Zurück zur Übersicht

07.03.2014 - 16.30 Uhr | Vereinsnachrichten

Sportdirektor Stephan Beutel im Interview

Hallo Herr Beutel, herzlich Willkommen beim Chemnitzer FC!

Sie sind seit dem 26.02.2014 neuer Sportdirektor des Chemnitzer FC. Welche Eindrücke haben Sie in den ersten Tagen von ihrem neuen Arbeitgeber und der Stadt Chemnitz gewonnen?

Stephan Beutel: Von Chemnitz habe ich ehrlich gesagt noch nicht viel sehen können, da ich vor allem damit beschäftigt bin, den Verein intensiv kennenzulernen. Neben der 1. Mannschaft, die hierbei aktuell oberste Priorität genießt, betrifft dies auch den Nachwuchsbereich und die Mitarbeiter der Geschäftsstelle und des Vereins. Trotzdem möchte ich mich auch so schnell wie möglich auf Wohnungssuche begeben und meinen Lebensmittelpunkt hierher verlegen!

Wie ist der erste Kontakt zwischen Ihnen und dem Verein zustande gekommen?

Stephan Beutel: Dr. Mathias Hänel und ich pflegen schon über viele Jahre einen losen Kontakt, wobei wir uns in der Vergangenheit vor allem über die Bewertung von Spielern austauschten. Als er dann an mich herantrat und mir anbot, den Posten des Sportdirektors zu übernehmen, haben mich vor allem die Kontinuität, mit der in den Führungsgremien gearbeitet wird, und die Konsequenz, mit der das Stadionprojekt angegangen wird, dazu bewogen, mich für den Verein zu entscheiden.

Sie haben die Entwicklungen bei den Himmelblauen in den vergangenen Jahren also bereits intensiv verfolgt?

Stephan Beutel: Ich erachte es als notwendig, einen guten Überblick über die ersten drei Ligen im deutschen Fußball zu besitzen und insofern habe ich mich auch mit dem CFC intensiv beschäftigt. Vor der Entwicklung, die der Verein in den vergangenen Jahren genommen hat, habe ich höchsten Respekt! Als vormals Außenstehender assoziierte ich die Himmelblauen immer mit technisch versiertem Tempofußball. Des Weiteren kann der Verein auf eine jahrelange Kontinuität in den Führungsgremien verweisen.

Auch Sie können in ihren bisherigen Stationen auf eine große Kontinuität verweisen, denn sowohl in Erfurt als auch auf St. Pauli begleiteten Sie das Amt des sportlichen Leiters über mehrere Jahre.

Stephan Beutel: Für mich ist es immer wichtig, die eigene Arbeit mit viel Herzblut anzugehen und mit den übertragenen Aufgaben eng verbunden zu bleiben. Nachdem ich meine Ämter in Erfurt und auf St. Pauli über jeweils sechs Jahre begleitet habe, möchte ich nun auch beim CFC etwas aufbauen und die Entwicklung des Vereins mitgestalten!

Kaum in Chemnitz angekommen stand für Sie gemeinsam mit den Himmelblauen auch gleich die erste Dienstreise an und die führte ebenfalls zu einer alten Wirkungsstätte von Ihnen. Dank des 2:1 Auswärtserfolgs beim FC Hansa Rostock konnten sie zudem gleich einen Auftakt nach Maß erleben!

Stephan Beutel: Der Sieg in Rostock macht die Arbeit natürlich ein kleines Stück weit leichter, sollte jedoch von allen Beteiligten auch richtig eingeordnet werden. Es handelt sich hierbei um eine schöne Momentaufnahme, mehr aber auch nicht. Ziel muss es jetzt sein, auf dem Erfolgserlebnis aufzubauen und schnellstmöglich die für den Klassenverbleib noch benötigten Punkte einzufahren!

Welchen ersten Eindruck hat die Mannschaft am vergangenen Samstag auf Sie gemacht?

