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26.06.2014 - 11.47 Uhr | 1. Mannschaft

Neuzugang Nils Röseler im Interview

Fragt man vor großen Fußballturnieren nach den Geheimfavoriten auf WM- oder EM-Titel, werden die deutsche und die niederländische Nationalmannschaft meist in einem Atemzug genannt. Seit jeher genießt dabei vor allem die Nachwuchsausbildung in unserem Nachbarland einen sehr guten Ruf. Johan Cruyff, Clarence Seedorf oder Dennis Bergkamp, allesamt in den Akademien niederländischer Topclubs ausgebildet, zählten zu den Stars ihrer Zeit. Aktuell sind es unter anderem Spieler wie Memphis Depay, die mit der „Elftal" für Furore sorgen. Einer, der einen Großteil dieser Spieler noch bestens aus seiner eigenen Zeit in den Niederlanden kennt, ist Neuzugang Nils Röseler. In der Nachwuchsakademie von Twente Enschede ausgebildet, spielte er unter Steve McClaren gegen Ajax Amsterdam und Feyenoord Rotterdam. Auf welche Stars er dabei traf, wie sich die Ausbildung bei Twente gestaltete und welche Ziele er sich mit dem CFC gesetzt hat, verriet er uns im Interview!

Hallo Nils, deine Heimatregion, die Grafschaft Bentheim, ist eingefleischten Sportfans zwar vor allem durch die vergangenen Erfolge des Handballbundesligisten HSG Nordhorn ein Begriff. Für dich stand aber frühzeitig schon immer der Fußball im Vordergrund oder?

Nils Röseler: Auch wenn der Handball einen gewissen Stellenwert besitzt, behält der Fußball in und um Nordhorn immer noch klar die Oberhand! Durch meinen Vater, der früher selbst in Bad Bentheim Oberligafußball gespielt hat, bin ich bereits im Alter von drei Jahren das erste Mal zu den Bambinis geschickt worden.

Bereits in jungen Jahren hast du dann auf dich aufmerksam machen können und das Interesse der Talentescouts des niederländischen Spitzenklubs Twente Enschede geweckt. Wie kam es dazu?

Nils Röseler: Twente Enschede betreibt über die Grenzen hinweg ein intensives Scouting und ist in unserer Region zu vielen Turnieren der U12 vor Ort. Als einer von knapp 60 Spielern wurde ich damals ausgewählt, an einem achtwöchigen Probetraining teilzunehmen, bei dem wir einmal in der Woche zu Trainingseinheiten eingeladen wurden. Schlussendlich wählte man mich als einen von 18 Spielern für die Nachwuchsakademie von Enschede aus.

Damit begann für dich auch eine durchaus anspruchsvolle Zeit, bestehend aus schulischer Ausbildung in Deutschland und fußballerischer Ausbildung in den Niederlanden!

Nils Röseler: Die Tage begannen natürlich sehr früh und endeten relativ spät, was sicherlich nicht immer einfach war. Da musste man das Lernen dann auch mal auf die Zeit zwischen den Trainingseinheiten oder auf die Auswärtsfahrten verlegen. Trotzdem habe ich nie einen Zweifel daran gehegt, mein Abitur in Deutschland erfolgreich abzulegen und gleichzeitig mein Ziel, Profifußballer zu werden, zu verwirklichen! Einen Vorteil hierbei bildete auch die sehr gute Organisation seitens des Vereins, der uns per Fahrdienst zum Training und zurück brachte.

Die fußballerische Ausbildung in den Niederlanden genießt seit jeher auch über die Landesgrenzen hinaus ein hohes Ansehen, man denke zum Beispiel an die Nachwuchsakademie von Ajax Amsterdam, aus der Weltstars wie Johan Cruyff, Clarence Seedorf oder Patrick Kluivert hervorgingen. Auf welche Aspekte wird besonderer Wert gelegt?

