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22.08.2025 - 17.58 Uhr | 1. Mannschaft

"Kein Schnickschnack, nur Dankbarkeit" – Robert Zickert über seinen Abschied vor den eigenen Fans im Stadion

Am Samstag um 13.50 Uhr sagt Robert Zickert vor der Südkurve offiziell Tschüss – beim Heimspiel am 4. Spieltag der Regionalliga Nordost gegen die U23 des 1. FC Magdeburg. 

Nach fast 25 Jahren Leistungssport und fünf intensiven Jahren im Trikot der Himmelblauen spricht "Zicke" im großen Abschiedsinterview über die Emotionen der letzten Tage, die Achterbahnfahrten mit ostdeutschen Traditionsvereinen, bewegende Nachrichten von ehemaligen Weggefährten, seine besondere Freundschaft zu Tobias Müller und verrät, warum er für seinen Abschied "keinen großen Schnickschnack" braucht.

"Mister Regionalliga Nordost" absolvierte in fünf Jahren 139 Pflichtspiele (6 Tore/4 Vorlagen) für den Chemnitzer FC. Insgesamt stehen in seiner Karriere 506 Pflichtspiele und 39 Tore zu Buche – davon 232 Einsätze in der Regionalliga Nordost.

Hinter dir und dem gesamten Verein liegen emotionale Tage. Jetzt steht dein offizieller Abschied zum Heimspiel gegen Magdeburg II vor den eigenen Fans bevor. Wie geht es dir?

Die vergangene Woche war schon ein bisschen surreal und insgesamt sehr emotional. Der Abschied vor der Mannschaft war nicht leicht. Als die Meldung dann am vergangenen Samstag veröffentlicht wurde, war die Resonanz riesig – damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet.

Was hat das mit dir gemacht?

Mir ist da ein paar Mal die Stimme weggeblieben, weil mich die Emotionen gepackt haben. Auch das Video vom Verein hat vieles wieder hochgebracht und mich in Gedanken die gesamte Karriere noch einmal durchgehen lassen. Ich habe mir bewusst Zeit genommen, um in Erinnerungen zu schwelgen.

Hat sich der Kreis vor deinem inneren Auge als Fußballer mit deinem Karriereende nun perfekt geschlossen?

Ich bin mit mir im Reinen. Beim Chemie-Spiel und dem frenetischen Jubel danach löst so ein Moment natürlich einiges aus, wenn man gerade für sich einen Schlussstrich unter ein wichtiges Kapitel seines Lebens zieht. Solche Emotionen werde ich als Aktiver auf dem Platz mit den Jungs nicht mehr erleben. Bei aller Wehmut war ich zwei Tage später dann aber okay mit der Situation.

Wie hast du das Spiel auf der Tribüne erlebt?

Ich war viel aufgeregter, als ich es je als Spieler auf dem Platz war. Gut, dass Chris Löwe und ich etwas abseits vom Rest saßen – wir haben unfassbar gebrüllt, als Jonas Marx den späten Siegtreffer erzielt hat. So emotional habe ich mich auf der Tribüne früher nie erlebt, wenn ich mal verletzt oder gesperrt war. Schön ist, dass ich über mein Karriereende hinaus weiterhin eng dabei sein werde, auch wenn die Aufgaben für mich künftig andere sind. Dieser fließende Übergang macht mir den Abschied vom Leistungssport leichter.

Wir wollen noch mal die Werbetrommel für das Magdeburg-Spiel rühren, um möglichst viele Anhänger zu deinem Abschied ins Stadion zu locken. Was braucht es für einen gelungenen Abschied?

Es braucht keinen großen Schnickschnack, bitte. Ehrlich Tschüss sagen – das reicht. Vor allem möchte ich meine Dankbarkeit ausdrücken für das, was ich beim CFC erleben durfte. Ich habe in den letzten Tagen so viel Liebe, Zuneigung und Wertschätzung erfahren, davon werde ich noch lange zehren. Das zeigt mir, dass ich nicht nur als Fußballer, sondern auch als Mensch ein paar Dinge richtig gemacht habe.

Du gehst eben mit einer angenehmen Bodenständigkeit durchs Leben...

