Karsten Heine und Stephan Beutel im Interview
Pünktlich zum Start in die neue Spielzeit standen Cheftrainer Karsten Heine und Sportdirektor Stephan Beutel für unsere Vereinshomepage zum Interview zur Verfügung. Neben Einblicken auf den aktuellen Stand bei der Kaderplanung und die sportlichen Zielstellungen für die Saison 2014/15 gaben sie unter anderem Auskunft über die Hintergründe der Kaderzusammenstellung und wie wichtig Vorbereitungsspiele gegen Gegner aus der Region sind.
Der Chemnitzer FC hat sich in der letzten Spielzeit nach einer sportlich teils äußerst schwierigen Phase noch rechtzeitig gefangen und den Weg ins gesicherte Mittelfeld gefunden. Ist die letzte Saison bereits analysiert?
Karsten Heine: Aus meiner Sicht wird die Frage durch einen Blick auf unseren aktuellen Kaderkreis und die personellen Veränderungen, die wir im Spielerkreis vollzogen haben, ein Stück weit beantwortet. Für die neue Saison haben wir mehr oder weniger eine völlig neue Mannschaft zusammengestellt, die es nun zu einer schlagkräftigen Truppe zu formen gilt!
Stephan Beutel: Nach den sportlichen Schwierigkeiten, mit denen wir in der letzten Saison zu kämpfen hatten, haben wir im Hinblick auf die Kaderplanung für die neue Saison die notwendigen Konsequenzen gezogen und die weiteren Schritte daraufhin abgestimmt.
Während die Spieler nach dem anstrengenden Kampf um den Klassenerhalt in der Sommerpause einige ruhigere Wochen verleben durften, ging es für Sie nach dem Schlusspfiff in Liga 3 nahtlos weiter. Sie hatten quasi keine Zeit zum Verschnaufen?
Karsten Heine: Im Gegensatz zu Stephan Beutel konnte ich schon auch ein paar Tage Urlaub mit meiner Familie genießen. Ansonsten war es natürlich wichtig, dass die Arbeit nahtlos weiter geht und die Planungen für die kommende Spielzeit in Angriff genommen wurden.
Stephan Beutel: Die Anforderungen, denen man sich als sportliche Leitung stellen muss, sind systemimmanent, von daher darf man als Sportdirektor in so einer wichtigen Phase gar nicht an eine Verschnaufpause denken! Wer sich auf diesen Stuhl setzt, muss von vornherein wissen, welche Arbeit gerade in der Sommerpause auf ihn zukommt, ansonsten hat er den falschen Beruf gewählt. Ich denke, dass dies aber für keinen, der mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache ist, ein Problem darstellt!
Acht neue Spieler wurden bereits verpflichtet, zudem mit Florian Hansch ein viel versprechendes Talent aus dem eigenen Nachwuchs langfristig gebunden. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Stand der Kaderplanung und auf welchen Positionen sehen Sie noch Handlungsbedarf?
Stephan Beutel: Für die Kürze der Zeit ist die Kaderzusammenstellung nahezu optimal gelaufen. Es spricht vor allem für die Arbeit des Trainers, dass Spieler, die in anderen Vereinen zum festen Kader gehörten, den Entschluss gefasst haben, sich für einen Wechsel nach Chemnitz zu entscheiden. In den zwei Monaten, in denen das Transferfenster noch geöffnet ist, sind wir nun gewillt, die eine oder andere weitere Personalie für uns zu gewinnen.
Karsten Heine: Stephan und ich sind uns einig, dass wir noch mindestens einen Angriffsspieler verpflichten wollen und einen Spieler für die Position im zentralen defensiven Mittelfeld. Vor allem in letzterem Fall sind wir gewillt, einen erfahrenen Führungsspieler zu verpflichten, der uns von Anfang an weiterhelfen kann, sprich keine große Eingewöhnungszeit braucht und sofort die von ihm geforderte Leistung abruft. Weiterhin muss er zu dem System und der Spielweise, die wir an den Tag legen wollen, passen. Dafür bedarf es einer hohen Laufbereitschaft und dem absoluten Willen, hier etwas erreichen zu wollen.
Nachdem in den vergangenen Jahren eher erfahrene Spieler unter Vertrag genommen wurden, hat der Verein bisher vor allem auf junge talentierte Spieler gesetzt, die ihre Ausbildung in den Nachwuchsabteilungen von in- und ausländischen Bundesligisten genossen haben. Gleichzeitig haben fast alle Spieler gemein, dass Sie auf ihren jeweiligen Positionen vielseitig einsetzbar sind. Tragen die Transfers somit die Handschrift einer neuen Fußballphilosophie in Chemnitz?
