Torloses Unentschieden in der Filmstadt – CFC bleibt im elften Duda-Auswärtsspiel ungeschlagen
Der Chemnitzer FC trat am Dienstagabend vor 2.485 Zuschauern im Karl-Liebknecht-Stadion zur Nachholpartie des 22. Spieltages beim SV Babelsberg 03 an. Die Himmelblauen sind unter Cheftrainer Benjamin Duda wettbewerbsübergreifend seit seinem Amtsantritt im September 2024 auswärts noch ohne Niederlage – und auch in Potsdam hielt die Serie. Der CFC sicherte sich mit einem 0:0 einen Punkt und baute seine Auswärtsserie auf elf ungeschlagene Spiele aus.
Nach dem 2:1-Heimerfolg vier Tage zuvor gegen den BFC Dynamo nahm Chefcoach Duda eine Veränderung in der Startformation vor: Kapitän Tobias Müller kehrte nach abgesessener Gelbsperre zurück, während Artur Mergel zunächst auf der Bank Platz nahm. Dort fanden sich auch Luis Fischer und Leon Damer wieder, die in der letzten Partie ebenfalls aufgrund einer Sperre fehlten.
Seo startet mit viel Tempo und Gefahr
Die Babelsberger eröffneten die Partie mit einer langen Ballbesitzphase. Doch mit dem ersten Ballgewinn zündete direkt der Chemnitz-Express mit der Nummer 14: Seo ließ den Ball geschickt an sich vorbeilaufen und überraschte damit SVB-Kapitän Zeiger. Der Südkoreaner im CFC-Trikot hatte von der Mittellinie aus freie Bahn und nahm Tempo auf. Sein Abschluss im Vollsprint konnte in höchster Not zur Ecke geklärt werden (2.). Das war die Gelegenheit zur ganz frühen Gästeführung.
Drei Minuten später wurde es erneut über die linke Seite von Seo gefährlich. Der 22-Jährige entschied sich diesmal für eine scharfe Hereingabe ins Zentrum, wo sich Fynn Seidel mit vollem Risiko in den Ball warf, ihn aber trotz des Einsatzes mit der Fußspitze nicht mehr erreichen konnte (5.).
Die Gastgeber setzten auf dem relativ harten Rasenplatz konsequent auf einen spielerischen Ansatz und versuchten, das Spiel mit gepflegtem Passspiel von hinten aufzuziehen. Dabei ging es immer wieder mit Schwung in Richtung Chemnitzer Tor, doch große Chancen sprangen für die ganz in Weiß gekleideten Potsdamer in den ersten 20 Minuten nicht heraus.
Babelsberg wird gefährlicher aber Adamczyk ist zur Stelle
Die erste nennenswerte Torannäherung der Babelsberger ergab sich in der 25. Minute durch einen Distanzschuss aus 17 Metern von Tim Maciejewski. Doch der gewohnt sichere Rückhalt der Chemnitzer, Daniel Adamczyk, war zur Stelle.
Acht Minuten später setzten sich erneut die Gastgeber in Szene. Diesmal fasste sich Maurice Covic ein Herz und zog von der Strafraumgrenze mit einem wuchtigen Drehschuss ab, den Adamczyk mit den Fäusten parierte (33.). Die bis dahin gefährlichste Aktion der Babelsberger.
Beide Teams agierten in einer intensiven und dadurch unterhaltsamen Regionalliga-Partie vor allem in der Defensive hochkonzentriert. Bis zum Halbzeitpfiff neutralisierten sich die Mannschaften bei einem echten Abnutzungskampf zunehmend zwischen den Strafräumen. So ging es mit einem leistungsgerechten Unentschieden in die Kabinen.
Schnellzug Nummer Null-Drei startet mit Vollgas aus der Pause
Auch zu Beginn des zweiten Durchgangs sorgten beide Fanlager für einen stimmungsvollen Rahmen des Flutlichtspiels in dem engen Stadion mitten in Babelsberg. Eine Besonderheit im „Karli“ sind die einklappbaren Flutlichtmasten, die existieren, damit die Bauhöhe der historischen Bausubstanz in der Stadt nicht überschritten wird.
Benjamin Duda wechselte zur Pause doppelt und brachte Leon Damer und Artur Mergel ins Spiel. Den besseren Start erwischte trotzdem Null-Drei. Stürmer Andor Bolyki versenkte den Ball humorlos von halbrechts in der unteren linken Ecke. Adamczyk war bei der Aktion machtlos. Doch der Treffer zählte nicht, da der Assistent beim Zuspiel auf Bolyki eine Abseitsposition erkannt hatte (47.).
Die Babelsberger blieben weiter am Drücker. Nach einem Eckball war es Innenverteidiger Zeiger, der aus dem Gewühl heraus nur das Außennetz traf (49.). Die Chemnitzer versuchten, sich gemeinsam aus ihrem Leistungstief zu befreien – und das gelang rund um die 60. Spielminute immer besser. Bis dahin waren die Hausherren die klar spielbestimmende Mannschaft im zweiten Durchgang.
