Neuzugang Maximilian Reule im Interview
Der Karlsruher SC hat in der Vergangenheit bereits eine ganze Reihe talentierter und erfolgreicher Bundesligaspieler hervorgebracht. Neben Michael Sternkopf, Jens Nowotny oder Mehmet Scholl zählt der dreimalige Welttorhüter Oliver Kahn als das Aushängeschild der Talenteschmiede schlechthin. Diese exzellente Nachwuchsarbeit zeichnet den KSC auch in der Gegenwart aus, ist mit Mittelfeldjuwel Hakan Çalhanoğlu schließlich zuletzt einem weiteren Spieler aus den Reihen der Badener der Sprung ins Fußballoberhaus gelungen.
Zu diesem Sprung möchte auch Maximilian Reule eines Tages ansetzen. Zu Juniorenzeiten konnte er sich bereits in den höchsten Spielklassen seiner Altersklasse behaupten, nun möchte er nach seinen ersten Erfahrungen im Profikader seines Heimatvereins bei unseren Himmelblauen den nächsten Schritt gehen und Spielpraxis in der 3. Liga sammeln. Welche fußballerischen Tugenden er dabei in die Waagschale werfen will, verriet er uns im Interview!
Hallo Max, als Torhüter, der seine Ausbildung beim Karlsruher SC genossen hat, kann man sich einem Vergleich mit Oliver Kahn sicherlich nicht entziehen?
Maximilian Reule: Tatsächlich werde ich öfters darauf angesprochen, dass es eine gewisse Ähnlichkeit zwischen mir und Oliver Kahn gäbe. Selbst möchte ich aber ungern Vergleiche mit ihm ziehen, denn er war eine Extraklasse für sich und wird von seiner gesamten Persönlichkeit und Ausstrahlung her einzigartig bleiben. Deshalb gilt für mich, Oliver Kahn ist Oliver Kahn und Max Reule ist und bleibt Max Reule!
Die Nachwuchsarbeit des Karlsruher SC genießt seit je her einen sehr guten Ruf. Neben Oliver Kahn stehen auch Mehmet Scholl, Michael Sternkopf oder Jens Nowotny exemplarisch für die Talenteschmiede der Badener. Worauf legt man in der Nachwuchsförderung besonderen Wert und was zeichnet den KSC in dieser Hinsicht aus?
Maximilian Reule: Die Ausbildung in Karlsruhe ist rund herum super, wenngleich ich erst spät eine richtige spezifische und optimale Torwartausbildung genießen konnte. Vorher trainierten alle Torhüter im Nachwuchs gemeinsam, auf individuelle Belange konnte da wenig eingegangen werden. Besonders wichtig für meine eigene Entwicklung war daher sicherlich die Verpflichtung von Kai Rabe als Torwarttrainer. Unter seiner Obhut habe ich dann ein richtig gutes Individualtraining absolviert und meine Stärken herausarbeiten können.
Auf welche eigenen Stärken als Schlussmann kannst du dich dabei verlassen?
Maximilian Reule: Ich schätze mich selbst als einen reflexstarken Torhüter ein, der seine Stärken vor allem auf der Linie hat. Wenn es sein muss, kann ich auch durchaus lautstark werden und meine Vorderleute durch meine Kommandos zusätzlich pushen. Auch denke ich, dass mich eine gehörige Portion Selbstvertrauen auszeichnet, so dass ich mit Fug und Recht behaupten kann, in meiner Alterklasse zu den besten Torhütern Deutschlands zu zählen.
Auf der Torhüterposition kommt es allgemein selten zu Rotationen. Trotzdem willst du als Youngster an den Ketten zerren und dir mit Philipp Pentke und Felix Junghan einen engagierten Kampf um den Stammplatz liefern?
Maximilian Reule: Trainer Karsten Heine hat mir von Beginn an zu Verstehen gegeben, dass die Leistung über den Einsatz in der Startelf entscheidet. Derjenige, der sich von uns am besten präsentiert, wird auch im Tor stehen. Daher ist es selbstverständlich mein Ziel, von Beginn an einen guten Eindruck zu hinterlassen und keinen Zweifel an meinem Ehrgeiz aufkommen zu lassen! Klar wird es nicht einfach werden, denn wir haben eine sehr gute Konkurrenzsituation. Wenn sich allerdings die Chance bietet, dann werde ich sie auch nutzen!
Allem sportlichen Wettkampf um den Platz zwischen den Pfosten zum Trotz, ist ein gutes und kollegiales Verhältnis aber unverzichtbar?
