Trainer Karsten Heine im Interview
Hallo Herr Heine, herzlich Willkommen beim Chemnitzer FC!
Sie sind seit zwei Tagen in Chemnitz und haben am Mittwoch bereits ihre erste Trainingseinheit mit der Mannschaft absolviert. Wie ist der erste Eindruck von Mannschaft und Verein?
Karsten Heine: Ich habe gleich von Beginn an das Gefühl bekommen, dass alle im Verein mit viel Enthusiasmus, Begeisterung und Leidenschaft bei der Sache sind. Die Trainingseinheiten werden konzentriert und ernsthaft durchgeführt und man merkt es jedem Einzelnen an, dass er nur nach vorne schauen will. Für mich kommt es nun in den nächsten Tagen und Wochen darauf an, die Spieler sowohl sportlich als auch persönlich kennenzulernen. .
Präsident PD Dr. Mathias Hänel betonte, dass man trotz mehrerer Bewerber auf das Traineramt explizit Sie auswählte und Kontakt mit Ihnen aufnahm. Wie und wann kam dieser erste Kontakt zustande?
Karsten Heine: Die erste Kontaktaufnahme Seitens des Vereins fand am Montag durch einen Anruf von Sportdirektor Jörg Emmerich statt. Nur kurze Zeit später setzte ich mich dann ins Auto und traf Montagabend zu den ersten Gesprächen mit den Vereinsverantwortlichen in Chemnitz ein. Nach diesem ersten Gedankenaustausch bin ich dann bereits mit einem sehr guten Gefühl wieder nach Hause gefahren.
Da mussten Sie nicht lange überlegen um sofort zuzusagen?
Karsten Heine: So kann man das sagen! Ich hatte den Chemnitzer Fußball in den vergangenen Jahren bereits intensiv verfolgt und fand das Angebot von Seiten des Vereins spannend und herausfordernd zugleich. Hier in Chemnitz gibt es klare Visionen und Ziele, was mir die Entscheidung nicht schwer gemacht hat.
Obwohl eigentlich in der nächsten Woche der Familienurlaub auf Mallorca stattfinden sollte!
Karsten Heine: Ich habe es schon immer als meine Aufgabe gesehen auf dem Platz zu stehen und das weiß auch meine Frau Juliane, sodass wir diesen Urlaub gerne verschieben.
Wie intensiv haben Sie die 3. Liga in den letzten Jahren verfolgt und was für einen Eindruck macht die Liga auf Sie?
Karsten Heine: Die 3. Liga habe ich immer mit großem Interesse verfolgt, da dort einige ehemalige Kontrahenten aus meiner Zeit bei Hertha II spielen, wie der CFC oder auch Halle und Holstein Kiel. Hierfür habe ich mich nicht nur Medien wie dem Kicker oder Fernsehberichterstattungen bedient, sondern auch Spiele direkt vor Ort angeschaut, so in Chemnitz oder Halle.
Welchen Stellenwert hat der Chemnitzer FC für Sie auf der Fußballlandkarte 3. Liga?
Karsten Heine: Ich war nach dem Aufstieg des Chemnitzer FC überzeugt, dass sie in der 3. Liga mithalten und eine ordentliche Rolle spielen können. Als Neuling haben sie schließlich unter Beweis gestellt, dass sie das gesicherte Mittelfeld erreichen können und im zweiten Jahr wurde dann sogar noch ein Schritt weiter nach vorne gemacht.
Zu Beginn der Saison 2010/11 waren Sie der einzige Trainer, der den CFC anstatt RasenBallsport Leipzig als Aufstiegsfavoriten sah. Haben Sie schon frühzeitig das Potential des Vereins erkannt?
Karsten Heine: Ich war vom Aufstieg der Himmelblauen aufgrund ihres spielerischen Potentials fest überzeugt. Die Mannschaft wirkte sehr gefestigt und hatte mit Gerd Schädlich einen Trainer, dessen Arbeit ich überaus wertschätze!
An welchen Punkten wollen Sie in den kommenden Tagen ansetzen, um das derzeit vorhandene Potential aus der Mannschaft herauszukitzeln und dadurch sowohl im Landespokal gegen den Döbelner SC, als auch in der Liga gegen Wacker Burghausen wieder in die Erfolgsspur zu finden?
Karsten Heine: Zunächst ist es für mich wichtig, mir in Zusammenarbeit mit dem Trainerteam einen Überblick über meine Mannschaft zu verschaffen. Dafür werden wir uns verschiedener Trainingsformen bedienen, um so die Spieler und deren Leistungsvermögen einschätzen zu können. Natürlich ist es für uns auch wichtig, dass kommende Spiel gegen den Döbelner SC erfolgreich zu gestalten und in die nächste Pokalrunde einzuziehen.
Auf welche Handschrift des neuen Trainers dürfen sich die Zuschauer denn freuen?
