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13.12.2023 - 17.00 Uhr | News

"Unglaubliches Gefühl!" Max Roscher ist zurück im Mannschaftstraining

Das Lächeln ist zurück: Seit wenigen Tagen ist Max Roscher wieder zurück im Mannschaftstraining des Chemnitzer FC. Nach seiner Verletzung vor über einem Jahr und zwei Operationen am Sprunggelenk kann der 20-jährige Flügelflitzer wieder mit seinen Teamkollegen trainieren. Wir haben mit Max Roscher über die Verletzungszeit, mentale Auswirkungen und einen möglichen Comeback-Zeitraum gesprochen.

Max Roscher wechselte 2015 im Alter von zwölf Jahren zum Chemnitzer FC und durchlief von da an den gesamten himmelblauen Nachwuchsbereich. Über die B- und A-Junioren Bundesliga debütierte er schlussendlich am 23. Juli 2021 gegen Tennis Borussia Berlin beim 3:1-Heimerfolg des CFC zum Saisonauftakt 2021/22.

Nach einer Saison, in der er größtenteils als Joker zum Einsatz kam, setzte sich Roscher Anfang der Saison 2022/23 im Alter von achtzehn Jahren als Stammspieler durch und spielte in vierzehn Pflichtspielen knapp siebzig Minuten im Schnitt. Doch dann: "Der Schock für den Chemnitzer FC! Max Roscher blieb nach einem Zweikampf an der rechten Außenlinie am Boden liegen und musste mit der Trage vom Platz getragen werden (60.)", hieß es im Chemnitzer Spielbericht zur kalten Novemberpartie gegen den FC Carl Zeiss Jena im Herbst 2022. Das Eigengewächs verletzte sich schwer am Sprunggelenk, kehrt aber nun nach über einem Jahr Verletzungszeit und Reha wieder auf den Trainingsplatz zurück.

Auf ein Training Anfang Dezember bei Schnee und Kälte freuen sich wohl die wenigsten Fußballer. Nun bist du bei so einem Wetter wieder in den Trainingsbetrieb eingestiegen. Wie sehr hast du dich darauf gefreut?

Max Roscher: Ich habe mich noch nie so sehr auf ein Mannschaftstraining bei minus zwei Grad Celsius auf Kunstrasen gefreut (grinst). Nach so langer Pause von einem Arzt gesagt zu bekommen, dass man wieder auf den Platz darf und wieder alles machen kann, ist ein unglaublich schönes Gefühl. Ich merke aber natürlich trotzdem, dass da noch ein bisschen was fehlt und habe auch noch ein paar Probleme beim Passen, Schießen und Laufen. Ich denke, das ist aber auch nach einem Jahr Pause noch vertretbar und normal.

Welche Übungen kannst du denn bereits mitmachen?

Roscher: Alles kann ich noch nicht mitmachen. Ich muss da auch schauen, dass ich es nicht sofort überstürze, aber an ein paar Pass- und Laufübungen konnte ich schon wieder teilnehmen.

Springen wir einmal zurück in den November 2022. Wie verlief deine lange Verletzungszeit ab dem Spiel gegen den FC Carl Zeiss Jena?

Roscher: Gegen Jena habe ich mich verletzt und musste ausgewechselt werden. Es konnte nicht direkt nach der Verletzung diagnostiziert werden, was genau passiert war, da es eine seltene Verletzung ist. Eine Luxation der Peronealsehnen ("urch Hochziehen des Fußaußenrandes ein schmerzhaftes hervorspringen und schnappen der Peronealsehnen hinter dem Außenknöchel", Quelle: ortho-pede.de). Deswegen hatte ich davor noch eine Hand-OP. Am 18. Januar 2023 stand dann die Sprunggelenks-OP in München an. Danach habe ich die Reha begonnen, habe aber schnell gemerkt, dass es sich nicht so richtig gut angefühlt hat. Ich habe immer wieder versucht, ins Training einzusteigen, allerdings ohne Erfolg, weil ich immer wieder Schmerzen hatte. Dann sind wir zu dem Schluss gekommen, dass ich mich noch einmal operieren lassen muss, weil in München bei der OP leider sehr viel falsch gelaufen ist. Das war dann am 15. Juni dieses Jahres. Nach der zweiten OP war ich etwa acht Wochen bei der Admedia und dann noch einmal circa vier Wochen in Plauen in der Reha, bevor ich am 04. Dezember wieder ins Training einsteigen konnte.

Du hast von einer Hand-OP gesprochen. Wieso war diese notwendig?

