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07.12.2024 - 19.04 Uhr | 1. Mannschaft

Last-Minute-Seo-Wahnsinn: Disziplinierte Chemnitzer entführen drei Punkte aus Halle

Der Chemnitzer FC gastierte zum Rückrundenauftakt beim Halleschen FC. Die Himmelblauen reisten mit einer Serie von fünf ungeschlagenen Spielen im Gepäck ins Leuna-Chemie-Stadion. Beim heimstärksten Team der Liga wollten die Schützlinge von Cheftrainer Benjamin Duda vor 7.349 Zuschauern ihren Lauf unbedingt fortsetzen.

Und das gelang! Dank eines Last-Minute-Traumtors von Jong-min Seo halten die Chemnitzer ihre Serie aufrecht und fügen dem HFC die erste Heimniederlage in dieser Saison zu. 

Der CFC war gezwungen, seine zuletzt erfolgreiche Startformation auf zwei Positionen zu verändern: Für die angeschlagenen Nils Lihsek (Infekt) und Niclas Erlbeck (Fußprobleme) begannen gegen den HFC die Chemnitzer Eigengewächse Niclas Walther und Roman Eppendorfer. Mannschaftskapitän Tobias Müller stand nach zehnwöchiger Verletzungspause erstmals wieder im Kader und nahm zunächst auf der Bank Platz.

Wie bereits zum Eröffnungsspiel (0:0) der aktuellen Spielzeit bot auch das Rückspiel in Halle einen großartigen Rahmen – 7.349 Zuschauer fanden den Weg ins Stadion. Der Stehplatzbereich im Gästeblock war randvoll gefüllt. Rund 1.000 CFC-Fans waren dabei und sorgten wie in den zurückliegenden Wochen für einen großartigen Auswärtssupport. Sowohl das Warm-up als auch der Einlauf beider Mannschaften wurde lautstark begleitet und ließ die Herzen jedes Fußballromantikers höher schlagen. Da die Stadionlautsprecher nicht funktionierten, begleiteten allein die Fangesänge die Zeremonie des Spielbeginns.

Die dicken Wolken über dem Leuna-Chemie-Stadion sorgten für einen dauerhaften, wenn auch moderaten Regenschauer, dem die Rasendrainage zu jeder Zeit standhielt. So fanden beide Teams für die Jahreszeit optimale Platzbedingungen vor.

Kampfspiel mit leichten Vorteilen für die Gastgeber

In Halle entwickelte sich von der ersten Minute an ein umkämpftes Duell zweier Teams, die sichtbar Respekt vor der Qualität des Gegners hatten. Beide Mannschaften waren um Spielkontrolle bemüht und vermieden im ersten Durchgang das ganz große Risiko.

CFC-Toptorjäger Seo sorgte in der 6. Spielminute für den ersten gefährlichen Offensivvortrag der Himmelblauen, als er sich über die linke Seite bis in den Strafraum tankte. Von dort spitzelte der 22-jährige Südkoreaner mit dem rechten Außenrist den Ball über HFC-Keeper Luca Bendel hinweg an den langen Pfosten, wo Jan Löhmannsröben im letzten Moment vor dem einschussbereiten Ephraim Eshele auf der Linie klären konnte.

Die Antwort des HFC ließ keine zwei Minuten auf sich warten, aber ein zentraler Abschluss aus zwanzig Metern verfehlte deutlich das Gehäuse der Himmelblauen. Es folgte eine Phase, in der sich beide Teams in einer durchaus temporeichen und unterhaltsamen Partie weitestgehend neutralisierten.

Der HFC blieb weiter dran und erhöhte die Schlagzahl. Hauptmann, der in die Tiefe geschickt wurde, brachte den Ball ins Zentrum auf den Elfmeterpunkt. Von da drückt Kulke den Ball deutlich über den Kasten (26.). Großes Glück für die Chemnitzer, die offensiv noch wenig stattfanden.

Kurz darauf der erste Rückschlag für die von Cheftrainer Benjamin Duda trainierte Mannschaft: Nachdem Halangk den gerade erst genesenen Walther am Knöchel erwischte, war Schluss für den 22-jährigen Linksverteidiger. Luis Fischer ersetzte das Eigengewächs. Fischer gliederte sich in der Offensivreihe ein, dafür rückte Mergel auf die Sechs und Eppendorfer auf die Linksverteidiger-Position (28.).

Wenig später traf Leon Damer einen Freistoß aus 25 Metern perfekt mit dem rechten Fuß. Die Flugkurve des Balls senkte sich ideal und verfehlte das linke Dreiangel nur um ein paar Zentimeter (31.). Kurz darauf folgte die größte Möglichkeit in den ersten 45 Minuten. Joe-Joe Richardson hämmerte den Ball mit viel Wucht von der Strafraumgrenze an die Oberkante der Latte, nachdem Landgraf zuvor von der Grundlinie zurücklegte (37.).

