegangen.

Nun bist du schon lang dabei. Welche Entwicklung konntest du in deiner Zeit bei den CFC-Frauen feststellen?

Oehmichen: Generell kann man sagen, dass wir uns als CFC-Frauen fußballerisch deutlich weiterentwickelt haben. Gerade seitdem Swen (Wolf, Anm. d. Red.) den Trainerposten übernommen hat, ist eine deutliche Entwicklung zu erkennen. Er legt besonders großen Wert auf spielerische Lösungen. Das sieht man unserem Spielstil auch an.

Liegt es auch an der guten technischen Ausbildung im Juniorinnen-Bereich des CFC und den talentierten Spielerinnen, die die erste Mannschaft jedes Jahr erreichen?

Oehmichen: Das ist definitiv einer der Gründe. Gerade der Jahrgang 2006/ 2007 ist sehr stark. Da kamen viele Spielerinnen dazu, die uns direkt weiterhelfen konnten.

Und wie blickst du auf die Entwicklung im Hinblick auf die Aufmerksamkeit, die dem Frauenfußball in Chemnitz entgegengebracht wird?

Oehmichen:  Man muss ehrlich sagen, dass es zu Beginn keinen interessiert hat, was wir hier machen. In der abgelaufenen Saison und vor allem in der laufenden Spielzeit ist das Interesse am Frauenfußball deutlich gewachsen. Wir werden immer mehr wahrgenommen und bekommen da auch deutlich mehr Unterstützung vom Verein. Wir gehen Schritte in die richtige Richtung.

Aktuell steht ihr auf den zweiten Tabellenplatz. In den vergangenen zwei Jahren seid ihr – nicht nur aus sportlichen Gründen – knapp am Aufstieg vorbeigeschrammt. Wie schätzt du eure sportliche Situation in der aktuellen Saison ein?

Oehmichen:  Wir haben definitiv den Anspruch ganz oben mitzuspielen. Ob es für den Aufstieg in die Regionalliga reichen kann, werden wir am Ende sehen. Mit der SV Eintracht Leipzig-Süd haben wir da einen starken Konkurrenten. Wenn es am Schluss für den Aufstieg reicht, möchte ich auch in der Regionalliga für den CFC auflaufen. Das hätte einen großen Reiz.

Nun steht kommende Woche das Pokalspiel gegen RB Leipzig II an. Welche Chancen räumst du der Mannschaft ein?

Oehmichen: Es ist eine sehr schwere Aufgabe. Sie müssen einen schlechten Tag erwischen und wir einen sehr guten. Es wird darum gehen, als Team um jeden Ball zu kämpfen und es RB so schwer wie möglich zu machen, ihr Spiel aufzuziehen. Unser Team muss ihnen permanent auf den Füßen stehen und eklig in den Zweikämpfen sein. Ich selbst kann dabei leider nicht mithelfen, weil ich mit einer Gelb-Sperre in diesem Spiel aussetzen muss. Ganz schlechtes Timing, aber leider nicht zu ändern.

Die vergangenen Tage habt ihr im Trainingslager im Vogtland verbracht. Wie blickst du auf dieses Wochenende zurück?

Oehmichen: Die Gegebenheiten vor Ort waren sehr gut. Wir hatten die Möglichkeit sowohl auf Kunstrasen als auch auf Rasen zu trainieren und sind als Team weiter zusammengewachsen. Nebenan war ein Wald, in dem wir viel Laufen gehen konnten. Ich denke das Trainingslager hat uns deutlich weitergeholfen und kann im weiteren Saisonverlauf noch eine wichtige Rolle spielen.

Worauf wird es nun im weiteren Saisonverlauf ankommen, um diesen Schwung auch in Ergebnisse umzuwandeln?

Oehmichen: In den letzten Jahren war leider das Problem, dass wir in den wichtigen Spielen gegen große Gegner unsere Leistung nicht auf den Platz bekommen haben. Diese Saison haben wir gegen Chemie schon den Grundstein gelegt und müssen in der Rückrunde dann auch gegen Leipzig-Süd liefern. Das werden ganz wichtige Schritte sein, die wir auf unserem weiteren Weg durch die Saison gehen müssen.

Warum seid ihr in den wichtigen Spielen nicht so gut zurechtgekommen?

Oehmichen: Ich denke, wir hatten viel zu viel Respekt vor den Gegnern und Angst vor dem Versagen. Wir haben nicht genügend an unsere eigene Qualität geglaubt und hatten Angst vor dem, was der Gegner an Qualität mitbringt. Beispielsweise haben wir vergangenes Jahr gegen Chemie gespielt und die halbe Mannschaft hat noch gestaunt, dass dort die ehemalige Nationalspielerin Anja Mittag mitspielt. Ich glaube, das haben wir in dieser Saison abgelegt. Außerdem haben wir uns körperlich den Gegnern angepasst und können somit insgesamt besser mithalten.

Was könnte ein möglicher Regionalliga-Aufstieg für den Verein bewirken?

Oehmichen: Ich glaube, dass wir uns durch die gesteigerte Aufmerksamkeit bereits einen Namen in Sachsen gemacht haben. Immer mehr Menschen nehmen wahr, dass wir einen gepflegten Fußball in Chemnitz spielen. Ein Aufstieg könnte uns sicherlich auch über die Grenzen Sachsens hinaus bekannter machen.

Vielen Dank für das Gespräch, Vanessa, und viel Erfolg für die kommenden Aufgaben.

Interview: Yella Mihalyi