Mehr als nur ein Spiel: Malik, Bälle und starke Momente in der Unterkunft in Frankenberg
Ein runder Ball und ein paar Kids, die ihn hin und her kicken. Mehr braucht es nicht, um Gemeinschaft zu stiften – das wurde auch in der vergangenen Woche in Frankenberg deutlich. Der Chemnitzer FC war zu Besuch in einer Geflüchtetenunterkunft in Frankenberg, um neue Fußbälle zu übergeben. Was als einfache Sachspende begann, wurde zu einem echten Fest für die Kinder und ein starkes Zeichen für Zusammenhalt und Mitmenschlichkeit. Mittendrin: Maskottchen Malik, der mit strahlenden Augen empfangen wurde, Autogramme verteilte, Sticker und Stadionhefte übergab – und vor allem ein paar neue Bälle im Gepäck hatte.
"Ich hab einfach mal beim CFC angerufen"
Die Idee kam von Heimleiter Tom, der für LMSG – der Landkreis-Mittelsachsen-Servicegesellschaft – die Unterkunft betreut. Ihm fiel auf, dass die Kinder täglich Fußball spielen wollten, aber dass die Bälle, die er zuvor von seinem eigenen Geld kaufte, schnell kaputt gingen. Kurzerhand griff der sozial engagierte Rentner zum Hörer und kontaktierte den Chemnitzer FC. Nach kurzem Mailverkehr mit dem Club waren die Bälle klar gemacht: "Ich finde es super, dass ihr das wirklich wahr gemacht habt. Die Kinder freuen sich riesig – schaut sie euch an!"
Rund 20 Kinder aus Nationen wie Syrien, Libyen, Tschetschenien und der Türkei leben in der Einrichtung – und trotz unterschiedlichster Herkunft herrscht Einigkeit auf dem Bolzplatz. "Die verstehen sich alle super und lernen wahnsinnig schnell Deutsch", berichtet Tom. Gemeinsam mit Kollegin betreut er zwei Unterkünfte in Frankenberg.
Mehr als nur Fußball – ein Stück Normalität schenken
Für die Kinder ist der Fußball nicht nur ein Spiel, sondern oft auch ein Weg, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten. Viele von ihnen haben Krieg, Flucht und familiäre Trennungen erlebt. „Da muss man einfach was machen“, sagt Tom und wird nachdenklich. "Diese Kinder haben so viel durchgemacht – was sie brauchen, ist Freude, Stabilität und ein bisschen Normalität."
Dass der CFC diesen kleinen Beitrag leisten konnte, erfüllt auch die Vereinsverantwortlichen mit Stolz. "Wir sind froh, auch in dieser Form unserer gesellschaftlich-sozialen Funktion nachzukommen. Natürlich geht es im Fußball immer um den Sieg, um Ergebnisse und Konkurrenzkampf, aber im Grunde ist der Sport doch genau dafür da: Um Gemeinschaft zwischen allen Menschen zu stiften, egal welcher gesellschaftlichen oder marginalisierten Gruppe sie angehören", so Tommy Haeder, Geschäftsstellenleiter des Chemnitzer FC. Mit dem Besuch wurde ein deutliches Zeichen gesetzt: Jeder Mensch ist willkommen!
Zwischen Integration und Unterstützung
Die Zusammenarbeit mit der Stadt Frankenberg läuft laut Tom hervorragend. Der Bürgermeister, das Ordnungsamt, viele Vereine – sie alle stehen hinter der Arbeit der LMSG und helfen, wo sie können. Auch wenn es manchmal Gegenwind gibt – vor allem von außen – überwiegt vor Ort die Offenheit. „Wenn die Leute sehen, wie toll die Kinder hier sind, wie gut sich viele integrieren – dann öffnen sich die Herzen.“
Doch die Herausforderungen bleiben. Integration braucht Geduld, Verständnis und Unterstützung – gerade bei psychisch belasteten Menschen. Das psychosoziale Zentrum Chemnitz ist ein wichtiger Partner der Einrichtung, um genau dort zu helfen, wo Worte allein nicht ausreichen.
Ein Besuch, der bleibt
Am Ende war es ein Nachmittag voller Freude, Bewegung und echter Begegnung. Die Kinder kickten mit ihren neuen Bällen über den Hinterhof, Malik tanzte und posierte für Erinnerungsfotos, und Heimleiter Tom ließ keinen Zweifel: "Das war großartig. Danke, dass ihr da wart."
Der Chemnitzer FC sagt seinerseits: Danke für den herzlichen Empfang – wir kommen gern wieder. Denn Fußball verbindet. Und manchmal beginnt ein großes Miteinander mit einem kleinen Pass.



