Mit Hand und Kopf
Das Corona-Virus zwingt den Fußball in die Pause. Der Trainings- und Spielbetrieb ist vorübergehend eingestellt. Die Spieler wurden nach Hause geschickt. Doch wie verbringen unsere himmelblauen Drittliga-Profis diese für uns alle unbekannte Zeit?
Im zweiten Teil schauen wir auf CFC-Mittelfeldspieler Daniel Bohl.
Auf dem Rasen ist er der Mann fürs Grobe. Die Schnörkel, Dribblings oder Feinarbeiten überlässt Daniel Bohl gerne seinen Mitspielern. Der zentrale Mittelfeldmann fegt lieber über den Platz, beißt sich an seinem Gegenspieler fest und strapaziert mit seinen platzierten Grätschen die Rasenflächen der 3. Liga. Seine letzte Grätsche liegt nun über drei Wochen zurück. Doch trotz Corona-Spielpause bleibt sich Bohl seiner Tugend treu.
„Wir renovieren Zuhause. Ich schaue, dass ich da etwas helfen kann“, erklärt der 25-Jährige, der die Zeit im heimischen Elternhaus im Saarland verbringt. Der ‚Fußwerker‘ verrät, dass an ihm kein Handwerker verloren gegangen ist: „Mein Papa hat den Plan und das handwerkliche Geschick. Ich bin auch hier fürs Grobe zuständig.“ Und so prüft er auch im Haus den Bodenbelag auf Herz und Nieren. „Aktuell reiße ich den Teppich raus – Sachen eben, für die man nicht viel Begabung braucht“, lacht Bohl.
Dass er dafür nun wieder für mehrere Wochen ins heimische Kinderzimmer ziehen muss, ist für ihn kein Problem. „Es läuft überraschend gut. Ich war es nicht mehr gewohnt bei meinen Eltern im Haushalt zu leben. Aber wir nehmen alle sehr viel Rücksicht aufeinander. Es ist schön mal wieder so viel Zeit mit der Familie zu verbringen“, verrät Bohl.
Das Corona-Virus ist selbstverständlich auch bei den Bohls ein Thema. 726 Fälle wies das kleine Bundesland an der französischen Grenze am Montagnachmittag auf. „Es ist hier, wie im gesamten Land auch, eine angespannte Situation. Man merkt es im Supermarkt, wenn man etwas besorgen muss. Für mich ist es ein bisschen wie ein Alptraum, der leider noch nicht vorbei ist. Aber wir bleiben positiv. Ich verbringe die Zeit bei meiner Familie und meiner Freundin zu Hause. Ich schaue, dass ich auch nur mit ihnen Kontakt habe.“
Und so widmet sich Handwerker-Assistent Bohl den restlichen Tag seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre. „Ich versuche die eine oder andere Hausarbeit zu schreiben, um mich abzulenken.“ Eine hat er bereits geschafft. 30 Seiten zum Thema Wirtschaftsrecht hat er in den vergangenen Tagen zu Papier gebracht.
Völlig ausgepowert ist er dennoch nicht: „Ich versuche mich trotz allem viel zu bewegen. Ich merke als Sportler, dass ich nicht so ganz ausgelastet bin, wenn ich den ganzen Tag im Haus verbringe. Deshalb beginne ich meinen Tag meistens schon mit Sport. Entweder mache ich ein paar Kraft-Übungen oder ich gehe laufen, um mich fit zu halten.“
Das alles ist kein gleichwertiger Ersatz. Das Teamtraining im Chemnitzer Sportforum fehlt dem 25-jährigen Stammspieler. Verständnis für die erforderlichen Maßnahmen hat Bohl dennoch. „Es ist für alle eine sehr harte Zeit. Es ist schwer, geduldig zu blieben und sich dem bewusst zu sein, was in dieser Zeit in vielen Ländern vor sich geht. Wir haben Glück, dass bei uns in der Familie alle gesund geblieben sind.“
Bohl wünscht sich eine baldige Rückkehr auf den Rasen. Die Eindämmung des Corona-Virus hat trotzdem auch für ihn deutlichen Vorrang. „Ich persönlich wünsche mir, dass wir die Saison noch erfolgreich zu Ende spielen können. Aber ich denke, das wäre egoistisch den betroffenen Personen gegenüber. Die Gesundheit geht auf jeden Fall vor. Da muss der Fußball zurückstecken.“
Teil 1: Jakubov: Mit Hund und Maske



