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26.04.2019 - 10.44 Uhr | Top-News

„Spreche besser polnisch als griechisch.“

Vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig trafen wir Ioannis Karsanidis im Chemnitzer Stadtpark. Mit dem 25-Jährigen sprach Steffen Wunderlich über seine Vielseitigkeit, Thessaloniki und Dirk Nowitzki.

Hallo Ioannis, du hast als Treffpunkt den Stadtpark vorgeschlagen. Warum?
Ich bin öfter hier unterwegs, da ich ganz in der Nähe wohne. Meine Freundin und ich spazieren gerne mal durch den Park. Gerade bei dem schönen Wetter ist das ideal, um abzuschalten.

Ist Ruhe für dich besonders wichtig?
Ja. Ich bin kein Typ, der immer Action haben muss. Ich entspanne nach einem Trainingstag lieber zu Hause auf der Couch, spiele an der Konsole oder schaue Serien.

Welche Serie läuft gerade aktuell?
Ganz klar: Game of Thrones. Da ist vor kurzem die letzte Staffel angelaufen. Die Serie ist auch bei ein paar anderen in der Mannschaft sehr beliebt. Paul Milde, Rafael Garcia und ich haben uns zum Start der letzten Staffel getroffen und haben zusammen geschaut.

Du bist auch auf dem Platz eher nicht als Lautsprecher bekannt, machst aber durch deine Vielseitigkeit auf dich aufmerksam.
Das stimmt. Ich kann auf vielen Positionen spielen. Das ging in Würzburg schon los. Als Not am Mann war, wurde ich ins kalte Wasser geworfen und hab immer dort ausgeholfen, wo ich gebraucht wurde. Im Mittelfeld fühle ich mich am wohlsten. Ich spiele aber dort, wo mich die Mannschaft am meisten gebrauchen kann.

Ein dreiviertel Jahr bist du nun schon in Chemnitz. Wie gefällt es dir hier?
Es ist viel schöner, als es mir zu Beginn gesagt wurde. Ich fühle mich in Chemnitz sehr wohl. In der Mannschaft passt es auch super. Wir haben klasse Typen. Unsere Mannschaft ist vom Gefüge her mit der Aufstiegsmannschaft von den Würzburger Kickers 2016 zu vergleichen.

Du bist Deutsch-Grieche. Was kommt bei dir mehr durch. Die deutschen oder die griechischen Tugenden?
(lacht) Mein Papa ist Grieche, ich wurde in Nürnberg geboren, aber meine Mama ist Polin. Ich spreche wahrscheinlich besser polnisch als griechisch. Meine Mama kam erst wenige Monate vor meiner Geburt nach Deutschland und hat selbst erst deutsch gelernt. Ich denke, ich habe mir von allen drei Nationen das Beste rausgepickt.

Wie oft bist du noch in Griechenland?
Früher waren wir in den Sommerferien immer fast fünf Wochen am Stück da. Meine Oma und meine Cousins und Cousinen wohnen noch da. Jetzt fliege ich, wenn es passt, einmal im Jahr im Sommer zu meiner Oma. Sie wohnt in der Nähe von Thessaloniki, zum Strand sind es knapp 15 Minuten. Sie kümmert sich um mich, als wäre ich der König. (lacht)

Könige der Stadt sind aber seit wenigen Tagen erstmal andere. PAOK Thessaloniki wurde zu Ostern nach knapp 34 Jahren erstmals wieder griechischer Meister.
Das freut mich sehr! Ich bin großer PAOK-Fan. Die ganze Stadt war auf den Beinen. Angeblich haben bis zu 100.000 Fans die Mannschaft am Abend in der Stadt gefeiert. Was in Griechenland manchmal abgeht, ist mit Deutschland nicht zu vergleichen.

In den sozialen Medien sieht man nicht so viel von dir. Warum?
Das ist nicht so meine Welt. Meine Schwester und meine Freundin haben mich dazu gebracht, mich bei Instagram anzumelden. Ich muss aber nicht jeden Tag ein neues Bild von mir ins Internet stellen.

Eines deiner wenigen Bilder fällt besonders auf. Du hast mal Dirk Nowitzki getroffen.
Ja, das war noch während meiner Zeit in Würzburg. Wir haben ab und zu in Randersacker in einer Halle trainiert. Dort war manchmal während der spielfreien Zeit in Amerika auch Dirk Nowitzki. Wir sind uns ein paar Mal über den Weg gelaufen. Eines Tages habe ich ihn dann nach einem Bild gefragt.

Was ist er für ein Typ?
Man kann sich als Sportler viel von ihm abschauen. Er war damals vielleicht schon 38 Jahre alt. Aber immer wenn ich ihn gesehen habe, hat er trainiert. Als wir kamen, hat er schon trainiert. Als wir wieder gegangen sind, hat er immer noch trainiert. Und das außerhalb der Basketball-Saison. Das ist beeindruckend. Er war bestimmt jeden Tag vier oder fünf Stunden da.

Ist er eine Art Vorbild für dich?
Ich war nie jemand, der Vorbilder brauchte, um sich zu motivieren. Aber er zeigt, was möglich ist, wenn man hart an sich arbeitet. Das zeichnet fast alle erfolgreichen Sportler aus.