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22.08.2026 - 10.30 Uhr | NLZ Top-News

„Sieben von zehn Spielen werden wir verlieren – aber am Sonntag soll eines der drei anderen sein“ – Interview mit U19-Trainer Sebastian Kegel vor dem DFB-Pokalspiel

Die U19 des Chemnitzer FC steht vor einem der Höhepunkte der noch jungen Saison. Am kommenden Sonntag (11 Uhr) empfangen die Himmelblauen Borussia Mönchengladbach im DFB-Pokal der Junioren. Im heimischen Sportforum wartet damit nicht nur ein großer Name, sondern auch eine besondere sportliche Herausforderung auf die Mannschaft von Cheftrainer Sebastian Kegel.

Vor dem Pokalspiel haben wir uns ausführlich mit dem U19-Coach unterhalten. Im Interview spricht Sebastian Kegel über den jährlichen Umbruch im ältesten Nachwuchsjahrgang, die Entwicklung und Durchlässigkeit im CFC-Nachwuchsleistungszentrum sowie die enge Verzahnung mit der ersten Mannschaft. Außerdem äußert sich der Cheftrainer zur Spielidee seiner Mannschaft, den ersten Pflichtspielen der Saison, den Zielen in der DFB-Nachwuchsliga und natürlich zur großen Pokalaufgabe gegen Borussia Mönchengladbach.

Neue Saison, wieder ein Umbruch im Kader und wieder eine neue Mannschaft. Wie schwer ist es als Trainer einer U19, jedes Jahr aufs Neue einen Zugang zu einem größtenteils neuen Kader zu finden?

Das empfinde ich gar nicht als schwer. Es ist für uns sogar immer wieder ein Vorteil, weil wir komplett neu starten können. Du hast neue Spieler, neue Konstellationen und kannst bestimmte Dinge wieder neu aufbauen. Gleichzeitig können wir bei der Zusammenstellung des Kaders darauf achten, welche Spieler zu unserer Spielweise passen. Für uns als Trainerteam bedeutet dieser Neustart deshalb auch immer, dass wir viel Spielraum zur Gestaltung haben. Das macht die Arbeit sehr interessant.

Im Sommer haben mit Georg Hempel, Aaron Mensah und Amadeus Zamora drei U19-Spieler den Sprung in die erste Männermannschaft geschafft. Viele weitere haben den Sprung in die Oberliga oder die Regionalliga geschafft. Was sagt das über die Qualität im CFC-Nachwuchsleistungszentrum aus?

Das zeigt zunächst einmal die große Qualität, die diese Spieler mitbringen. Gleichzeitig haben sie bei uns die Möglichkeiten des Nachwuchsleistungszentrums genutzt, um sich ins Rampenlicht zu spielen. Dadurch werden natürlich auch andere Vereine auf die Jungs aufmerksam und wir können Spieler beispielsweise über Probetrainings für den nächsten Schritt empfehlen. Wir haben beim CFC zudem sehr gute Rahmenbedingungen durch die Nähe zur ersten Mannschaft. Diese Verbindung wollen wir unbedingt erhalten und weiterentwickeln.

Mit Oskar Wodetzki von Hansa Rostock, Niklas Heinicke und Moritz Bock von RB Leipzig sowie Mourice Paulich von Dynamo Dresden und Clemens Scheffel vom JFC Gera sind auch Spieler aus anderen Nachwuchsleistungszentren hinzugekommen. Dazu natürlich vielen Spieler aus der U17. Wie weit seid ihr als Team zum Saisonstart?

Ich bin mit der Entwicklung und der Qualität unserer Mannschaft sehr zufrieden. Für mich sind dabei vor allem die Trainingsqualität und die Umsetzung unserer Spielprinzipien entscheidend. Und in diesen Bereichen gefällt mir das bislang sehr gut. Ein Quervergleich mit anderen Jahrgängen oder Mannschaften der Liga ist immer schwierig, weil jedes Team andere Voraussetzungen hat. Am Ende kommt es natürlich auch auf die individuelle Qualität der Spieler an. Unser Anspruch ist, qualitativ auf dem Niveau einer guten Oberliga-Mannschaft zu arbeiten und zu spielen. Mit Handwerk Rabenstein haben wir zuletzt ein Top-Team aus der Sachsenliga geschlagen. Am Freitag konnten wir in Bautzen in weiten Phasen mit einem Oberligisten mithalten. Das zeigt uns, dass wir auf einem guten Weg sind.

Einige U19-Spieler haben beim Testspiel der ersten Mannschaft gegen Glauchau bereits Minuten bekommen. Können ähnlich viele Spieler wie im vergangenen Sommer den Sprung nach oben schaffen?