Stephan Beutel: Zunächst muss gesagt werden, dass alle Spieler generell unter dem Gesichtspunkt verpflichtet wurden, dass wir eine Mannschaft zusammenstellen wollen, die in der Lage ist mehrere Systeme zu spielen. Auf Basis der Vorstellungen unseres Trainers haben wir das Anforderungsprofil an die Spieler daraufhin ausgelegt, dass sie flexibel einsetzbar sind und dementsprechend die für uns passenden Transfers vollzogen.
Karsten Heine: Für jeden Trainer ist es optimal, wenn er auf den geforderten Positionen auf eine Doppelbesetzung zurückgreifen kann. Dafür braucht es nun einmal vielseitig einsetzbare Spieler. Nicht zuletzt wird dadurch der Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft angeheizt und die Spieler dazu ermutigt, alles aus sich herauszuholen. Wozu so etwas führen kann, sieht man ja auch aktuell bei der WM. Wenn Mannschaften als Team über sich hinauswachsen und füreinander einstehen. Ich denke da nur an die chilenische Nationalmannschaft.
Apropos WM - der sportliche Werdegang der späteren Bundesligastars und diesjährigen WM-Teilnehmer Jerome und Kevin-Prince Boateng ist auch eng mit dem Trainer Karsten Heine verknüpft. Bei Hertha II zeichneten Sie für die Ausbildung einer ganzen Reihe von Talenten verantwortlich zu den auch die WM-Fahrer Sejad Salihovic, Ashkhan Dejagah oder John Anthony Brooks zählen. Ist die Zielstellung nun auch in Chemnitz, verstärkt auf junge erfolgshungrige Spieler zu setzen?
Karsten Heine: Grundsätzlich unterscheide ich nicht zwischen jungen und alten Spielern. Die Tür steht für jeden Spieler offen, nur muss jeder Einzelne seine Chance auch nutzen wollen. Daher beobachten wir auch sehr genau, wer gewillt ist, hart an sich zu arbeiten und den nötigen Ehrgeiz an den Tag zu legen, um das Optimale aus sich heraus zu holen. Ich denke, an dieser Stelle sollte man auch erwähnen, dass mit Florian Hansch, Christian Mauersberger und Tom Scheffel drei Spieler aus dem eigenen Nachwuchs genau diese Gelegenheit für sich genutzt haben.
Ihre Gelegenheit genutzt haben auch Spieler wie Albert Bunjaku, Domi Kumbela oder Moritz Stoppelkamp, die Sie, Herr Beutel, seinerzeit zu Rot-Weiß Erfurt gelotst haben und die später ihren Weg in die Bundesligen fanden.
Stephan Beutel: Die Spieler haben ihre zukünftige Entwicklung selbst in der Hand. Dafür bedarf es einer professionellen Einstellung und Lebensweise. Wir geben den Spielern dabei jede mögliche Hilfestellung, durch die vom Trainer bereits angesprochene Tür muss jedoch jeder selbst gehen. Gerade das aktuelle Beispiel von Florian Hansch, den wir mit einem langfristigen Arbeitsvertrag ausgestatte haben zeigt, dass wir dies dann auch honorieren
Der Chemnitzer FC verfügt seit der letzten Saison mit Lothar Hamann auch über einen hauptamtlichen Scout. Inwiefern sind dessen Beobachtungen in die Kaderplanung eingeflossen?
Karsten Heine: Lothar Hamann ist für uns auch schon in der letzten Saison ohne Ende unterwegs gewesen und hat uns mit wertvollen Informationen versorgt. Seine Beobachtungen haben daher auch Einfluss auf unsere Entscheidungen gehabt.
Stephan Beutel: Wir befinden uns in regelmäßigem Austausch mit Lothar Hamann, der unter anderem auch die Neuverpflichtungen für uns gesichtet hat. Seine Informationen stellen eine wertvolle Unterstützung dar und sind ein wichtiger Baustein für unsere tägliche Arbeit.
Neben den Neuzugängen haben gleichzeitig zehn Spieler den Verein verlassen, man kann also durchaus von einem großen Umbruch sprechen?
Stephan Beutel: In der Tat haben wir einen großen Umbruch vollzogen, der vor allem unter zwei Aspekten vorgenommen wurde. Einerseits galt es den Kader an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen und andererseits mannschaftsstrukturelle Veränderungen vorzunehmen
Welche Ziele verfolgen sie unter diesen Rahmenbedingungen für die neue Saison?
