Stellungnahme des Chemnitzer FC zum Auswärtsspiel in Jena
Der Chemnitzer FC hat nach eingehender Prüfung entschieden, keinen Protest gegen die Spielwertung des Regionalliga-Auswärtsspiels am 27. September 2025 beim FC Carl Zeiss Jena einzulegen. Die Partie endete für den CFC nach turbulenten Begleitumständen mit einer 0:2-Niederlage.
Die Geschäftsführung hat gemeinsam mit den handelnden Personen des Vereins die Ereignisse in den zurückliegenden Tagen intensiv aufgearbeitet und juristisch prüfen lassen. Diese Bewertung war notwendig, um möglichen Schaden vom Chemnitzer FC abzuwenden – eine grundlegende Pflicht der Geschäftsführung im verantwortungsvollen Handeln.
Nach Beratung mit unseren Rechtsanwälten und ihrer sportrechtlichen Expertise steht fest: Ein Einspruch hätte kaum Aussicht auf Erfolg und wäre mit immensen Kosten verbunden.
Juristische Bewertung
Die Rechts- und Verfahrensordnung des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) lässt nur wenige Gründe für einen erfolgreichen Protest zu, die hier beim konkreten Geschehensablauf nicht gegeben waren.
Die konkreten Umstände vor Ort – unübersichtliche Abläufe, eigenveranlasste Durchsagen des Heimvereins und eine chaotische Spieldurchführung – fallen nicht unter die in der Ordnung vorgesehenen Voraussetzungen. Ein Protest hätte der CFC fristgerecht bis Montag, 6. Oktober 2025, schriftlich einreichen können.
Weshalb ein Einspruch aussichtslos gewesen wäre, verdeutlichen folgende Punkte:
- Der Abbruch eines Spiels kann in der Regel erst nach einer ununterbrochenen Unterbrechung von 45 Minuten erfolgen. Nach offiziellen Angaben des Schiedsrichterteams dauerte die Unterbrechung in Jena jedoch lediglich 42 Minuten und erfüllte diese Bedingung somit nicht.
- Die im Stadion durchgeführten Durchsagen – inklusive des fünfminütigen Ultimatums zur Sicherung der Flucht- und Rettungswege – waren eigenveranlasst durch den Heimverein und nicht mit Schiedsrichterteam oder Verbandsverantwortlichen abgestimmt.
- Ein eigenständiges Verlassen des Platzes oder des Stadions durch unsere Mannschaft wäre regelwidrig gewesen und hätte zwingend zu einer Niederlage am grünen Tisch geführt.
Kritik am Spielablauf
Für den Chemnitzer FC bleibt festzuhalten: Mehr als 8.000 Zuschauer im Stadion und über 100.000 an den Bildschirmen wurden Zeugen chaotischer Umstände. Gerade durch die Live-Übertragung im TV haben die Ereignisse bundesweit für ein negatives Bild gesorgt und das Image der Regionalliga Nordost beschädigt.
Die Rahmenbedingungen in Jena haben bei uns als Gastverein gewisse Irritationen hervorgerufen. Insbesondere war es für uns schwierig, dass nach Spielende keine klare Stellungnahme der Verantwortlichen des Heimvereins erfolgte, um die Ereignisse entsprechend einzuordnen.
Wir sind überzeugt, dass mögliche Differenzen zwischen Heimverein, Stadionbetreiber, Sicherheitsträgern und Fanszene nicht zulasten von Gastvereinen oder Zuschauern ausgetragen werden sollten. Bei allen sportpolitischen Diskussionen sollte stets das gemeinsame Ziel im Vordergrund stehen, den Fußball nicht zu beeinträchtigen. Den möglichen Spielabbruch bewusst zu riskieren, sehen wir als klare Grenzüberschreitung, die wir entschieden kritisieren.
Hildebrand: "Ein Protest hätte keinerlei Aussicht auf Erfolg gehabt"
"Es war unsere Pflicht, nach diesem Spiel alle rechtlichen Möglichkeiten sorgfältig zu prüfen. Ein Protest hätte jedoch keinerlei Aussicht auf Erfolg gehabt und nur finanzielle wie personelle Ressourcen gebunden. Gleichzeitig müssen wir festhalten: Die Abläufe an diesem Tag waren nicht gut für unseren Sport und haben das Image der gesamten Regionalliga Nordost beschädigt. Für uns ging es an diesem Spieltag mit Blick auf die Tabelle um eine Menge. Trotzdem sind wir überzeugt, dass ein etwaiges Wiederholungsspiel nicht im Sinne unserer Werte wäre. Es gehört dazu, dass man sich als guter Gewinner, aber auch als fairer Verlierer präsentiert – und genau das haben wir nach dem Spiel in Jena auf ganzer Ebene getan", erklärte CFC-Geschäftsführer Uwe Hildebrand am Freitag.
Weiteres Vorgehen
Ungeachtet des Verzichts auf einen offiziellen Protest vor einem Sportgericht wird der Chemnitzer FC dem NOFV eine formelle Protestnote zum Spielablauf zukommen lassen. Unser Ziel ist es dabei nicht, nachträglich Schuldzuweisungen vorzunehmen, sondern vielmehr die Grundlage für Verbesserungen zu schaffen. Wir erwarten, dass die Vorkommnisse aufgearbeitet und Konsequenzen für die Zukunft gezogen werden, um ähnliche Szenarien in Jena oder anderswo künftig zu vermeiden.
Gleichzeitig wünschen wir uns, dass durch einen offenen und konstruktiven Dialog aller Beteiligten tragfähige Lösungen gefunden werden, damit sich solche Situationen nicht wiederholen und der Fußball in einem sicheren und fairen Umfeld stattfinden kann.
Dank an die CFC-Fans
Ein besonderer Dank gilt unseren mitgereisten Fans. Trotz der widrigen Umstände habt ihr Geduld bewiesen, euch jederzeit besonnen verhalten und unsere Mannschaft unermüdlich unterstützt. Das war vorbildlich! Eure Haltung zeigt, welche Entwicklung wir als Verein genommen haben und wie stark das himmelblaue Miteinander inzwischen ist.