Nils Röseler: Insbesondere der taktisch-technische Bereich genießt einen hohen Stellenwert, wenngleich Deutschland mittlerweile auf diesem Gebiet ebenfalls aufgeholt hat. Ich denke, dass sich der holländische Fußball weiterhin durch guten und attraktiven Offensivfußball auszeichnet.

Du bist sowohl in der Eredivisie als auch in der UEFA Europa League zum Einsatz gekommen und hast für Twente Enschede sowie VVV Venlo 36 Spiele in der niederländischen Eliteklasse absolviert. Welche Erfahrungen haben dich dabei geprägt?

Nils Röseler: Vor allem während meiner Zeit bei VVV Venlo habe ich sehr gute Erfahrungen machen können! Bei einem Team, welches ständig gegen den Abstieg spielen musste, waren in erster Linie die Abwehrspieler in höchstem Maße gefordert. Außerdem bringen Duelle gegen gestandene Spieler wie Mark van Bommel oder Roy Makaay jeden jungen Spieler ungemein voran. Bei ihrer fußballerischen Extraklasse und Erfahrung galt es vor allem physisch gegenzuhalten.

Auch wenn das Hauptaugenmerk eines jeden Verteidigers vorrangig in der Torverhinderung liegt, konntest du dich dennoch als Torschütze auszeichnen und das ausgerechnet im Spiel gegen Twente Enschede!

Nils Röseler: Das war schon ein ganz besonderes Gefühl, bei dem ein Stück weit Genugtuung mitschwang, da ich in Enschede vorher nicht die nötigen Einsatzzeiten bekam und deshalb besonders motiviert war, mein Potential zu zeigen. Auf den obligatorischen Torjubel habe ich dennoch aus Respekt verzichtet!

Nach langen Jahren grauen Mittelmaßes zeigte die Leistungskurve von Twente Enschede in den letzten Spielzeiten wieder nach oben. Der Meisterschaft 2010 folgte ein Jahr später der Sieg in Pokal und Supercup. Welche Zusatzmotivation gibt dies einem Nachwuchsspieler, der später einmal selbst Teil dieser Mannschaft sein will?

Nils Röseler: Ganz klar sorgte der sportliche Erfolg bei jedem von uns für eine zusätzliche Motivation. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Twente zu dem Zeitpunkt, als ich in die Akademie wechselte, noch arge finanzielle Probleme hatte und fußballerisch nur graues Mittelmaß war. Nachdem diese Zeit überwunden werden konnte und sich auch der Erfolg wieder einstellte, wurde alles spürbar größer. Die Zuschauerzahlen stiegen an, das Stadion wurde vergrößert und namhafte Neuzugänge verpflichtet. Ein Teil dieses Ganzen zu sein, davon träumte dann jeder Jugendspieler. Allerdings musste man sich gleichzeitig damit abfinden, dass sich die Durchlässigkeit für Nachwuchsspieler verringerte und eher Spieler von außerhalb verpflichtet wurden.

Die Fans von Twente begrüßen ihre Gegner gerne mit dem Spruch „Willkommen in der Hölle von Enschede" in der „De Grolsch Veste". Da kommt sicherlich auch bei jedem Spieler Gänsehautstimmung auf?

Nils Röseler: Die „De Grolsch Veste" gehört für mich zu den Top4 Stadien in Holland, die ich erlebt habe. Für holländische Verhältnisse ist die Stimmung wirklich sehr gut!

Trotz eines neuen Vertragsangebots von Seiten des FC Twente Enschede hast du dich dazu entschieden, einen Vereinswechsel zu vollziehen. Wie ist es dazu gekommen?