Roscher: Ich habe mir im Sommer 2022 einen Handwurzelknochen gebrochen. Der musste sowieso operiert werden, da ich sonst Arthrose in der Hand bekommen hätte können. Der OP-Termin stand schon vor der Verletzung fest und die Hand wäre sowieso operiert worden. Dann kam kurz davor leider noch der Fuß dazu. Mittlerweile ist die Hand wieder gut verheilt. Ich habe keine Probleme mehr. Ab und zu habe ich noch Schmerzen im Becken, da ein Stück Knochen im Becken abgeschnitten und in die Hand eingesetzt wurde. Ansonsten habe ich damit keine großen Probleme mehr.

Wie ging es dir mental während der Verletzungszeit?

Roscher: Es gab immer wieder mal Rückschläge. Das wusste ich auch vorher schon, aber dass es so ein Auf- und Ab wird, wie es schlussendlich war, konnte ich nicht absehen. Es ist auch immer noch so. Ich habe letzte Woche normal trainiert, aber am letzten Abend der Trainingswoche ist mir meine Sehne wieder zweimal rausgesprungen. Ich habe jetzt gelernt, da nicht zu viel hineinzuinterpretieren und weiterzumachen, als wäre nichts passiert. Das ist aber sehr schwer, da unterbewusst natürlich hängen bleibt, dass etwas mit dem Sprunggelenk ist und das kann man auch nicht leugnen. Für mich persönlich war das mental die schwerste Zeit meines Lebens. Ich habe noch nie so viel geweint wie in diesem Jahr. Ich wusste teilweise nicht, was richtig ist und was als nächstes passiert. Ich habe an mir gezweifelt, an meinem Körper gezweifelt und auch an den Ärzten. Ohne die Unterstützung meiner Freundin und meiner drei besten Freunden wäre das alles nicht möglich gewesen. Ich wüsste nicht, was ohne sie gewesen wäre. Sie konnten mich in dieser schweren Phase auch mal auf andere Gedanken bringen und haben mich unterstützt. Ich glaube, mental ist das die schwerste Situation für jeden Sportler.

Wie fühlte es sich an nur zuschauen und nicht eingreifen zu können?

Roscher: Ich konnte noch nie zuschauen. Das hat mich schon im Dorfverein genervt, wenn ich im Hallenturnier auf der Bank sitzen musste. Dann habe ich immer meinen Papa angemotzt, dass ich unbedingt spielen wollte. Für mich ist es das Schlimmste nur zuzugucken. Ich muss irgendwo mit eingreifen können. Deswegen hasse ich es auch zu Fliegen, weil man nicht eingreifen kann.

Wie nah ist man in so einer Verletzungszeit an der Mannschaft?

Roscher: Die Mannschaft konnte ich leider nicht so häufig sehen, denn man ist sechs bis acht Stunden am Tag in der Reha und sieht die Mannschaft kaum. Zu den Spielen war ich da. Man ist auch noch Teil der Mannschaft und nimmt an Teamevents teil aber integriert ist man nicht und das kann man auch gar nicht sein. Man ist halt nicht mit den Jungs auf dem Platz, auf dem man mit ihnen normalerweise die meiste Zeit verbringt. Ich habe die Jungs trotzdem noch oft gesehen, aber ich wusste beispielsweise nicht jederzeit, wie wir das nächste Spiel angehen. Das wollte ich auch gar nicht wissen.

Wieso wolltest du nicht wissen, wie die Mannschaft die Spiele angeht? Hätte es dir das Zuschauen noch schwerer gemacht?

Roscher: Ich wollte es nicht wissen, da es mich noch mehr runtergezogen hätte. Ich wollte in der Zeit wenig von Fußball wissen. Die Spiele habe ich mir natürlich trotzdem angeschaut, aber ich habe in der Zeit versucht vom Fußball etwas Abstand zu nehmen.

Du hast dir als Ziel gesetzt, in Belek im Trainingslager wieder bei der Mannschaft zu sein. Wie schätzt du die Chancen ein, zu diesem Zeitpunkt wieder voll im Training zu stehen?

Roscher: Ich bin auf einem guten Weg, mit ins Trainingslager zu reisen. Ob ich alles machen kann, werde ich sehen. Im Endeffekt muss ich auf das Sprunggelenk hören. Wenn ich merke, dass mir mein Körper sagt 'mach mal ein bis zwei Tage ruhiger' muss ich so etwas berücksichtigen. Ich habe das auch nach meiner ersten Trainingswoche gemerkt und muss da auf meinen Körper hören. Ich habe noch eine Woche hier, bevor dann Winterpause ist und dann werden wir sehen, wie viel ich im Trainingslager mitmachen kann. Ich bin einfach erst mal froh, wieder auf dem Platz stehen zu können.

Das Interview mit Max Roscher zu seinem Trainingscomeback siehst du bei ClubTV!