Unser Ziel ist ganz klar, dass die Bindung zwischen U19 und erster Mannschaft so eng bleibt. Wir haben mittlerweile eine nachhaltig entwickelte Struktur und ich stehe mit Benjamin Duda nahezu täglich im Austausch. Schon frühzeitig haben wir gemeinsam abgestimmt, welche Spieler Teile der Vorbereitung bei der ersten Mannschaft absolvieren können. Lennox Lorenz und Heinz Kühnreich haben sich beispielsweise empfohlen und Teile der Vorbereitung bei den Profis absolviert. Mittlerweile sind weitere Spieler hinzugekommen. Gleichzeitig gibt es dahinter einige Jungs, die ebenfalls lauern und ihre Chance bekommen werden.

Wie geht ihr nun weiter mit den Jungs um, die noch auf ihre Chance warten? 

Wir besprechen regelmäßig, wann die nächste Phase eingeleitet werden kann und wo sich im Trainingsbetrieb der ersten Mannschaft Räume ergeben, um weitere Spieler langfristig zu testen. Da befinden wir uns in einem sehr engen Austausch. Wie auch im Vorjahr wollen wir einen Weg finden mit Gruppen von zehn oder mehr U19-Spielern bei der ersten Mannschaft zu trainieren. 

Mit den Siegen gegen Meuselwitz und Babelsberg ist der Pflichtspielstart gelungen. Wie zufrieden bist du mit den bisherigen Auftritten?

Zufriedenheit ist für mich immer schwierig. Ich versuche, sehr analytisch auf die Spiele zu schauen. Wir hatten in beiden Partien wirklich gute Phasen. Gerade die ersten dreißig Minuten gegen Babelsberg waren spielerisch genau das, was wir uns vorstellen. Allerdings haben wir in dieser Phase kein Tor erzielt. Genau da müssen wir noch konsequenter werden. Bei unserer intensiven Spielweise wird es immer wieder Phasen geben, in denen auch der Gegner stärker wird und mehr Kontrolle bekommt. Entscheidend ist, dass wir diese Phasen möglichst kurz halten. Daran müssen wir weiterarbeiten.

Wie ähnlich sind sich die Spielweisen der U19 und der ersten Mannschaft, um den Spielern den Übergang in den Männerbereich zu erleichtern?

Es gibt definitiv Überschneidungen. Beide Mannschaften wollen Umschaltfußball spielen und legen gleichzeitig großen Wert auf defensive Stabilität. Wir wollen nur selten in einem tiefen Block stehen, auch wenn wir natürlich ebenfalls trainieren, solche Situationen zu verteidigen. Grundsätzlich wollen wir ein hohes Spieltempo gehen, den Gegner früh attackieren und mit maximaler Intensität auf dem Platz agieren. Das sind Punkte, die sich auch in der Spielweise der ersten Mannschaft wiederfinden. Dadurch wird der Übergang für unsere Spieler natürlich erleichtert.

Ihr habt die erste Pokalrunde souverän überstanden. Nun wartet Borussia Mönchengladbach. Was erwartest du für einen Gegner und welche Chancen rechnet ihr euch aus?

Ich erwarte eine Mannschaft, die mit der klaren Überzeugung hierherkommt, in die nächste Runde einzuziehen. Gladbach wird offensiv spielen, sie werden versuchen, uns zu dominieren und wollen uns schlagen. Aber auch sie werden wissen, welcher intensive Fußball sie hier erwartet. Wir gehen als Außenseiter mit klarem Ziel in dieses Spiel: Wir wollen weiterkommen! Wenn wir zehnmal gegeneinander spielen, werden wir wahrscheinlich sieben Spiele verlieren und drei gewinnen. Wir wollen das Spiel so auf unsere Seite ziehen, dass am Sonntag eben eines dieser drei Spiele stattfindet.

Wie wichtig ist die regelmäßige Teilnahme der CFC-U19 am DFB-Pokal – sportlich, aber auch für die Außenwahrnehmung des Nachwuchsleistungszentrums?

Ich finde diese Spiele persönlich extrem wichtig, weil es einen unmittelbaren Ergebnisdruck gibt. Jede Handlung auf dem Platz hat eine direkte Konsequenz. Genau an solchen Situationen können die Jungs wachsen. Sie müssen lernen, mit diesem Druck umzugehen und auch nach Rückschlägen nicht zusammenzubrechen. Die Außendarstellung kann ich schwer bewerteten. Um wirklich auf uns aufmerksam zu machen, müssten wir sicherlich noch ein zwei weitere Runden überstehen. 

Vielen Dank für das Gespräch, Sebastian und viel Erfolg in den kommenden Wochen!

Interview: Yannic Gillmeister