Maximilian Reule: Ein kollegiales und faires Miteinander gehört auf und neben dem Platz dazu! Trotzdem ist jeder Einzelne gefordert, in erster Linie auf sich selbst zu schauen und den eigenen Anforderungen gerecht zu werden. Mein Ziel ist es, sich hier in Chemnitz weiterzuentwickeln. Ich bin ein Spieler, der selbst im Training partout nicht verlieren kann und das zeige ich auch immer durch meine Einsatz- und Kampfbereitschaft. Schließlich möchte ich durch gute Leistungen auf mich aufmerksam machen und mich für weitere Aufgaben empfehlen!
In Karlsruhe hattest du dich ebenfalls einer großen Konkurrenz zu stellen. Dirk Orlishausen war zugleich als Kapitän eine absolute Führungspersönlichkeit. Was hast du dir von ihm abschauen können?
Maximilian Reule: Dirk Orlishausen ist ein Keeper, den eine absolute Professionalität auszeichnet. Egal ob in Spiel oder Training, er gibt immer alles! Von dieser Mentalität war ich stets beeindruckt, denn damit kann ich mich absolut identifizieren. Schon alleine aus diesem Grund hatten wir untereinander ein super Verhältnis. Eigentlich wäre ich dafür vorgesehen gewesen, ihn später als neue Nummer Eins zu ersetzen. Aus diesem Grund war ich zuletzt auch ein fester Bestandteil der Zweitligaelf.
Trotzdem hast du dich dazu entschieden, eine neue Herausforderung anzunehmen und in die dritte Liga zu wechseln!
Maximilian Reule: Ich habe das Risiko, eine weitere Saison auf der Bank sitzen zu müssen und nicht die nötige Spielpraxis zu bekommen, einfach als zu hoch eingeschätzt. In diesem Alter möchte man auf dem Platz stehen und seine Spiele absolvieren. Deshalb habe ich auch die Angebote aus der 1. Bundesliga wie vom HSV oder aus der 2. Bundesliga von Darmstadt 98 abgelehnt, da mir auch dort die nötige Perspektive fehlte.
Zu welchem Zeitpunkt hat es dann den ersten Kontakt zum Chemnitzer FC gegeben?
Maximilian Reule: Der Kontakt kam eigentlich sehr kurzfristig zustande. Einen Tag vor Trainingsbeginn hat es dann die ersten Gespräche gegeben, die dann ganz schnell zum Abschluss kamen. Ich denke, das zeigt auch, dass es zwischen beiden Seiten auf Anhieb gepasst hat!
Welche Zielstellungen hast du dir persönlich für die kommende Saison gestellt?
Maximilian Reule: Zunächst möchte ich in die 3. Liga hineinschnuppern und meine Chance, mit 20 Jahren das Drittligadebüt zu feiern, wahrnehmen. Als Teil einer erfolgreichen Mannschaft des CFC will ich auf mich aufmerksam machen und meinem großen Ziel, irgendwann einmal die Nummer 1 beim KSC zu sein, ein Stückchen näher kommen. Darum möchte ich mich erstmal in der 3. Liga etablieren und Spiele auf den Buckel bekommen.
Denn als Karlsruher durch und durch möchtest du nochmals deine Chance, beim Heimatclub bekommen!
Maximilian Reule: Man könnte wirklich sagen, ich bin KSCer durch und durch! Das liegt vor allem daran, dass ich sieben wunderbare Jahre bei diesem Verein hatte und dabei in der Jugend stets die Nummer 1 zwischen den Pfosten war. Auch der Aufstieg mit unserer ersten Mannschaft in die 2. Bundesliga war ein unvergessliches Erlebnis. Diese tolle Stimmung ist dann nahtlos in die darauf folgende Zweitligasaison übertragen worden. Zudem verbindet mich mit Trainer Markus Kauczinski ein wahnsinnig gutes Verhältnis. Er war es auch, der mich damals in der C-Jugend zum KSC lotste und maßgeblichen Einfluss auf meine fußballerische Entwicklung hatte. Doch nun möchte ich mich erst einmal voll und ganz auf meine Aufgaben in Chemnitz konzentrieren, denn das ist jetzt das A und O!
Mit Reagy Ofosu, Marco Kehl-Gómez und Stefano Cincotta hast du dich bereits zum privaten WM-Public Viewing getroffen. Die Eingewöhnung in Chemnitz läuft also ganz gut und die kommenden Aufgaben können angegangen werden?
Maximilian Reule: Wir haben eine junge Truppe, dich sich gut versteht und bereits recht gut zueinandergefunden hat. Im Juli werde ich dann auch meine eigene Wohnung beziehen und dann gilt es nur noch, sich voll und ganz auf den Job zu konzentrieren und Leistung zu bringen!
Maximilian Reule, recht herzlichen Dank für dieses Interview und viel Erfolg mit unseren Himmelblauen!



