Trainer-Trickkiste: Kurze Pässe, klare Strukturen und kontrolliertes Risiko – So spielt Babelsberg unter Michael Braune
In unserer Rubrik „Trainer-Trickkiste“ werfen wir wieder einen genauen Blick auf den kommenden Gegner des Chemnitzer FC: den SV Babelsberg 03. Das Medienteam des CFC hat die Mannschaft aus der Filmstadt analysiert, um euch optimal auf die Partie am Mittwochabend um 19 Uhr einzustimmen. Mit Michael Braune steht seit diesem Sommer ein neuer Cheftrainer an der Seitenlinie, der eine klare Vorstellung davon mitgebracht hat, wie seine Mannschaft mit und gegen den Ball agieren soll.
Nach einer herausfordernden Vorsaison und Platz elf leitete Babelsberg im Sommer einen Neustart ein. Braune kam nach fünf Jahren beim FSV 63 Luckenwalde in die Filmstadt, gleichzeitig wurde der Kader mit Spielern wie Laurin von Piechowski, Niclas Müller, Min-gi Kang, Lukas Lämmel oder Simon Gollnack deutlich verändert. Der Start verlief allerdings durchwachsen: Nach acht Spieltagen stehen ein Sieg, drei Unentschieden und vier Niederlagen sowie 10:13 Tore und sechs Punkte zu Buche. Der 2:0-Auftakterfolg bei Chemie Leipzig blieb bislang der einzige Sieg.
Mit Ball: Kurz und kontrolliert nach vorne
Braunes Ansatz ist klar auf einen strukturierten und kurzpassorientierten Spielaufbau ausgerichtet. Babelsberg bringt pro 90 Minuten 361 erfolgreiche Pässe an den Mitspieler (6.) und kommt dabei auf eine Passquote von 82,2 Prozent (7.). Besonders deutlich wird die Idee bei den kurzen Pässen: 199 erfolgreiche kurze Zuspiele pro 90 Minuten bedeuten ligaweit Rang zwei. Statt das Mittelfeld früh mit langen Bällen zu überspielen, möchte Babelsberg den Ball kontrolliert durch die eigenen Reihen nach vorne tragen.
Dafür können im Aufbau flexible Dreierstrukturen entstehen, während der Torhüter als zusätzliche Anspielstation eingebunden wird. Innenverteidiger sollen Räume mit Ball überbrücken, das Mittelfeld schafft Verbindungen und über die Außen wird Breite hergestellt. Lange Bälle sind dagegen weniger prägend: Nur 27 erfolgreiche lange Pässe pro 90 Minuten (13.) bei einer Erfolgsquote von 51,5 Prozent (8.) unterstreichen, dass Braune bevorzugt über spielerische Lösungen nach vorne kommen möchte. Mit 68 erfolgreichen Pässen im Angriffsdrittel pro 90 Minuten (4.) gelingt es Babelsberg dabei durchaus häufig, den kontrollierten Aufbau bis weit in die gegnerische Hälfte fortzuführen.
Gegen den Ball: Kompaktheit statt bedingungslosem Pressing
Gegen den Ball steht bei Braune zunächst die defensive Ordnung im Mittelpunkt. Seine Mannschaft muss nicht permanent hoch anlaufen, sondern kann sich kompakter und tiefer formieren, das Zentrum verdichten und den Gegner zunächst kommen lassen. Entscheidend sind geringe Abstände zwischen den Linien und gemeinsames Verschieben, um vertikale Passwege zu schließen und den Gegner zu ungefährlicher Ballzirkulation zu zwingen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Babelsberg ausschließlich abwartet. Nach Ballverlusten kann zunächst Druck auf den Ball entstehen, ehe bei ausbleibender Rückeroberung schnell wieder die eigene Ordnung hergestellt wird.
Spielidee: Kontrolle – und Tempo im richtigen Moment
Übergeordnet steht Braunes Fußball für Struktur vor Risiko. Ballbesitz ist kein Selbstzweck, sondern soll den Gegner bewegen und einen kontrollierten Weg in die gefährlichen Räume ermöglichen. Gegenläufige Bewegungen, breite Staffelungen und Überzahlsituationen sollen Passwege öffnen. Im letzten Drittel darf das Spiel anschließend direkter werden: Halbfeldflanken, zweite Bälle und Abschlüsse aus unterschiedlichen Positionen gehören ebenso zum Repertoire. Eine Schussgenauigkeit von 40,3 Prozent (5.) zeigt, dass Babelsberg durchaus Qualität entwickelt, wenn der Weg zum Abschluss gefunden wird.
Der deutlichste Tempowechsel soll nach eigenen Ballgewinnen erfolgen. Ist der Gegner ungeordnet, möchte Braune nicht erst lange neu aufbauen, sondern freie Räume schnell und vertikal attackieren. Genau darin liegt der Kern seiner Idee: mit Ball geduldig und strukturiert, gegen den Ball kompakt und nach Ballgewinnen plötzlich dynamisch.
Voraussichtliche Aufstellung: Müller — Salaske, Büch, Klackreuth, Hasse — Gollnack, Lämmel, Wegener, Kang — Ebel, Schmidt