Stephan Beutel: Die Mannschaft hat mit ihrer Leistung den Eindruck bestätigen können, den ich zuletzt auch gegen Darmstadt gewinnen konnte, nämlich das sie Willens ist, sich mit allen Mitteln gegen die sportliche Misere zu stemmen.

Bei ihrer Vorstellung brachten Sie bereits ihre Überzeugung zum Ausdruck, dass der Klassenerhalt definitiv zu schaffen sei. Die in Rostock gewonnen Erkenntnisse müssten sie doch hierin bestätigen?

Stephan Beutel: Es macht uns auf jeden Fall dahingehend Mut, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden und aus der aktuellen Situation herauskämpfen werden. Nun ist es an uns, für die nötige Kontinuität auf sportlich hohem Niveau zu sorgen. Dafür wird von jedem einzelnen harte Arbeit gefordert sein!

Vor allem im Hinblick auf den Bau des neuen Stadions muss der Klassenerhalt oberste Priorität genießen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben Sie angekündigt, in der bis Saisonende verbleibenden Zeit vor allem an den kleinen Stellschrauben drehen zu wollen und so ihren Beitrag zu leisten, das Optimum herauszuholen. Wie wird dies konkret aussehen?

Stephan Beutel: Ich will ein Ansprechpartner sein, der auch neue Aspekte in den Fokus rückt und in die tägliche Arbeit einfließen lässt. Aufgabe muss es sein, die internen Prozessabläufe zielgerichtet zu steuern und dafür Sorge zu tragen, dass die Mannschaft als geschlossene Truppe auftritt und sich auf das Wesentliche konzentriert.

Gleichzeitig gilt es auch die Vorbereitungen für die kommende Saison zu treffen. Welchen Fahrplan haben Sie sich dahingehend verordnet?

Stephan Beutel: Zunächst liegt für uns der Fokus darauf, die aktuelle Mannschaft Tag für Tag zu analysieren sowie neu zu beurteilen und sich Gedanken über jeden einzelnen Spieler zu machen. Wenngleich die sportliche Planungssicherheit das A und O ist und als Basis für weitergehende Überlegungen sichergestellt sein muss, gilt es jedoch auch den Transfermarkt bereits intensiv zu sondieren.

Präsident Dr. Mathias Hänel lobte vor allem ihre sportliche Expertise und ihre Erfahrung, die Sie aus ihrer langjährigen Tätigkeit im Profifußball mitbringen. Wie werden Sie diese in ihre Arbeit bei den Himmelblauen einfließen lassen?

Stephan Beutel: Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, den Verein im sportlichen Bereich strategischer auszurichten und werde hierfür sowohl meine Erfahrung als auch mein Netzwerk, welches ich mir in meinen vorhergehenden Stationen aufgebaut habe, zu 100 % einfließen lassen.

Der Posten des Sportdirektors gewinnt auch in der 3. Liga immer mehr an Bedeutung. Worin sehen Sie die Kernaufgaben in diesem Bereich und was leiten Sie daraus für ihre Arbeit beim CFC ab?

Stephan Beutel: In der Tat kommt dieser Position auch in der 3. Liga keine unerhebliche Bedeutung bei! Bereits in Erfurt, wo eine solche Stelle fest implementiert war, und zuvor in St. Pauli bin ich in gleicher Verantwortlichkeit tätig geworden. Nun geht es darum, auch beim CFC eine strategische Weiterentwicklung einzuleiten. Dabei wird der Fokus vor allem darauf liegen, eine bessere Analyse und Kontrolle der sportlichen Ergebnisse vorzunehmen, unter der Maßgabe, dass diese Ergebnisse in Verträglichkeit mit dem dafür vorgesehenen Budgetrahmen erzielt werden. Weiterhin gilt es, mit dieser Position die Schnittstelle zwischen sportlichem Bereich und den Vereinsgremien adäquat abzubilden.