Karsten Heine: Für mich ist es wichtig, dass die Zuschauer das Gefühl haben, ihre Mannschaft strahlt Wille und Begeisterung aus. Wir wollen offensiven Fußball spielen und den Leuten zeigen, dass wir Spaß daran haben, Fußball zu spielen. Eine gute Physis sowie das Auftreten als Einheit sind dafür unerlässlich. Es ist wichtig, dass jeder für den anderen einsteht. Dazu gehört unter anderem ein schnelles Umkehrspiel und die Tatsache, dass die Verteidigungsarbeit schon bei unseren Offensivspielern beginnen muss.
Apropos Offensive: Spiele zwischen dem CFC und der von Ihnen trainierten Hertha-U23 sind immer sehr torreich ausgefallen. Der 31.03.1993, als Sie im DFB-Pokalhalbfinale gegen die Himmelblauen 2:1 gewannen dürfte Ihnen noch in besonders guter Erinnerung sein, zum Leidwesen vieler CFC-Anhänger. Aber wie bewerten Sie im Nachhinein die Spiele zwischen den Hertha "Bubis" und ihrem neuen Verein?
Karsten Heine: Die Spiele waren immer hochinteressant, sehr temposcharf und von qualitativ hochwertigem Fußball geprägt. Es ist immer heiß hergegangen und beide Mannschaften haben sich immer packende Duelle auf Augenhöhe geliefert.
Die Station Hertha BSC bestimmte einen großen Teil ihrer Trainervita. In insgesamt 15 Jahren haben Sie dort verschiedenste Funktionen begleitetet. Welche Erfahrungen aus der Zeit bei der "Alten Dame" waren für Sie wichtig und werden Sie nun auch für ihre Arbeit beim CFC einbringen?
Karsten Heine: In Berlin konnte ich an der Seite erfahrener Bundesligatrainer arbeiten und gleichsam selbst Erfahrung in vielen Bereichen innerhalb des Vereins sammeln. Durch meine Hauptaufgabe bei der U23 habe ich nicht nur gelernt mit verschiedenen Spielertypen umzugehen, sondern auch flexibel und schnell auf sich ändernde Kaderzusammenstellungen zu reagieren. Spieler sind uns von der 1. Mannschaft abgestellt worden und mussten ins Team eingebaut werden und andererseits wurden Spieler aus der U23 in den Profikader beordert. So musste man immer kurzfristige Änderungen in der eigenen Startaufstellung vornehmen.
Sie waren während ihrer Trainerlaufbahn bisher immer in Berliner Raum aktiv. Was hat Sie dazu bewogen, das Traineramt beim Chemnitzer FC zu übernehmen?
Karsten Heine: Es war schon immer einer meiner Wünsche, eine Aufgabe außerhalb Berlins zu übernehmen. Aufgrund der Tatsache, dass ich durch meine bisherigen Aufgaben bei Hertha BSC immer ausgefüllt war und ich im Falle zwischenzeitlicher Anfragen anderer Vereine immer zu meinen Verträgen gestanden habe, hatte sich ein dementsprechendes Engagement bisher nicht ergeben. Trotzdem blieb es immer mein Ziel, auch einmal ein anderes Umfeld kennenzulernen, was jetzt in Chemnitz auch geklappt hat.
In Berlin wohnen Sie praktisch in Hörweite vom Stadion "Alte Försterei" des 1. FC Union Berlin. Der Verein hat nicht zuletzt durch den Um- und Neubau seines Stadions in den letzten Jahren eine sehr erfolgreiche Entwicklung genommen. Sehen Sie solche Entwicklungschancen auch bei den Himmelblauen?
Karsten Heine: Um ehrlich zu sein, ich hoffe, dass der Stadionneubau in Chemnitz die gleichen Kräfte freisetzen kann wie bei Union Berlin. Fans, Spieler und Verein wurden dort quasi elektrisiert. Genau diese Motivation müssen wir als Chemnitzer FC auch haben. Damit das Gesamtprojekt erfolgreich wird, müssen wir als Mannschaft nachziehen und unseren sportlichen Teil dazu beitragen.
Spielten der Stadionneubau und die damit verbundenen Potentiale für den CFC auch für Sie eine Rolle, sich für das Angebot des Vereins zu entscheiden?
Karsten Heine: Für mich überwog zunächst der sportliche Aspekt. Nichtsdestotrotz war es für mich wichtig, dass auch Perspektiven erkennbar sind, was in Chemnitz absolut der Fall ist. Das Ziel des Vereins in die 2. Liga aufzusteigen und natürlich auch der Stadionneubau sind echte Garanten dafür eine Aufbruchstimmung zu entfachen!
Herr Heine, recht herzlichen Dank für dieses Gespräch und viel Erfolg mit den Himmelblauen!
Zur Person:
Karsten Heine wurde am 06.04.1955 in Berlin geboren. Er ist verheiratet und hat vier Söhne.
Vereine als Spieler: 1. FC Union Berlin, BSG Stahl Brandenburg, WBK Berlin
Vereine als Trainer: WBK Berlin, Hertha BSC, Hertha BSC II, 1. FC Union Berlin, SV Babelsberg 09



