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03.08.2024 - 14.06 Uhr | 1. Mannschaft

Tom Baumgart im Interview: "Familie ist mir sehr wichtig!"

Foto: Foto: Fokus Fischerwiese

Sechs Jahre nach seinem Abschied ist Tom Baumgart (26) im Sommer 2024 zu seinem Jugendverein an die Gellertstraße zurückgekehrt. Im Interview spricht unser neuer Mittelfeldmotor über seine neue Rolle als Führungsspieler und den Kontrast zwischen mitreißenden Ostduellen und Auswärtsspielen vor 500 Zuschauern.

Acht Jahre lang durchlief Tom Baumgart (26) sämtliche Nachwuchsteams des Chemnitzer FC bis hin zur Profi-Mannschaft in der 3. Liga und verließ den Verein in einer turbulenten Zeit zwischen Insolvenz und Abstieg. Wie er den Verein und sein Umfeld heute wahrnimmt, verrät er im Interview.

Tom, 2.266 Tage nach deinem letzten Einsatz in himmelblau standest du wieder in einem Pflichtspiel für den CFC auf dem Rasen. Was hat das in dir ausgelöst?

Tom Baumgart: Extrem viel. Ich habe lange auf den Tag hin gefiebert und hatte pure Vorfreude. Das Spiel an sich hat viel Spaß gemacht, aber am meisten hat mich bewegt, dass ich wieder ins alte Wohnzimmer zurückkehren durfte.

Ein Regionalliga-Auftaktspiel vor 8.000 Zuschauern erlebt man nicht alle Tage. Welches Bild hast du nach dem ersten Spieltag von der Liga gewonnen?

Baumgart: Diese Liga bedient einen großen Spielraum. Zum Auftakt hatten wir das Filetstück mit unfassbarer Stimmung. Ich freue mich aber auch auf die anderen stimmungsvollen Duelle mit Zwickau, Chemie oder Jena, wo viele Menschen kommen werden. Das ist das besondere an der Liga, dass du ein breites Feld an traditionsreichen Mannschaften hast, wodurch es zu vielen Derbys kommt. Das macht die Liga zur stärksten Regionalliga in Deutschland.

Nach dem Auftaktspiel hast du noch lange im Innenraum gestanden und Zeit mit deiner Familie verbracht. Was bedeutet sie dir?

Baumgart: Familie ist mir sehr wichtig. Ich muss nicht jeden Tag draußen rumziehen, sondern bin gern einfach mal zuhause bei meinen liebsten Menschen. Meine Eltern und die Familie meiner Partnerin sind zudem sehr fußballverrückt. Sie versuchen zumindest bei den Heimspielen immer dabei zu sein. Wir sind auch nicht unbedingt Stadtmenschen, die in der Großstadt leben müssen. Ein Leben auf dem Dorf bietet auch viele Vorteile.

Als du dich 2018 für einen Wechsel ins Erzgebirge entschieden hast, gab es viel Gegenwind von den CFC-Fans. Welche Rückmeldungen hast du nach deiner Rückkehr vernommen?

Baumgart: Nach der Bekanntgabe waren überwiegend positive Kommentare zu lesen. Nur vereinzelt kam Kritik, dass der Wechsel fragwürdig sei, das hat sich aber mittlerweile gelegt. Vor allem bei den Freundschaftsspielen in der Region kamen viele Leute auf mich zu, die sich gefreut haben, dass ich wieder da bin.

Hilft dir das auf dem Spielfeld?

Baumgart: Das macht es zumindest im Kopf einfacher. Für mich geht’s in dieser Saison nun darum, die Menschen mit Leistung zu überzeugen und die letzten negativen Stimmen ins Positive zu stimmen.

Du hast den Verein damals in einer turbulenten Zeit zwischen Insolvenz und Abstieg verlassen. Wie erlebst du den Verein und sein Umfeld seit deiner Rückkehr nach Chemnitz?

Baumgart: Deutlich stabiler. Ich habe meine gesamte Jugend hier verbracht und hatte viele schöne Momente. In den letzten Monaten in der Dritten Liga, kam durch die Insolvenz viel Unruhe in den Verein. Immer wieder entstanden Lücken, neue Leute wurden eingestellt oder entlassen. Mittlerweile hat sich im Verein ein gutes Grundgerüst entwickelt mit Leuten, die eine klare Vision haben, wo es hingehen soll. Das spürt man auch nach außen, dass der Verein stabiler wird und ein besseres Bild in Deutschland abgibt.

Hatte das auch Einfluss auf deinen Wechsel?

Baumgart: In erster Linie gings für mich ums Sportliche und darum, wo ich mich gut aufgehoben fühle. Wenn man aber immer wieder zu spüren bekommt, dass der Verein für die Zukunft gut aufgestellt ist, beeinflusst das so eine Entscheidung auf jeden Fall positiv.

Anders als vor 6 Jahren bist du heute einer der Führungsspieler im Team – wie kommst du mit dieser Rolle klar?

Baumgart: Ich habe in den letzten Jahren viel erlebt und bin nun in einem Alter, wo ich diese Rolle gern annehmen möchte. Mit Tobi, Zicke, Erle und gewissen anderen an der Seite kann ich der Mannschaft weiterhelfen. Im Leben wächst man immer mit seinen Erfahrungen. Auch wenn ich schon den ein oder anderen Zweitliga-Einsatz hinter mir habe, lernt man auf persönlicher Ebene nie aus.

Wie schätzt du das Mannschaftsgefüge ein?

Baumgart: Als sehr stabil. Tiffi (Cheftrainer Christian Tiffert, Anm. d. Red.) und Chris (Sportdirektor Chris Löwe, Anm. d. Red.) hatten ein gutes Gespür, in den Gesprächen herauszufinden, welche Jungs in die Gruppe passen. Man hat von Tag eins an gespürt, dass die Stimmung im Team passt. Keiner hat Starallüren oder ein großes Ego, das aus der Reihe tanzt. Stattdessen sind alle lernwillig und mit 100 Prozent beim Training dabei. Hier kann sich niemand zurücklehnen. Jeder muss sein Bestes geben, um am Wochenende die optimale Leistung auf dem Platz zu zeigen.

Nun seid ihr am Sonntag bei der Zweitvertretung von Hertha BSC gefordert (4. August, 13 Uhr). Wie kommst du mit dem Kontrast zwischen vollem Stadion und 800 Zuschauern gegen die Hertha-Bubis klar?

Baumgart: U23-Teams sind oftmals unangenehm zu bespielen, weil sie viele junge Spieler haben, die sich bestmöglich präsentieren wollen, um sich so für höhere Aufgaben zu empfehlen. Da herrscht natürlich auch eine andere Atmosphäre, worauf man sich erstmal einstellen muss. 800 Zuschauer muss aber nicht heißen, dass das Spiel unattraktiv ist. Jedes Team in dieser Liga kann kicken. Das haben die Ergebnisse des ersten Spieltages bereits gezeigt. Deshalb muss man jedes Spiel so professionell angehen, als würde man vor 8.000 Zuschauern spielen.

Vielen Dank für das Gespräch, Tom.

Interview: Ulli Ludwig