Dejan Bozic, der viel unterwegs war und für seine Teamkollegen rackerte, steckte in der 57. Minute herrlich auf Damer durch. Mit seinem Zuspiel suchte und fand er Seo im Zentrum. In dieser Szene hätte der Südkoreaner selbst am Elfmeterpunkt den Abschluss suchen müssen, entschied sich stattdessen für eine Ablage auf Bozic in ganz engem Raum. Die Babelsberger konnten den Ball klären.
Dann legte sich Damer in der 60. Minute den Ball für einen Eckstoß zurecht. Seine butterweiche Hereingabe auf den kurzen Pfosten landete punktgenau auf dem Kopf von Seo. Doch sein Kopfball verfehlte den kurzen Pfosten knapp.
Der CFC konnte die Partie zu diesem Zeitpunkt längst wieder ausgeglichen gestalten. Beide Teams holten bis zur 70. Minute noch einmal Luft, um dann zum großen Schlussspurt anzusetzen.
Häusl im Glück, Damer im Pech und Zickert im Abseits
In der 76. Spielminute ereignete sich eine kuriose Szene, als die Babelsberger Bozic und Seo in derselben Aktion foulten, um deren Alleingang aufs Tor zu verhindern. Erst legte Zeiger Bozic, dann war Häusl als letzter Mann mit unlauteren Mitteln gegen den vorbeiziehenden Seo aktiv. Warum Häusl nicht die Rote Karte für eine mögliche Notbremse sah, bleibt das Geheimnis von Schiedsrichter Florian Markhoff.
Zumindest ein Freistoß sprang für den CFC heraus. Standardspezialist Leon Damer legte sich den Ball zurecht und zirkelte ihn aus 18 Metern mit ganz viel Gefühl im Fuß über die Mauer in Richtung Dreiangel. Von der Unterkante der Latte sprang der Ball knapp vor der Linie auf. Bozic und Seo nahmen sich in der Anschlussaktion den Ball per Fallrückzieher gegenseitig vom Fuß – viel Pech für die Himmelblauen innerhalb von zwei Minuten.
Chemnitz war jetzt dem Führungstreffer ganz nah. Bozic setzte sich allein gegen mehrere Gegenspieler durch und brachte den Ball mit links von der Strafraumgrenze aufs lange Eck. SVB-Torhüter Stein rutschte der Ball bei der Abwehraktion durch die Hände, doch mit ganz viel Glück fiel das Spielgerät knapp aufs Tornetz (83.).
Auch Robert Zickert bot sich noch einmal eine Gelegenheit freistehend vor dem Tor, doch der Routinier verlängerte einen Halbfeldfreistoß von Damer haarscharf am langen Pfosten vorbei. Der Schiedsrichter hatte sowieso etwas einzuwenden – er entschied auf Abseits (89.).
Dann war Schluss im Karl-Liebknecht-Stadion zu Potsdam. Der Chemnitzer FC bleibt auch im elften Auswärtsspiel unter Cheftrainer Benjamin Duda ungeschlagen und nimmt mit einem 0:0 in Babelsberg einen verdienten Punkt mit.
Trotz fehlender Tore bot die Partie ein unterhaltsames Regionalliga-Spiel mit hohem Tempo, intensiven Zweikämpfen und mehreren guten Chancen auf beiden Seiten. Außerdem dürfen sich die Gäste über das dreizehnte Zu-Null-Spiel in dieser Saison freuen. Ein Ausdruck der Konstanz, die das Team unter Benjamin Duda zeigt.
Für den CFC endet die Englische Woche am Sonntag mit dem dritten Spiel innerhalb von acht Tagen – auswärts bei Hertha 03 Zehlendorf. Anstoß im Stadion Lichterfelde ist um 13 Uhr. Bereits einen Tag zuvor empfängt der SV Babelsberg 03 am 26. Spieltag der Regionalliga Nordost Spitzenreiter Lok Leipzig.
SV Babelsberg 03 – Chemnitzer FC 0:0 (0:0)
SVB: Stein 34 – Büch 27, Häusl 31, Zeiger 21, Schulz 24, – Wegener 6, Bürger 22, Covic 10 (86. Keller 18) – Werbelow 7 (72. Bachmann 33), Bolyki 9 (72. Frahn 11), Maciejewski 23 (66. Werthmüller 14)
CFC: Adamczyk 1 – Lihsek 8, Zickert 21, Müller 23, Reutter 16 (90. Schiebold 19) – T. Müller 38 (C), Rücker 17 (45. Mergel 10), Baumgart 29 (74. Eppendorfer 25) – Seo 14, Bozic 33, Seidel 7 (45. Damer 13)
Zuschauer: 2.485



