Trainer-Trickkiste: Chemie im Umbruch – Spannende Spielidee, bisher ohne Zählbares
Am Mittwochabend um 19 Uhr empfangen die Himmelblauen im heimischen eins-Stadion – An der Gellertstraße – die BSG Chemie Leipzig. Das CFC-Medienteam hat sich den Gegner in der "Trainer-Trickkiste" genauer angesehen, um euch optimal auf das kommende Heimspiel vorzubereiten.
Nach einem kompletten Kaderumbruch und zwei Niederlagen zum Saisonstart (0:5 Tore) stehen die Leutzscher bereits früh in der Saison unter Druck. Mit 17 Abgängen, 15 Neuzugängen und einem neuen spielerischen Ansatz unter Trainer Adrian Alipour hat sich bei den Leipzigern vieles verändert. Die ersten beiden Spieltage zeigen jedoch: Die neue Spielidee braucht noch Zeit, um Wirkung zu entfalten.
Neuer Ansatz mit Ballbesitzfokus
Seit Alipour im April das Ruder übernommen hat, setzt er auf einen ballbesitzorientierten Spielstil, der durch technisch stärkere Neuzugänge weiterentwickelt werden soll. Transfers wie der von Fynn Seidel (kam vom CFC) oder Keeper Luca Böggemann (Leihgabe vom VfL Osnabrück) unterstreichen diesen Ansatz. Böggemann agiert als mitspielender Torhüter und ist aktiv in den Spielaufbau eingebunden – anders als Vorgänger Benjamin Bellot, der eher auf lange Bälle setzte.
Im Aufbau übernimmt Marc Enke (von Hertha 03 Zehlendorf) eine zentrale Rolle und gestaltet das Spiel. Sechser Valon Aliji lässt sich dabei häufig zwischen die Innenverteidiger fallen und hilft im Aufbau, während die Außenverteidiger hochschieben – jedoch nur selten bis in die vorderste Offensivreihe. Sobald eine Lücke erkannt wird, zieht Chemie das Tempo an – bevorzugt über die linke Seite, wo Rückkehrer Philipp Wendt und Neuzugang Maxim Langner gut harmonieren. Über Steil-Klatsch-Muster wird das Spiel nach vorn getragen, während die Flügelspieler Seidel und Langner gern ins Zentrum einrücken, um den Außenverteidigern Raum zum Überlaufen zu geben.
Schlüsselspieler Janik Mäder und das Offensivproblem
Eine zentrale Figur ist Kapitän Janik Mäder, der als Freigeist überall auf dem Platz auftaucht – tief in der eigenen Hälfte, auf den Flügeln oder im gegnerischen Strafraum. Er ist Bindeglied zwischen den Linien und sorgt für Unberechenbarkeit im Chemie-Spiel.
Trotz kreativer Elemente ist Chemie nach zwei Spieltagen noch ohne Torerfolg. Während gegen Magdeburg II vor allem die Chancenverwertung haperte, kam man gegen Greifswald kaum in gefährliche Abschlusspositionen. Statt klarer Torchancen dominierten bisher Halbfeldflanken, die nur selten echte Torgefahr ausstrahlen.
Arbeit gegen den Ball
Defensiv agiert Chemie in einem 4-3-3 und setzt situativ auf hohes Pressing. Auch hier spielt Mäder eine Schlüsselrolle: Er rückt regelmäßig aus dem Mittelfeld auf und gibt das Startsignal für das Anlaufen der gegnerischen Abwehr. Ab der Mittellinie wird aggressiv Druck ausgeübt – mit Risiko: Gelingt dem Gegner das Überwinden der ersten Pressinglinie, stehen nur noch wenige Spieler hinter dem Ball. Die fünf Gegentore in zwei Spielen sprechen eine deutliche Sprache.
Chemie Leipzig präsentiert sich nach dem großen Umbruch als spannendes Team in der Findungsphase: technisch verbessert, mutig im Ballbesitz und mit einer klaren Idee – bislang aber ohne Ertrag. Der CFC muss sich auf ein spielstarkes, aber noch nicht eingespieltes Team einstellen, das nach dem Fehlstart alles daran setzen wird, in Chemnitz die ersten Punkte der Saison zu holen.
Voraussichtliche Aufstellung im 4-3-3-System: Böggemann 22 – Griebsch 17, Wendt 18, Enke 5, Lisinski 27 – Aliji 14, Mäder 7 (C), Kießling 31 – Langner 9, Ratifo 30, Seidel 10



