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14.11.2024 - 16.42 Uhr | 1. Mannschaft

Traditionsduell mit Geschichte: Chemnitz trifft auf den Dresdner SC – ein Blick in die Historie

Am Freitagabend ist es nach langer Zeit wieder soweit – der Chemnitzer FC trifft auf die Schwarz-Roten aus Dresden, den traditionsreichen Dresdner SC 1898. 19 Jahre ist es her, dass sich die beiden Teams zuletzt gegenüberstanden: Im August 2005 siegte der CFC unter Cheftrainer Dietmar Demuth in der ersten Runde des Sachsenpokals mit 3:0 im Heinz-Seyer-Stadion.

Ein solches Ergebnis dürfte vielen langjährigen Fans in guter Erinnerung geblieben sein. Schließlich gewannen die Chemnitzer auch im Mai 1997 erstmals den Sachsenpokal mit 3:0 gegen den DSC an der Gellertstraße. Die Tore erzielten damals Amir Osmanovic, Ilja Aracic und Michael Ballack, auf dem Trainerstuhl saß Christoph Franke.

Insgesamt sechs Punktspiele wurden bisher gegen die Dresdner ausgetragen. Während der Aufstiegssaison 1998/99 gewann der CFC beide Spiele (Heim: 3:0, Auswärts: 4:0), und auch 2002/03 gingen alle Punkte an den Club (Heim 1:0, Auswärts 2:1). Im Spieljahr 2001/02 hingegen hatte der DSC aus der Landeshauptstadt die Nase vorn und gewann beide Begegnungen in der damaligen Regionalliga Nord (Heim 2:1, Auswärts 1:0). Zu dieser Zeit rangierte der DSC sogar eine Spielklasse über dem großen Stadtrivalen Dynamo Dresden.

Die Historie bietet noch viele spannende Einblicke in das Duell zwischen Chemnitz und dem Dresdner SC. Das Stadion an der Gellertstraße feiert in diesem Jahr 90. Geburtstag – es wurde 1934 vom Polizeisportverein (PSV) Chemnitz fertiggestellt und feierlich eröffnet. Damals hatte der PSV den Chemnitzer BC als führenden Verein der Stadt abgelöst und spielte um den Titel des Sächsischen Meisters, im Nationalsozialistischen Deutschland "Gaumeister" genannt. Der DSC aus Dresden war der stärkste Konkurrent um diesen Titel, und wer die Landesmeisterschaft wollte, musste gegen die "Mohnroten" bestehen.

In der Saison 1933/34 verpasste der PSV den Meistertitel knapp. Im Oktober 1933 verlor Chemnitz das Heimspiel vor 18.000 Zuschauern an der Clausstraße mit 2:3 gegen Dresden. Doch im Rückspiel im Februar 1934 gelang dem PSV ein überraschender 4:1-Sieg im Ostra-Gehege in Dresden, bei dem Erwin Helmchen gleich drei Treffer erzielte. Der DSC wurde dennoch Sächsischer Meister, während der PSV Chemnitz am Ende vier Punkte hinter den Dresdnern landete.

In den darauffolgenden Spielzeiten 1934/35 und 1935/36 drehte der PSV den Spieß um und sicherte sich zweimal den Titel des Sächsischen Meisters, womit er auch zweimal an der Endrunde der deutschen Meisterschaft teilnahm und auf Mannschaften wie Schalke 04 und Hertha BSC traf. In beiden Jahren wurde der Dresdner SC Vizemeister hinter der Helmchen-Elf aus Chemnitz.

Ab 1937 wurde jedoch der bis dahin wenig beachtete BC Hartha zum neuen Favoriten und holte sich 1937 und 1938 die Gauliga-Meisterschaft. Ab 1939 kehrte der DSC zurück und sicherte sich drei Jahre in Folge den Titel des Sächsischen Meisters. 1943 und 1944 gewann Dresden sogar die deutsche Meisterschaft und wurde damit zum letzten gesamtdeutschen Meister vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit dabei war der wohl bekannteste DSC-Spieler aller Zeiten und spätere Bundestrainer Helmut Schön. Als Trainer führte der Dresdner 1974 die BRD im eigenen Land zum Weltmeistertitel und gewann zwei Jahre zuvor mit Spielern wie Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Günter Netzer die Europameisterschaft.

Zurück nach Chemnitz: Der PSV errang keine weitere Meisterschaft und wurde 1945, wie alle anderen bürgerlichen Vereine in der Sowjetzone (später DDR), per Dekret aufgelöst.

Ein Rückblick auf die Duelle zwischen dem PSV Chemnitz und dem Dresdner SC in den 1930er Jahren gewährt spannende Einblicke in eine frühe Epoche des sächsischen Fußballs. Doch es ist wichtig, sich die damalige Zeit bewusst zu machen: Es waren die Jahre des nationalsozialistischen Terrors in Deutschland.

1933 hatte das NS-Regime die Macht an sich gerissen. Auch der Fußball wurde zunehmend politisiert und gleichgeschaltet. Vereine mussten sich anpassen, jüdische Spieler und Funktionäre wurden ausgeschlossen, verfolgt und viele von ihnen ermordet. Der Wettkampf um den sächsischen Meistertitel fand vor dem Hintergrund der Verfolgung von Minderheiten, der Unterdrückung politischer Gegner und der schleichenden Militarisierung der Gesellschaft statt – das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte.

Das Stadion an der Gellertstraße, das 1934 feierlich eröffnet wurde, entstand in einer Zeit, in der die NS-Propaganda den Sport für ihre menschenverachtende Ideologie missbrauchte. Während auf dem Spielfeld Tore gefeiert wurden, herrschten außerhalb des Stadions grausame Repressionen, und die Vorbereitung auf einen verheerenden Krieg begann, der Millionen Menschen in Europa das Leben kosten sollte.

Diese historische Perspektive mahnt uns zur Wachsamkeit und erinnert uns in der Gegenwart an unsere Verantwortung. Der Fußball darf niemals wieder in den Dienst einer Diktatur gestellt werden, die Menschenrechte mit Füßen tritt. Wir müssen die Geschichte kennen, um die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten und sicherzustellen, dass sich solch dunkle Kapitel nicht wiederholen.