Nach langer Führung: Greifswald nimmt dem CFC spät zwei Punkte
Die weiteste Auswärtsreise der Saison führte den Chemnitzer FC am 10. Spieltag zum Greifswalder FC. Die knapp 500 Kilometer in den Norden bewältigte die Mannschaft von Cheftrainer Benjamin Duda bereits am Freitag, um sich optimal auf die Partie vorzubereiten. Der CFC wartet seit dem zweiten Spieltag auf einen Sieg und blieb in den letzten vier Partien ohne eigenen Treffer. Mit dem 1:1 (0:1) in Greifswald vor 1.414 Zuschauern beendeten die Himmelblauen ihre Torflaute, doch die Sieglosserie hält weiterhin an.
Mit drei Änderungen in der Startelf ging der CFC in die Partie. Der erst am Donnerstag verpflichtete Jong-min Seo stand direkt in der Anfangsformation und sorgte mit unbedarften Tempo-Dribblings über den linken Flügel für viel Belebung. Kapitän Tobias Müller und Linksverteidiger Niclas Walther kehrten nach abgesessenen Sperren in die Startelf zurück. Jannick Wolter und Luis Fischer nahmen dafür auf der Bank Platz. Mittelfeldabräumer Niclas Erlbeck (Probleme am Knie und Sprunggelenk) musste Cheftrainer Benjamin Duda verletzungsbedingt aus der ersten Elf rotieren. Außerdem fehlten weiterhin die langzeitverletzten Dejan Bozic (Reha nach OP) und Tom Baumgart (Knochenödem). Ebenfalls passen musste Neuzugang Dardan Karimani (Infekt).
Kurz vor Anpfiff öffnete der Himmel über dem Volksstadion nochmals seine Schleusen, doch rechtzeitig zum Spielbeginn zeigte sich die Sonne. Beide Teams starteten couragiert und versuchten, das Spiel mutig nach vorne zu gestalten. So entwickelte sich eine hochattraktive Regionalliga-Begegnung, in der sich beide Seiten nichts schenkten.
Mergel beendet die Chemnitzer Torflaute
In der 5. Minute wurde es das erste Mal brenzlig für den CFC: Nach einer Standardsituation kam Greifswalds Eglseder per Kopf zum Abschluss, doch CFC-Keeper Daniel Adamczyk war zur Stelle und parierte sicher. Drei Minuten später setzte der CFC ein erstes Ausrufezeichen: Nach einem starken Solo auf der rechten Seite zog Lihsek in den Strafraum und schloss mit links ab. Ein Abwehrbein lenkte den Ball zur Ecke (8.), die keine direkte Gefahr brachte – aber dann doch über Umwege den ersten Treffer des Spiels einleitete.
Die Greifswalder Abwehr versuchte nach einer Balleroberung, das Spiel ruhig von hinten aufzubauen. Doch nach einem Pass von Strietzel auf Schmedemann vor dem eigenen Strafraum geriet dieser in Bedrängnis, weil er den Ball nicht sauber annahm. Artur Mergel witterte die Chance, setzte energisch nach und eroberte den Ball 18 Meter vor dem Tor. Ohne zu zögern zog der 28-Jährige trocken mit rechts ab und beendete nach 389 torlosen Minuten die lange Durststrecke des CFC – das 0:1 war perfekt und der Bann endlich gebrochen!
Der Gegentreffer ließ die Greifswalder unbeeindruckt. Im Gegenteil: Die Gastgeber blieben weiterhin aktiv und erspielten sich immer weiter aussichtsreiche Chancen. Der CFC verteidigte – wie schon in den vergangenen drei Partien unter Cheftrainer Benjamin Duda – diszipliniert im Kollektiv.
In der 22. Spielminute schien der Ausgleich greifbar nahe, als ein abgefälschter Freistoß von Brandt knapp am Pfosten vorbeiging. Auch der anschließende Eckball sorgte für Gefahr, den Greifswaldern fehlte in dieser Szene nur wenige Zentimeter zum Torerfolg. Die Rot-Weißen erhöhten weiter den Druck und versuchten, ihre Feldvorteile in Zählbares umzumünzen. Doch der CFC hielt stark dagegen und suchte mit schnellen Umschaltaktionen seinerseits das zweite Tor.