Karsten Heine: Zunächst ist es wichtig, dass die Mannschaft schnell zueinander findet und die von uns geforderten Tugenden an den Tag legt. Natürlich muss das Erreichen der für den Klassenerhalt benötigten Punkte vorerst oberste Priorität genießen.
Stephan Beutel: Wir sind gut beraten, schnellstmöglich die 45 Punkte für den Klassenerhalt einzufahren. Wenn danach noch genügend Zeit übrig ist, können eventuell neue Zielstellungen formuliert werden.
Mittelfristig will der Chemnitzer FC seinen Fans wieder Zweitligafußball bieten. Die Neuverpflichtungen besitzen alle Verträge für die 3. Liga und 2. Bundesliga. Wie sehen die mittelfristigen Planungen aus?
Karsten Heine: Mittelfristig ist das Ziel schon, an der Tür zur 2. Bundesliga anzuklopfen. Zunächst sollten wir uns jedoch auf die aktuelle Saison konzentrieren und dafür sorgen, dass die jungen Spieler gut zusammenfinden und sich in der Liga etablieren.
Stephan Beutel: Nur mit kontinuierlicher Arbeit wird es uns gelingen, den Blick nach oben zu werfen. Ein Aufstieg ist aber, sofern die finanziellen Rahmenbedingungen nicht in genügendem Maße vorhanden sind, sehr schwer planbar. Dennoch verpflichten die neuen Strukturen, die vor allem im Hinblick auf das neue Stadion geschaffen werden dazu, nach höheren Zielen zu streben und diese auch zu erreichen!
Die 3. Liga kann in dieser Saison gleich mit einer ganzen Reihe von reizvollen Duellen aufwarten. Auf den Chemnitzer FC warten zehn Ostklassiker. Neben Spielen gegen Erfurt, Halle und Rostock dürfen sich die Fans auch auf die Absteiger aus Dresden, Cottbus und Bielefeld freuen, sowie auf rassige Spiele gegen Osnabrück und Duisburg. Eine gleichermaßen anspruchsvolle und verheißungsvolle Saison wartet also?
Karsten Heine: Die 3. Liga ist auch in dieser Saison wieder eine sehr attraktive Spielklasse mit namhaften Gegnern. In unserer Region warten überragende Duelle und tolle Stadien auf Spieler und Fans!
Der Chemnitzer FC präsentiert sich auch in diesem Jahr in der Vorbereitungsphase wieder zu Testspielen in der Region. Wie wichtig sind solche Spiele, bei denen die Fans die Chance haben, auch mal näher als sonst an die Mannschaft heranzukommen?
Karsten Heine: Solche Spiele sind für uns außerordentlich wichtig! Die Leute in der Region müssen spüren, dass jeder einzelne mitgenommen und auf die Saison eingestimmt werden soll. In diesem Jahr war es uns außerdem wichtig, uns bei den Vereinen zu bedanken, die uns in der sportlich schwierigen Situation ihre Plätze zur Verfügung gestellt haben, damit wir bei ihnen ein Kurztrainingslager durchführen konnten. Ich denke, dass diese Art des Dankeschöns auch angebracht ist!
In den letzten Jahren durften sich die Fans außerdem zur Saisoneröffnung auf einen prominenten Testspielpartner freuen. Wie sehen die Planungen dahingehend aus?
Stephan Beutel: Aufgrund der Bauvorhaben im Stadion an der Gellertstraße wird es in diesem Jahr kein abschließendes Saisoneröffnungsspiel geben. Dafür werden wir in der Region gegen einen höherklassigen Gegner noch einmal ein Testspiel absolvieren.
Parallel zur Vorbereitung findet bekanntlich in Brasilien die Fußballweltmeisterschaft statt. Raten Sie ihren Spielern die Begegnungen etwas intensiver zu verfolgen, gerade auch unter dem Gesichtspunkt, dass einige WM-Fahrer auch beim kommenden Pokalgegner Mainz 05 unter Vertrag stehen?
Karsten Heine: Gerade das bereits angesprochene Beispiel von Chile zeigt, was mit den von uns geforderten Grundtugenden erreichbar ist, insofern können sich unsere Spieler schon das eine oder andere abschauen.
Stephan Beutel: Die Spieler können sich gerne die WM-Spiele anschauen und auch etwas für das Pokalspiel mitnehmen. Für uns geht es aber erst einmal vorrangig darum, eine reibungslose Vorbereitung zu absolvieren. Dafür ist das Pokalspiel, wenngleich es für uns alle ein absolutes Sahnehäubchen ist, auch einfach noch zu weit weg.
Herr Heine, Herr Beutel, recht herzlichen Dank für dieses Interview!



