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15.01.2014 - 11.47 Uhr | Vereinsnachrichten

Stellungnahme des Chemnitzer FC zur abgesagten Pyro-Choreo

Foto: Abschiedschoreo unserer Ultras im Mai 2012 beim Heimspiel gegen Erfurt.

Stellungnahme des Chemnitzer FC

Liebe Fans des CFC, ich möchte mich als Fanbeauftragte auch im Auftrag des Chemnitzer FC zu den Missverständnissen zwischen dem Verein und unseren Fans bezüglich der nicht genehmigten Pyro-Choreographie zum Abschiedsspiel von unserem Stadion zu Wort melden.

 

Ich werde mich auf die Schilderungen des Schreibens der Ultras Chemnitz ´99 und der Unterzeichner beziehen und die Argumente des CFC verdeutlichen. Ich werde es aber unterlassen, auf unqualifizierte, beleidigende und unsachliche Vorwürfe, die in sozialen Netzwerken ihre Kreise ziehen, zu reagieren.


Zitat: „Wir wollten einen Schritt zurück auf den Chemnitzer Weg"

 

Der „Chemnitzer Weg" wurde dank offener Türen beim DFB damals von allen Fanszenen und vielen Vereinen im deutschen Profifußball positiv bewertet. Das macht uns bis heute stolz! Wir, die Fans haben einen Beweis dafür geliefert, dass man tatsächlich mit Vereinsgremien kommunizieren, verlässliche Absprachen treffen und durch kontrollierte Pyro-Shows nicht nur die allseits beliebten Bilder ins Stadion (siehe Choreo gegen Sachsen Leipzig) zaubern kann. Man hat nämlich auch nachweislich aufgezeigt, dass man durch diese offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit auch das illegale Abbrennen von Pyro eindämmen oder gar verhindern kann. Der CFC hat, beispielhaft für viele Vereine, diesen Weg mit aller Konsequenz verteidigt. Dennoch: Seit den neuen Beschlüssen beim DFB und der Absegnung des neuen Sicherheitspapiers sowie den sich daraus neu ergebenen Richtlinien besteht eine grundlegend veränderte Ausgangslage. Die Vereine sind ohne Kompromisse dazu angehalten, sich diesen Richtlinien zu beugen, um finanziellen Strafen oder im schlimmsten Falle sogar den Ligaausschluss zu verhindern. Der Chemnitzer FC ist nun wieder ein Klub unter vielen und besitzt keine Möglichkeiten, dies durch eigene, interne Konzepte aufzuweichen.   Ihr habt, wie natürlich der Verein auch, einen würdigen Abschied von unserem Stadion geplant und Euch intensive Gedanken für diesen historischen Moment gemacht - genau das verbindet uns! Es gibt tatsächlich Sachen, die gemeinsam möglich gewesen wären, ohne sich außerhalb der Legalität zu bewegen. Alternativen wurden aufgezeigt und offensichtlich als nicht verwertbar verworfen. Mit der nun exzessiv geäußerten Verbitterung und den vielen beleidigenden Stellungnahmen ist jedoch keinem ein Gefallen getan.



Zitat: Die Annahme, dass es sich bei diesem Spiel um ein Privatspiel handelt, über dass der DFB keine Rechtsprechung besitzt, erwies sich laut Angaben des Vereins als falsch und so untersagte der Verein die geplanten Aktionen mit Verweis auf den DFB und seine Haltung zum Thema Pyrotechnik, die jedem bekannt sein dürfte.

 

Dies ist exakt wiedergegeben. Sowohl der CFC als auch der 1. FC Kaiserslautern obliegen der Herrschaft des Verbandes - dem DFB und im Falle der Lauterer, zusätzlich der DFL. Jedes Spiel dieser Vereine, auch Liga übergreifend, muss angemeldet werden. Auch ein Freundschaftsspiel, wie die Partie am 15.01., ist dem DFB deshalb anzuzeigen. Dies hat nicht nur mit der Anmeldung des Schiri-Teams, sondern auch mit versicherungsrechtlichen Gründen zu tun. Und es ist ein Fakt, dass auch bei solchen Spielen drastische Strafen drohen, wenn man Pyroshows, so attraktiv und naheliegend das für ein Abschiedsspiel unter Flutlicht liegt, intern zulässt. Des Weiteren sei angemerkt, dass der DFB im Vorfeld auf die Gesetzeslage hinwies und somit eine Beantragung jeglicher Pyroaktionen von vorn herein ausschloss.



Zitat: „... die Motivation für diesen Abend ist bei uns ins Bodenlose gesunken, auch wenn die Sichtweise des Vereins in gewisser Weise verständlich ist."

 

Hier kommen Fragen auf. Es ist bekannt, dass der Chemnitzer FC sich den Vorschriften des DFB nicht beugen will, sondern muss. Es ist ferner bekannt, dass der finanzielle Spielraum für Eventualitäten keinesfalls gegeben ist. Und es ist bekannt, dass wir seit zwei Jahren nur unter besonderen Auflagen in diesem maroden Stadion spielen dürfen. Der DFB ist also nicht nur der uns übergeordnete Verband, sondern auch Entscheidungsgeber darüber, dass wir bei laufendem Spielbetrieb ein neues Stadion bauen! Welche zusätzliche Motivation braucht ein Fan des Clubs, um das allerletzte Spiel in der Südkurve zu erleben, um ein letztes Mal die „alte Hütte" mit Leben zu füllen und sich gemeinsam mit den Kumpels vom Stadion zu verabschieden? Und welchen externen Mitteln bedarf es, die jetzige Mannschaft, von der wir alle eine sportliche Kehrtwende erwarten, ins dieses neue Kapitel zu entsenden? Motivation ist abhängig von einer Pyroshow? Das ist zu einfach formuliert!