Beide Teams investierten viel, besonders im läuferischen Bereich. In der 44. Minute setzte Leon Damer zu einem Distanzschuss an, den Petzold im Greifswalder Tor sicher parierte. Kurz vor dem Halbzeitpfiff wurde es erneut vor dem CFC-Tor gefährlich, als Eglseder trocken aus 25 Metern abzog, aber knapp das Ziel verfehlte (45.).
Mit einer knappen, aber verdienten Führung ging der CFC in die Pause. In den ersten 45 Minuten zeigten die Himmelblauen gegen einen ambitionierten Gegner alle nötigen Grundtugenden und arbeiteten hart an dem lang ersehnten Erfolgserlebnis.
Manske trifft dem CFC spät ins Mark
Zu Beginn des zweiten Durchgangs ging es weiter wie in Hälfte eins. Die Gastgeber hatten leichtes Übergewicht, wussten dies jedoch nicht zu nutzen. Der CFC stand nun etwas tiefer und lauerte auf Konterchancen.
Die Zweikämpfe wurden intensiver, was das Spielgeschehen zerfahrener werden ließ und zu zahlreichen Freistößen im Mittelfeld führte. Nach einer Ecke von Damer in der 56. Minute kam Felix Müller im Gewühl mit dem Kopf an den Ball, doch Petzold war zur Stelle. Ein Schlenzer von Damer senkte sich lehrbuchmäßig hinter Petzold, verfehlte allerdings das lange Eck knapp (57.).
Mit zunehmender Spielzeit wurden die Spielanteile immer ausgeglichener. Der CFC zeigte eine geschlossene und reife Mannschaftsleistung. In der 69. Minute zwang Benyamina Adamczyk zu einer Glanzparade, als er nach einer flachen Hereingabe von außen direkt abzog.
In der letzten Viertelstunde wurde das Offensivspiel der Himmelblauen ungenauer, längere Passstafetten waren nun eine Seltenheit. So konzentrierten sich die Schützlinge von Benjamin Duda mehr und mehr auf die Defensivarbeit. Nur noch vereinzelt ergaben sich Räume, um eigene Angriffe zu inszenieren.
Greifswald warf alles nach vorne, entschlossen den Ausgleich zu erzwingen – und es gelang mit etwas Glück in der 85. Spielminute. Manske nutzte einen freien Ball und zog aus 20 Metern trocken ab. Der abgefälschte Ball schlug im kurzen Eck hinter dem machtlosen Daniel Adamczyk ein. Bitter für den CFC.
Die Chemnitzer versuchten offensiv noch einmal in die Show zu kommen, brachten den Ball aber in den Schlussminuten nicht mehr in die gefährliche Zone. Unter dem Strich steht ein bitteres – aufgrund der langen Führung – aber leistungsgerechtes Remis und eine deutlich erkennbare Entwicklung der Mannschaft unter Cheftrainer Benjamin Duda.
Am kommenden Samstag, dem 5. Oktober 2024, geht’s für den CFC um 13 Uhr weiter mit dem Auswärtsspiel beim direkten Tabellennachbarn FSV Luckenwalde. Die Greifswalder sind dann einen Tag später beim VFC Plauen zur gleichen Anstoßzeit gefordert.
Greifswalder FC – Chemnitzer FC 1:1 (0:1)
GFC: Petzold 37 – Striezel 5, Schmedemann 24, Eglseder 29 – Engel 13 (60. Abu-Alfa 10), Deadlow 25, Brandt 8 (C), Kratzer 18 – Farr 6 (60. Manske 23) – Benyamina 90, Facklam 27 (71. Hetzsch 16)
CFC: Adamczyk 1 – Walther 4, F. Müller 23, Zickert 21, Reutter 16 – Lihsek 8 (89. Eshele 20), T. Müller 38 (C), Rücker 17– Seo 14 (63. Fischer 27) – Mergel 10 (75. Eppendorfer 25), Damer 13
Zuschauer: 1.414
Tore: 0:1 Mergel (9.), 1:1 Manske (85.)