Nils Röseler: In der Tat hätte mich Trainer Michel Jansen sehr gerne in seiner Mannschaft behalten, weshalb ich von Twente einen Dreijahresvertrag angeboten bekam. Letztendlich war für mich jedoch die sportliche Perspektive das ausschlaggebende Kriterium, mich gegen dieses Angebot zu entscheiden. Ich war nicht gewillt, ein weiteres Jahr nur zu sporadischen Einsätzen zu kommen. Von daher war es für mich an der Zeit, einen neuen Weg zu beschreiten. Zumal es schon immer mein Wunsch war, einmal in Deutschland zu spielen und diese phantastische Stimmung in den Stadien mitzunehmen. Ein Wechsel zu einem Verein in die 2. Bundesliga oder 3. Liga, verbunden mit der Aussicht auf die nötigen Einsatzzeiten, war daher die logische Konsequenz!

Zu welchem Zeitpunkt hat es dann die erste Kontaktaufnahme von Seiten des Chemnitzer FC gegeben?

Nils Röseler: Der Kontakt mit dem CFC kam relativ kurzfristig etwa eine Woche vor dem Trainingsauftakt zustande. Gleich bei unserem ersten Treffen hat mich Sportdirektor Stephan Beutel dann in einem sehr guten Gespräch davon überzeugt, den Wechsel nach Chemnitz zu vollziehen und mich den Himmelblauen anzuschließen.

Auch als Neuzugang beim Chemnitzer FC dürften dir die Namen von Trainerlegende Hans Meyer und Mittelfeldregisseur Rico Steinmann aus Enschede nicht ganz fremd sein?

Nils Röseler: Die Namen sind mir durchaus bekannt! Als ich nach Enschede gewechselt bin, habe ich erstmal geschaut, welche Spieler aus meinem Heimatland bereits vor mir dort gespielt haben, da habe ich dann auch das erste Mal von Rico Steinmann gelesen. Von Hans Meyer hat man in Erzählungen ab und zu etwas gehört, wobei er mir aus seinen Trainerstationen in Deutschland bekannter ist.

Auf dich und deine Mannschaftskameraden warten in dieser Saison einige rassige Duelle gegen Mannschaften aus der Region, aber auch gegen Münster und Osnabrück, die auch nicht weit von deiner Heimat entfernt sind. Du sprachst bereits über die gute Stimmung in Enschede und deine Vorfreude auf die phantastische Stimmung in den deutschen Stadien. Der Saisonstart kann also nicht früh genug sein?

Nils Röseler: Die Jungs haben mir schon große Vorfreude auf rappelvolle Stadien gemacht. Spiele gegen Mannschaften aus der Region sind für jeden eine begehrte Sache und jeder ist gewillt, bei so einem Duell auf dem Platz zu stehen!

Welche Zielstellungen hast du dir persönlich für die kommende Saison gestellt?

Nils Röseler: An erster Stelle steht für mich die Zielstellung, mich weiterzuentwickeln und beim Chemnitzer FC Fuß zu fassen. Zudem möchte ich unserer jungen Mannschaft mit den Erfahrungen, die ich in Holland sammeln konnte, weiterhelfen und zugleich eine gewichtige Rolle in unserer Defensive einnehmen. Grundlagen unseres Erfolges müssen Disziplin und Ehrgeiz sein, zwei Tugenden, die unser Trainer auch jeden Tag von uns einfordert!

Einige Spieler, die aktuell bei der Weltmeisterschaft zum Einsatz kommen, dürften dir aus der Eredivisie noch in bester Erinnerung sein. Die Übertragungen aus Brasilien dürften daher bei dir auf besonderes Interesse stoßen?

Nils Röseler: Durchaus! Gegen Memphis Depay, der zuletzt für Holland gegen Chile getroffen hat, habe ich zum Beispiel in der Jugend gespielt. Generell habe ich mir bisher jedes Spiel Hollands angeschaut, da ich auch Spieler wie Jaspar Cillessen oder Daley Blind noch gut kenne. Die Daumen drücke ich aber trotzdem hundertprozentig für Deutschland!

Nils Röseler, recht herzlichen Dank für dieses Interview und viel Erfolg mit unseren Himmelblauen!