"Sehen es als große Chance" – Interview mit Geschäftsführer Uwe Hildebrand
Am Donnerstag, den 29. Juni hat die Gesellschafterversammlung der Chemnitzer FC Fußball GmbH Uwe Hildebrand als Geschäftsführer berufen. Für den 52-Jährigen ist es die zweite Amtszeit als Geschäftsführer bei den Himmelblauen. Im Interview spricht der neue Verantwortliche des CFC über die ersten Arbeitstage, die aufgetretene Finanzlücke und wie der CFC den Fans entgegenkommt.
Hallo Uwe - Seit rund einer Woche leitest du wieder die Geschicke der Chemnitzer FC Fußball GmbH. Wie waren die ersten Tage für dich?
Zunächst einmal musste ich mir natürlich einen Überblick verschaffen, Prozesse nachvollziehen und die kommenden Aufgaben priorisieren. Nach der offiziellen Eintragung ins Handelsregister als Geschäftsführer bin ich dann auch handlungsfähig. Erste Ergebnisse unserer Arbeit konnte man in dieser Woche bereits erkennen, denn unsere Mannschaft für die neue Saison nimmt langsam Form an.
Hat der CFC nach deiner Berufung zum Geschäftsführer mit Marc Arnold und dir eine Doppelspitze?
Nein. Parallel zu meiner Berufung als Geschäftsführer hat der Aufsichtsrat Marc Arnold als bisherigen Geschäftsführer der Chemnitzer FC Fußball GmbH abberufen. Dies war möglich, weil der ehemalige Vorstand vor dem Rücktritt den Aufsichtsrat bevollmächtigte, den Verein geschäftsführend zu leiten. Der Aufsichtsrat fungierte in der Gesellschafterversammlung also für den Verein als Mehrheitsgesellschafter. Die weitere Verfahrensweise zur Person Marc Arnold wird aktuell im Club geprüft.
Du hattest die Mannschaft bereits angesprochen – Wie läuft die Kaderplanung aktuell ab?
Durch uns beratende Kontakte konnten wir bereits zahlreiche Probespieler bei uns im Training begrüßen. Im engen Austausch mit dem Trainerteam konnten wir dann eine Auswahl für uns treffen. Wichtig ist, dass die Spieler bereit sind unsere aktuelle Situation und Konditionen anzunehmen und gemeinsam das Maximum herauszuholen.
Aus wenig viel machen ist aber nicht nur in der Mannschaft quasi das Motto?
Das ist richtig. Auch in der Geschäftsstelle müssen wir mit unserem kleinen Team die vielen Aufgaben bewältigen. Ich habe vom ersten Tag an ein sehr motiviertes Team angetroffen und bin mir sicher, dass wir den jetzt eingeschlagenen Weg gemeinsam bewältigen werden. Fakt ist aber auch, dass wir auf jede Unterstützung, auch von außerhalb, angewiesen sind.
Die vergangenen Wochen waren dabei sicherlich keine gute Werbung für den CFC. Wie hast du diese Zeit erlebt?
Ich bin seit vielen Jahren eng mit dem Club verbunden. Deshalb war es für alle, die es mit dem CFC halten, keine leichte Situation. Negative Schlagzeilen rücken den Verein immer in ein schlechtes Licht. Dabei hat der CFC mit seinen Anhängern, dem tollen Nachwuchs und der Sportstadt Chemnitz im Rücken so viel mehr zu bieten. Das gilt es uns immer wieder vor Augen zu halten und auf unserem zukünftigen Weg bewusst werden zu lassen, um uns zu stabilisieren und Schritt für Schritt in die richtige Richtung zu gehen.
Du hast jetzt einen tieferen Einblick in die Zahlen und Abläufe. Wie konnte die angespannte finanzielle Situation überhaupt entstehen?
Das finanzielle Defizit ist die Summe vieler Faktoren. Viele sprechen lediglich von Cateringverträgen. Aber die Ausgabenseite aus Gehältern und bestehenden Verträgen war insgesamt zu groß. Auf der Gegenseite fehlten dringend nötige und teilweise eingeplante Sponsoring-Einnahmen. Alles in allem stimmte die Kalkulation am Ende nicht, weshalb dieses Minus zustande kam. Für uns gilt es jetzt bestehende Verträge oder Vereinbarungen zu prüfen.
Wie ernst war die Situation in den vergangenen Wochen?
Sehr ernst. Und sie ist auch weiterhin angespannt. Aber wir wissen genau was zu tun ist, sind mit Partnern in sehr guten Gesprächen und wollen alle auf unserem Weg mitnehmen. Die eingeschlagene Route ist alternativlos, aber wir sehen es auch als große Chance. Viele Sponsoren unterstützen uns bereits dabei und haben sogar ihr Engagement ausgebaut.
Was wünschst du dir für die anstehende Spielzeit?
Ich möchte, dass wir als Chemnitzer FC, als Stadt und als Region wieder zusammenhalten und vertrauensvoll miteinander arbeiten und umgehen können. Wir benötigen Unterstützung von den Partnern, von den Fans auf den Rängen und allen fußballbegeisterten, die uns vielleicht zuletzt aus verschiedensten Gründen ferngeblieben sind. In unserer Mannschaft sind insgesamt 13 Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, die bereit sind alle Himmelblauen wieder zu begeistern.
Der Mannschaft muss man aber auch Fehler zugestehen, oder?
Definitiv! Junge Spieler machen Fehler oder haben eventuell mal ein Leistungstief. Genau in diesen Phasen ist es aber wichtig weiter gepusht zu werden. Ich denke da haben unsere Fans ein gutes Gespür.
Die Fans sind ein wichtiger Grundpfeiler – Wie sollen sie auf dem Weg mitgenommen werden?
Wir brauchen unsere Fans. Wir haben uns intensiv darüber ausgetauscht, wie wir den Stadionbesuch für sie, neben der sportlichen Leistung, wieder attraktiver gestalten können. Wir sind am Freitag in den Dauerkartenverkauf gestartet, haben dabei noch einmal den Preis nach unten geschraubt und auch die Sitzplätze im Stadion durch eine Kategorisierung deutlich preisfreundlicher gestaltet. Uns erwarten tolle Spiele mit packenden Traditionsduellen. Wir haben uns das gemeinsame Ziel (1)966 Dauerkarten gesetzt. Das wäre eine starke Grundbasis.
Vielen Dank für das offene Gespräch. Packen wir es an!