Zitat: „Warum wurde nicht auf das Angebot eingegangen, die Aktionen vom Ordnungsamt bestätigen zu lassen? Warum sucht man nicht wirklich das Gespräch mit uns?

 

Keine Gespräche? Falsch! Zur Information sei in Absprache mit dem Fanprojekt gesagt: Es gab einen offiziellen Gesprächstermin direkt in der Geschäftsstelle, bei dem die geplanten Aktionen angebracht wurden. Es gab auch die Bereitschaft seitens unseres Geschäftsführers Herrn Kühn, das Vorhaben mit den zuständigen Organen (Vorstand, Ordnungsamt, Sicherheitsdienst, Stadt, Polizei) abzustimmen. Das Fanprojekt kann bestätigen, dass es sich um keine Zusage der Aktion sondern um eine Zusage der Abstimmung gehandelt hat. Dies ist umgehend erfolgt. Bei der Sicherheitsbesprechung wurden das negative Ergebnis und die Begründungen der Absage verkündet und seitens des Fanprojektes an die Vertreter der UC ´99 weitervermittelt. Zudem haben sich Herr Kühn und auch meine Person am Freitag intensiv mit Fans, die sich als Vertreter der Ultras ausgaben, im Fanshop ausgetauscht und Gründe für die Nichtdurchführung der erhofften Pyroaktionen genannt. Am Samstag spielte der CFC in Grimma, auch hier haben wir mit UC-Vertretern offen und in entspannter Atmosphäre diskutiert, um Verständnis für die Sachlage gebeten und erneut Alternativen angeboten.   Der Vorwurf der fehlenden Kommunikation und des fehlenden Interesses an Aktionen am Spieltag ist schlichtweg falsch!

 

Zitat: Wir sind enttäuscht von unserem eigenen Verein, der es selbst in einem solchen Spiel nicht lassen kann, uns Regeln zu unterwerfen, die nur die wenigsten verstehen. Die Enttäuschung über das allgemeine Verhalten des DFB hält sich in Grenzen, man kennt es ja leider nicht anders...

 

Diese Enttäuschung ist verständlich. Aber es ist unverständlich, dem Verein, der in keinster Weise Handlungsspielraum hatte, den schwarzen Peter zuzuschieben. Klüger wäre es gewesen, offensiv und kooperativ MIT dem Verein und im direkten Gespräch nach kreativen Alternativen zu suchen. Aber es schien von vornherein klar: Keine Pyro - kein würdiger Abschied! Das ist eine traurige Gewissheit, die Eurem Club und auch denen, die sich für Euer Anliegen trotz klarer Gesetzeslage stark gemacht haben, bewusst ist!


Zitat: „So bitter es für uns ist, aber das Spiel gegen den 1.FC Kaiserslautern hat für uns nur noch den Status eines normalen Testspiels, jedem unserer Leute ist es freigestellt, ob er kommt oder nicht. Dementsprechend wird es auch keinen organisierten Support geben und wir werden auf Zaunfahnen verzichten."

 

Diese Art des Ausdruckes von Missmut und Enttäuschung setzt uns auf die Stufe von Vereinen, die NICHT mit ihren Fans diskutieren, die ihre Fans NICHT in Prozesse einweihen, die NICHT die Türen offen halten für Anliegen, Wünsche, verrückte Aktionen. Dieser Stimmungsboykott beim letzten Spiel eines 80 Jahre alten Stadions ist verletzend für die gesamte Tradition, die Jahrzehnte vor unserer Geburt in unserer Heimatstadt begonnen hat. Und es ist ein Tritt ins Kreuz von Idolen, wie dem Großteil unserer 67er Meistermannschaft, den Europapokalhelden, den Aufsteigern von ´99, die zum Spiel anwesend sind. Und es ist ein Nackenschlag für unsere „jetzigen Jungs", die uns die geliebte 3. Liga erhalten sollen!!! Das Herz der Südkurve, die nicht WIR, sondern unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern eingeweiht haben, pocht zum Abschied nicht? Weil Pyrotechnik verboten ist??? Unsere Südkurven-Vorfahren würden sich im Grabe winden!


Zitat: Zum Abschluss sei noch erwähnt, dass dies kein Boykott-Aufruf ist.

 

Keine Fahnen im Herzstück des Stadions, keine Trommel, kein geschätzter Capo, keine flatternden Schwenker beim allerletzten Spielt auf unserer Fischerwiese? Das ist allein die Entscheidung jedes Einzelnen.   Richtiger Stolz FÜR den Verein, FÜR die Tradition, FÜR den Club an einem solchen Tag sieht anders aus!!! Stolz wäre es, zu zeigen, dass man mit menschlichen stilistischen Mitteln einen unvergesslichen Abschied von unserem Wohnzimmer zelebrieren kann und gemeinsam den Weg in die Geschichtsbücher geht - auch ohne die so erwünschte Pyroshow im Stadion! Jeder, der seinen Kindern oder Enkeln einmal in 20 oder 40 Jahren erzählen möchte: „Ich war damals dabei!", möge zum Abschiedsspiel kommen. Wer darauf aus eigenen Stücken verzichten möchte, dem sei diese Freiheit auch gegönnt!



Himmelblaue Grüße

Eure Peggy (Schellenberger)

Fanbeauftragte des CFC