Letztlich verabschiedeten sich beide Teams mit einem 0:0 in die Kabine, mit dem der CFC deutlich besser leben konnte als die Gastgeber.

HFC drückt nach Wiederbeginn

Die Hallenser starteten mit deutlich mehr Power in den zweiten Durchgang und drückten den CFC direkt tief in die eigene Hälfte. Zwei Minuten nach Wiederanpfiff war es wieder Richardson, der den Führungstreffer für die Gastgeber auf dem Fuß hatte. Die Leihgabe des SV Sandhausen verfehlte mit seinem Schlenzer nur ganz knapp den langen Pfosten. Ein Großteil der Heimfans hatte schon zum Torjubel angesetzt.

Der Drittliga-Absteiger unterstrich in den ersten 15 Minuten der zweiten Hälfte, warum sie in der laufenden Saison noch ungeschlagen im eigenen Stadion sind. Die Himmelblauen mussten sich mit allem, was sie hatten gegen die wuchtigen Angriffswellen der Rot-Weißen stemmen.

Es gelang dem CFC im zweiten Durchgang zu selten für Entlastung zu sorgen. So entwickelte sich eine echte Abwehrschlacht. Die Duda-Schützlinge mussten einmal mehr mit voller Leidenschaft unter Beweis stellen, warum sie nach Ablauf der Hinrunde die beste Defensive der gesamten Liga stellen.

Anthony Roczen vergab nur Sekunden nach seiner Einwechslung die größte Gelegenheit des zweiten Durchgangs, als er eine Hereingabe von Landgraf stark mitnahm und aus fünf Metern an den Außenpfosten setzte. Das war der Auftakt für eine denkwürdige Schlussphase.

Seo schießt den CFC in den siebten Himmel

Kaum war die letzte Viertelstunde der Partie angebrochen, konnten die Chemnitzer sich aus der eigenen Hälfte befreien und die Partie wieder ausgeglichener gestalten. Die Himmelblauen kamen über Seo, der von rechts den eingewechselten Louis Malina fand. Dieser vergab die XXL-Gelegenheit zur CFC-Führung aus elf Metern und brachte den Ball nicht gefährlich auf den Hallenser Kasten (76.).

Der HFC lief noch mehrfach an und holte Ecke um Ecke heraus. Die Chemnitzer warfen sich allerdings in jeden Abschluss und verteidigten abermals mit allem, was sie noch in den Knochen hatten. 

In der Nachspielzeit erspielten sich die Himmelblauen dann eine Ecke. Es lag bereits der Geruch einer Sensation in der Luft und es kam, wie es kommen musste, wenn sich der Favorit vorn nicht belohnen kann. Die Ecke klärten die Saalestädter noch, doch Reutter nahm den Ball an der Mittellinie auf und schlug das Leder lang, perfekt in den Lauf von Flügelstürmer Seo. Der Goalgetter nahm das Spielgerät mit einem traumhaften ersten Kontakt mit und verwandelte ins lange Eck (90.+2). Ekstase pur im Gästeblock!

Damit belohnten sich geduldige Chemnitzer, die zum sechsten Mal in Folge die Null hielten und den fünften Sieg in Serie einfuhren. Der HFC war über weite Strecken der Partie die bessere Mannschaft, der CFC verteidigte allerdings jeden Angriff konsequent und hatte bei den Aluminiumtreffern von Richardson und Roczen das nötige Quäntchen Glück.

Mit diesem Auswärtsdreier springt die Duda-Elf in die obere Tabellenhälfte auf den 9. Platz, während der HFC zu Lok Leipzig abreißen lassen muss und mit acht Punkten Rückstand auf die Loksche den 2. Platz belegt. Kommende Woche gastiert der HFC beim VFC Plauen. Der CFC lädt zum Jahresabschluss im Stadion – An der Gellertstraße die Zweitvertretung von Hertha BSC (Samstag, 13 Uhr). Schaut noch ein letztes Mal in diesem Jahr im Stadion vorbei und freut euch auf verschiedene weihnachtliche Überraschungen. 

Hallescher FC – Chemnitzer FC 0:1 (0:0)

HFC: Bendel 30 – Landgraf 31 (C), Halili 5, Löhmannsröben 6, Hauptmann 23 – Inaler 8 (68. Roczen 11), Stierlin 13 (78. Wosz 20) - Richardson 10 (62. Weber 16), Kulke 17, Halangk 22 (78. Zaruba 4) – Akono 9 (62. Friedrich 7)

CFC: Adamczyk 1 – Walther 4 (28. Fischer 27/89. Schiebold 19), Müller 23, Zickert 21 (C), Reutter 16 – Eppendorfer 25, Rücker 17 (89. Karimani 18) – Seo 14, Mergel 10, Damer 13 – Eshele 20 (68. Malina 11)

Tore: 0:1 Seo (90.+2)

Zuschauer: 7.349