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30.10.2024 - 16.28 Uhr | 1. Mannschaft

Trainer-Trickkiste: Flexibilität, Aggressivität und Teamgeist

In unserer Rubrik "Trainer-Trickkiste" werfen wir wieder einen genauen Blick auf den kommenden Gegner des Chemnitzer FC: die VSG Altglienicke. Das Medienteam des Clubs hat die Ostberliner analysiert, um euch auf das anstehende Heimspiel der Himmelblauen optimal einzustimmen. Am Freitag um 19 Uhr rollt der Ball unter Flutlicht im Stadion – An der Gellertstraße.

Nach dem Trainerwechsel im Sommer hin zu Viktoria-Erfolgscoach Semih Keskin brauchte die VSG Altglienicke zunächst Zeit, um das neue Spielsystem zu verinnerlichen. Nach fünf Spielen standen lediglich vier Punkte und Platz 16 in der Tabelle zu Buche. Inzwischen sind die Berliner jedoch seit acht Spielen ungeschlagen und nach Spitzenreiter Lok Leipzig das formstärkste Team der Liga. Wir haben uns ganz genau angeschaut, was die VSG so stark macht.

Der Ewing-Effect

Zu Beginn unternehmen wir einen Ausflug in den US-Sport – genauer in den Basketball der 90er-Jahre in der NBA. Patrick Ewing, Center der New York Knicks, war einer der dominantesten Spieler dieser Zeit, führte häufig den Ball und machte mit Abstand die meisten Punkte seines Teams. Trotzdem gewannen die Knicks häufiger, wenn Ewing verletzt oder gesperrt fehlte, als mit ihm auf dem Feld.

Die Medien und das Umfeld schätzten das Team schwächer ohne ihren Star ein und unterschätzten die Mannschaft tendenziell. Diese setzt besondere Kräfte durch eine "Jetzt-erst-recht-Einstellung" frei und performt über ihren Möglichkeiten. Außerdem ist die Mannschaft nicht mehr allein auf ihren Star ausgerichtet.

Eine ausführliche Erklärung findet ihr hier.

Im Sommer verließ Altglienickes Starspieler Tolcay Cigerici (Cottbus) den Verein. Mit ihm einige größere Namen, wie Akaki Gogia, Max Kulke und Marvin Pourié. Die Hauptstädter verpflichteten keine ehemaligen Zweit- und Drittligaspieler, wie in den vergangenen Jahren, sondern konzentrierten sich auf ein gesundes Teamgefüge und ernten aktuell die Früchte dafür.

Positionsflexibilität und Präzision

Außerdem hat Cheftrainer Semih Keskin seine Startformation gefunden. In den letzten drei Spielen gab es insgesamt nur zwei Mal eine Veränderung in der ersten Elf. Auf dem Platz zeigt sich die Mannschaft dann allerdings sehr flexibel.

Mittelstürmer Manassé Eshele (Bruder von CFC-Stürmer Ephraim) lässt sich häufig tief fallen um eine Überzahl im Mittelfeld herzustellen. Auf dem rechten Flügel macht Offensivspieler Benedict Laverty oft Platz für den durchstartenden Außenverteidiger (Shawn Kauter oder Ogulcan Tezel). Auch auf der anderen Seite schaltet sich Linksverteidiger Nico Hug gern offensiv ein. Sein Vordermann Grace Bokake bleibt allerdings auf dem Flügel kleben, was Hug häufiger ins Zentrum zieht.

Im Aufbau spielen Neuzugang Patrick Kapp und Bayern-Leihgabe Robert Deziel Jr. die Hauptrolle. Letzterer dürfte allen Chemnitzern noch ein Begriff sein aufgrund seines Last-Minute-Treffers per traumhaftem Schlenzer im Jahnsportpark in der vergangenen Saison zum 2:1 gegen den CFC – bis heute sein einziger Profitreffer im Übrigen. Die beiden VSG-Akteure organisieren den Ballvortrag der Hauptstädter.

Geht es dann ins letzte Drittel spielen es die Alglienicker mit einer Präzision, mit der nur die wenigsten Teams in der Liga mithalten können. Eine extrem gute Passquote von 81,3 Prozent im Angriffsdrittel (2.) in Kombination mit 82 Passversuchen pro Spiel in dieser Zone (3.) kann nur die Zweitvertretung der Berliner Hertha toppen. Zusätzlich weist die VSG neun verschiedene Torschützen aus – jeder in dieser Mannschaft kann für Gefahr sorgen.

Qualität im Tor und gegen den Ball

Ein Gesicht des Aufschwungs ist Schlussmann Luis Zwick. Vor dem 6. Spieltag wurde der erfahrene Keeper noch verpflichtet, um auf die Verletzung der etatmäßigen Nummer eins Lino Kasten zu reagieren. Aktuell dürfte es schwierig für Kasten werden in das Tor der Berliner zurückzukehren, da Altglienicke seitdem Zwick im Tor steht, ungeschlagen ist und der Neuzugang statistisch mit vier Gegentoren in acht Spielen (0,5 Gegentore pro Spiel) statistisch der beste Keeper der Liga ist.

Zudem greift das hohe Pressing, das Keskin vorgibt mittlerweile sehr gut. Die Blau-Weißen laufen den Gegner hoch an – gern schon im gegnerischen Strafraum – und pressen aggressiv auf die aufbauenden Spieler. Keiner im Team der Berliner nimmt sich dabei raus. Alle ziehen mit und sorgen für eine geschlossene und schwer zu überwindende Pressingsequenz. Darauf muss sich der CFC besonders einstellen und möglichst wenig unnötige Ballverluste produzieren, denn das nutzen die Berliner in der Regel eiskalt aus.

Voraussichtliche Aufstellung VSG Altglienicke: Zwick 31 – Hug 21, Gunte 26, Kapp 16, Kauter 4 – Öztürk 30, Deziel Jr. 14, Kujovic 6 – Bokake 9, Eshele 10, Laverty 22 (Formation: 4-3-3)