Trainer-Trickkiste: Kompakt, direkt, gefährlich – Zehlendorf stabilisiert sich unter Käpnick
In unserer Rubrik „Trainer-Trickkiste“ werfen wir wieder einen genauen Blick auf den kommenden Gegner des Chemnitzer FC: Hertha 03 Zehlendorf. Das Medienteam des CFC hat die Berliner unter die Lupe genommen, um euch optimal auf das Heimspiel am Samstag ab 14 Uhr im eins-Stadion – An der Gellertstraße einzustimmen.
Nach schwierigem Saisonstart und einem frühen Trainerwechsel hat sich das Team aus dem Berliner Südwesten unter dem neuen Cheftrainer Tilman Käpnick spürbar gefestigt. Der 32-Jährige übernahm nach nur sieben Spielen mit einem Punkt auf dem Konto von Steffen Israel, dem Nachfolger des langjährigen Erfolgstrainers Robert Schröder (jetzt HFC), und brachte neue Stabilität in die Mannschaft.
Unter seiner Leitung holte Zehlendorf fünf Punkte aus fünf Spielen, verdoppelte die eigene Torausbeute und halbierte die Gegentore. In der Formtabelle seit Käpnicks Amtsantritt belegt der Klub Platz zwölf – ein klarer Aufwärtstrend für das aktuelle Schlusslicht der Regionalliga Nordost.
Defensive Stabilität durch Kompaktheit
Käpnick setzte direkt an der größten Baustelle seines Teams an – der Defensive. Zehlendorf agiert zumeist in einer kompakten Fünferkette, die hoch verteidigt, um das Pressing der Stürmer abzusichern.
Auffällig ist die disziplinierte Raumaufteilung: Die beiden Sechser sichern großflächig ab, während Stanley Keller – einst selbst im CFC-Trikot aktiv – auf der Zehn als Verbindungsspieler agiert. Er rückt situativ ins Pressing auf, hält aber meist die Balance hinter den Spitzen. Durch diese Staffelung entstehen kaum Räume zwischen den Linien – Zehlendorf ist schwer zu bespielen. Das Zentrum ist dicht, über die Außenbahnen dagegen entstehen Räume.
Direktes Umschalten als gefährlichste Waffe
Das Herzstück der Berliner Spielweise bleibt das schnelle Umschaltspiel. Nach Ballgewinnen geht es kompromisslos in die Tiefe – meist über einen vertikalen Ball auf die Spitzen. Zehlendorf setzt weniger auf filigrane Kombinationen, sondern auf Tempo, Zweikampfstärke und das Überraschungsmoment.
Auch wenn die Genauigkeit dabei schwankt, schafft das Team so regelmäßig Entlastung und zwingt Gegner in Rückwärtsbewegung. Die defensive Ordnung bleibt selbst bei verpufften Kontern weitgehend bestehen – Zehlendorf verliert selten die Kompaktheit, die das Fundament ihres Spiels bildet.
So bleibt die Mannschaft trotz geringen Ballbesitzes stets gefährlich – vor allem in der Endphase, wenn Gegner Räume öffnen.
Mut zum Risiko – vertikaler Spielaufbau statt Ballbesitzfußball
Mit Ball zeigt Zehlendorf ein klares Muster: keine langen Ballzirkulationen, sondern direkter Zug zum Tor. Torhüter Dedidis wird aktiv in den Aufbau eingebunden und fungiert zumeist als zusätzliche Anspielstation zwischen den Innenverteidigern.
Dennoch liegt der Fokus auf vertikalen Pässen, um das Mittelfeld schnell zu überspielen. Längere Ballbesitzphasen sind selten – Präzision wird bewusst dem hohen Tempo geopfert. Käpnicks Ansatz: lieber riskant und zielgerichtet als passiv und kontrolliert.
Fazit: Stabilisierung mit klarer Linie
Unter Tilman Käpnick hat der F.C. Hertha 03 Zehlendorf zwar den Fußball nicht neu erfunden, aber eine klare Identität entwickelt. Der Mix aus aggressivem Pressing, disziplinierter Raumaufteilung und schnellem Umschaltspiel zeigt Wirkung.
Die Berliner stehen zwar weiterhin im Tabellenkeller, wirken aber deutlich gefestigter als noch vor einigen Wochen. Sie haben erkennbar einen klaren Plan entwickelt, wie sie sich im weiteren Saisonverlauf Schritt für Schritt aus dem Abstiegskampf befreien wollen.