Ein Abschied vor der "Süd" reicht mir vollkommen aus, da muss niemand Kopfstände machen. Ich werde die zwei, drei Minuten des offiziellen Abschiednehmens aufsaugen. Sie sind der Schlusspunkt nach fast 25 Jahren Leistungssport.

Du hast mit Cottbus, Jena, Lok Leipzig und Chemnitz bei insgesamt vier großen ostdeutschen Traditionsvereinen gespielt. Gab es eine Nachricht, die dich besonders berührt hat?

Es haben sich Leute von allen Vereinen gemeldet. Unser ehemaliger Torwart Jakub Jakubov hat mir Fotos aus unserer gemeinsamen Zeit beim CFC geschickt – dazu ein paar sehr persönliche Worte. Das hat mich echt berührt. Die ersten zwei Tage nach der Bekanntgabe stand mein Handy kaum still. Viele Menschen haben an mich gedacht und sich gemeldet. Allein, mich bei jedem zu bedanken, war schon eine Aufgabe.

Ein ehemaliger Weggefährte, Patrick Sander, wird am Samstag mit seiner Mannschaft als Trainer ebenfalls im Stadion sein. Welche Menschen dürfen bei deinem Abschied nicht fehlen?

Meinem engsten Kreis habe ich Bescheid gesagt und mir gewünscht, dass sie da sind. Ich weiß, dass es kurzfristig ist – und wenn man bedenkt, dass ich aus einer dörflichen Region in Brandenburg komme, wo die Wochenenden bei vielen schon längst bis zum Jahresende verplant sind. (lacht) Ich freue mich einfach, den Tag mit meiner Familie und meinen Liebsten zu verbringen. Danach können wir dann auch endgültig einen Haken hinter meine aktive Zeit setzen.

Insgesamt hast du fünf Jahre das Trikot der Himmelblauen getragen. Was nimmst du aus dieser Zeit mit?

Ganz viele schöne, auch lustige Momente – und Begegnungen mit Menschen, die mich geprägt haben. Es war beim CFC wirklich alles dabei: von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Emotional und sportlich war es eine Achterbahn. Aber das ist irgendwie typisch für ostdeutsche Traditionsvereine – bei Lok oder Jena habe ich es nicht anders erlebt. Mein Fazit fällt trotzdem eindeutig positiv aus: Ich möchte die Zeit nicht missen.

Und mit Kapitän Tobias Müller nimmst du einen echten Freund fürs Leben aus dieser Zeit mit.

Ja, durch den Fußball ist ein Band entstanden, das uns zu echten Freunden gemacht hat. Das merkt man sofort, wenn man uns zusammen erlebt. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, denn wir sind durchaus verschieden, aber teilen ähnliche Werte. Ich platze im Privaten gern mal raus mit meiner Meinung, Tobi wägt viel mehr ab und wirkt ausgleichend. Diese Mischung macht uns aus. Wir sind füreinander da – auch in den Momenten, in denen es dunkel wird. Als Fußballer ist er für mich das Sinnbild eines Kapitäns.

Du hast verschiedene Fanszenen kennengelernt. Was bleibt von den CFC-Fans in Erinnerung?

Ich habe von den Rängen absolute Liebe erfahren und kann mich nur unendlich bedanken. Hier kommen Tausende in der Regionalliga ins Stadion, die ihr letztes Hemd für den Verein geben. Auch wenn es oft gesagt wird: Es ist nicht selbstverständlich, was man hier als Viertliga-Spieler erleben darf. Genau das habe ich als Aktiver versucht widerzuspiegeln. Ich wollte auf meine Art zeigen, ich bin einer von euch. Es ist genau die Bodenständigkeit, mit der ich durchs Leben gehen möchte.

Wie sehr freust du dich auf den Abschied vor den eigenen Fans?

Das wird für mich in meinem Leben etwas Einmaliges. Vielleicht sagt ja der ein oder andere noch spontan: "Eigentlich wollte ich am Samstag gegen eine zweite Mannschaft nicht unbedingt kommen, aber wenn der Zicke verabschiedet wird, dann raffe ich mich auf und unterstütze die Jungs gegen Magdeburg im Stadion."

Wir wünschen dir einen wunderschönen Abschied vor der Südkurve, Zicke. Schön, dass du dem Verein auch künftig erhalten bleibst.

Interview: Henry Buschmann