"Prägende Eindrücke und Erfahrungen"
Im September 2021 begann für Aschti Osso eine ganz besondere Reise. Der 19-Jährige machte im vergangenen Jahr mit seinen fußballerischen Entwicklungen und Leistungen auf sich aufmerksam und empfahl sich so für die Junioren-Nationalmannschaft seines Heimatlandes Syrien. Im Trainingscamp der U23-Nationalmannschaft machte er jetzt seine ersten internationalen Schritte und Erfahrungen.
Insgesamt zehn Tage dauerte das Abenteuer Nationalmannschaft. Vom 01. bis 09. September war er Teil des vom syrischen Fußballverbandes organisierten Trainingscamp in der jordanischen Hauptstadt Amman. „Meine gesamte Familie war sehr stolz, als ich ihnen von der Nominierung erzählt hatte. Ich durfte unser Heimatland repräsentieren. Dieser familiäre Rückhalt und zugesprochene Mut hat mir die Entscheidung, die Reise anzutreten, sehr leicht gemacht“, so Aschti Osso über den Moment nach der Kontaktaufnahme des syrischen Fußballverbandes.
Im Trainingscamp standen für die Spieler mehrere Trainingseinheiten und zwei Testspiele gegen die Junioren-Nationalmannschaft von Jordanien auf dem Programm. Während Spieler wie Aschti Osso, die eine weitere Anreise hatten, noch geschont wurden, kamen die einheimischen Kicker zum Einsatz. Den ersten Vergleich beider Mannschaften verloren die Syrer noch mit 0:1. Im zweiten Aufeinandertreffen kamen dann auch Osso und weitere Spieler zum Einsatz. Der Chemnitzer Verteidiger spielte beim 2:2-Unentschieden von Beginn an.
Trotz der vergangenen schwierigen Jahre in Syrien hat sich am Stellenwert des Fußballs im Land absolut nichts geändert und ist somit weiterhin Sportart Nummer eins. Osso selbst kam mit seiner Familie im Alter von acht Monaten nach Deutschland. „Von der schwierigen Anfangszeit habe ich nichts mitbekommen. Meine Eltern kommen ursprünglich aus Tirbespî. Ich bin als jüngstes Kind der Familie hier sehr behütet aufgewachsen. Meine Geschwister erzählen mir heute noch von früher. Trotz der vielen Umstände sind wir der Meinung, dass es die richtige Entscheidung war nach Deutschland zu kommen“, so Osso.
Jetzt repräsentiert der erst 19-Jährige in der U23 sein Heimatland und hofft damit, den Menschen in Syrien etwas zurückgeben zu können. Mit seiner robusten, dynamischen Spielweise konnte er sich trotz des Altersunterschiedes direkt im Nationalteam einordnen. Lediglich einen Spieler kannte Osso vor seiner Ankunft im Trainingscamp. Jetzt ist er Teil einer Mannschaft, die auf der gesamten Welt zu Hause ist. Seine Teamkollegen leben unter anderem in Schweden, Ungarn, Brasilien oder noch in Syrien.
„Ich nehme sehr prägende Eindrücke und Erfahrungen mit. Ich hatte interessante Gespräche mit meinen Nationalmannschaftskollegen. Sie erzählten mir über die letzten Jahre in Syrien, wie sie alles im Land wahrgenommen haben und welche Schicksale sie ereilt haben. Die Geschichten waren sehr bewegend“, berichtet Osso.
Wie seine internationale Reise weitergeht, kann Aschti Osso noch nicht sagen. Für weitere Einsätze in der U23-Nationalmannschaft steht er in jedem Fall bereit. „Ich habe in den vergangenen Tagen sehr viel gutes Feedback zu meinen Leistungen bekommen. Der Trainer meinte, dass ich sogar einer der Perspektivspieler für die A-Nationalmannschaft bin. Ich möchte mich weiterhin menschlich und sportlich weiterentwickeln. Sollte dann irgendwann einmal der Anruf vom Nationaltrainer kommen, wäre es für mich eine Ehre.“