In ihrer Funktion als sportlicher Leiter des FC Rot-Weiß Erfurt haben Sie junge talentierte Spieler wie Dominik Kumbela, Rockenbach da Silva, Albert Bunjaku oder Moritz Stoppelkamp, nun allesamt Bundesligaspieler, entdeckt und in die thüringische Landeshauptstadt gelotst. Werden Sie auch beim CFC verstärkt ein Auge auf junge Spieler haben?

Stephan Beutel: Junge Spieler sollten in jeder Mannschaft einen wichtigen Bestandteil darstellen und an der Seite erfahrener Spieler integriert werden. Konkret bedeutet dies für den CFC, die eigene Jugend zukünftig noch stärker zu beobachten und zu fördern.

Welchen Stellenwert messen Sie diesbezüglich dem Chemnitzer Nachwuchsleistungszentrum bei und wie beurteilen Sie dieses im Vergleich zur Ligakonkurrenz?

Stephan Beutel: Strukturell ist unser Nachwuchsleistungszentrum sehr gut aufgestellt! Aufgrund der Tatsache, dass wir mit Vereinen wie Dresden, Leipzig oder Aue in hartem Wettkampf um die besten Talente aus der Region stehen und weiterhin stehen werden, müssen wir den Anspruch haben, den eigenen Nachwuchs so schnell wie möglich in höhere Ligen zu führen. So muss es unser Ziel sein, die A- und B-Junioren in den Nachwuchsbundesligen zu etablieren!

Andreas Richter, lange Jahre Spieler und Kapitän der Himmelblauen, den Sie auch noch aus gemeinsamen Erfurter Zeiten kennen, bescheinigte Ihnen in diesem Zusammenhang ein sehr gutes Auge für junge Spieler!

Stephan Beutel: Dieses Lob freut mich natürlich sehr, da ich Andreas noch sehr gut kenne und schätze. Er ist ein Spieler gewesen, der die für jeden Fußballer so wichtigen Tugenden Kampfbereitschaft, Einsatz und Disziplin immer vorbildlich verkörperte!

Junge Spieler nach Chemnitz zu lotsen dürfte sicherlich auch der Philosophie von Trainer Karsten Heine entsprechen, der in seiner Zeit bei Hertha BSC viele Spieler entdecken und fördern konnte!

Stephan Beutel: Junge Spieler sind auch hinsichtlich der Vereinsidentifikation wichtig, deshalb muss es uns gelingen, gute Spieler auszusuchen und dann auch zu halten!

Apropos Karsten Heine. Bevor dieser im April seine neue Wohnung in Chemnitz beziehen wird, wohnen Sie ja quasi noch Tür an Tür. Trifft man sich da auch manchmal nach Dienstschluss und tauscht die eine oder andere Idee zu sportlichen Belangen aus?

Stephan Beutel: Wir haben schon gemeinsam Kaffee getrunken oder gefrühstückt und natürlich nutzt man solche Gelegenheiten dann auch zum gemeinsamen Meinungsaustausch. Generell sind wir sehr intensiv im Dialog was Dinge des sportlichen Bereichs angeht!

Herr Beutel, recht herzlichen Dank für dieses Gespräch und viel Erfolg mit den Himmelblauen!

Zur Person: Stephan Beutel, Sohn eines Berufsoffiziers, absolvierte nach seinem Abitur und zweijähriger Dienstzeit bei der Bundeswehr zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Danach folgte ein BWL-Studium mit den Schwerpunkten Marketing, Wirtschaftsprüfung und Steuerrecht, welches er nach neun Semestern als Diplom-Kaufmann abschloss. Nach einjähriger Tätigkeit im Marketing-Bereich von Fortuna Düsseldorf, wechselte Stephan Beutel als Marketingleiter zum damaligen Erstligisten Hansa Rostock. Anschließend arbeitete er als sportlicher Leiter zunächst beim FC St. Pauli und von 2004-2010 beim FC Rot-Weiß Erfurt.