Trainer-Trickkiste: Mit Geduld und Kontrolle durch das Zentrum – So spielt der BFC Dynamo unter Dennis Kutrieb
In unserer Rubrik „Trainer-Trickkiste“ werfen wir wieder einen genauen Blick auf den kommenden Gegner des Chemnitzer FC. Das Medienteam des CFC hat den BFC Dynamo analysiert, um euch optimal auf das Heimspiel am Freitag ab 19 Uhr vorzubereiten. Die Berliner stehen aktuell auf Platz 14 und befinden sich mitten in einem tiefgreifenden Umbruch – mit einem der jüngeren Kader der Liga und einem klaren spielerischen Ansatz. Und wie diese Mannschaft unter Cheftrainer Dennis Kutrieb ihre Spiele angeht, schauen wir uns jetzt an.
Der BFC Dynamo hat im Sommer einen radikalen Schnitt vollzogen: Aus dem ältesten Team der Regionalliga wurde ein sehr junges, entwicklungsfähiges Ensemble. 20 Neuzugänge, davon 13 Spieler im U23-Alter stießen zu Mannschaft. Die Ergebnisse entsprechen noch nicht den Erwartungen, doch der Trend zeigt, dass der BFC eine klare Idee verfolgt.
Ballbesitz als Leitprinzip – Kontrolle statt Chaos
Der BFC Dynamo möchte den Ball haben. In den meisten Saisonspielen hatten sie mehr Ballbesitz als der Gegner, weil sie bewusst auf geduldige Aufbauphasen setzen. Das Team spielt gern hintenrum, dreht Angriffe ab, wenn keine Option da ist, und hält den Ball in den eigenen Reihen, um das Tempo zu bestimmen. Lange Bälle sind selten, stattdessen versuchen die Berliner, Angriffe strukturiert auszuspielen – selbst wenn der Weg Richtung Tor zunächst verschlossen wirkt. Der Aufbau läuft meist über eine 3+1-Struktur, aus der ein geduldiges Kombinationsspiel entsteht.
Konkret stehen sie im Spielaufbau häufig in einem 3-1-5-1: Drei Verteidiger, davor ein Sechser und eine Fünferreihe, die sich flexibel bewegt. Die Außenverteidiger schieben oft schon beim ersten Ball auf Höhe der Achter. Dadurch entstehen viele potenzielle Anspielstationen zwischen den Linien.
Zentrum statt Flügel – das BFC-Leiterspiel
Typisch für das Kutrieb-Team ist das Spiel durch das Zentrum. Alle Offensivakteure orientieren sich eng zur Mitte, und nur die Schienenspieler geben Breite. Der BFC erzeugt bewusst Überzahl im Zentrum und arbeitet mit einem klar erkennbaren Muster: Steil – Klatsch.
Ein Pass bricht eine Linie, der angespielte Spieler legt direkt zurück, der „überspielte“ Akteur hat das Spiel dann vor sich – wie bei einer Koordinationsleiter im Training: Zwei nach vorn, einer zurück. Dieses Muster sorgt für schnelle Lösungen, setzt aber technisches Niveau voraus. Flanken sind dagegen selten – der BFC schlägt ligaweit die wenigsten Hereingaben.
Direkte Gefahr: Umschalten & Standards
Auch wenn der BFC mit Ball geduldig agiert, sind es häufig Umschaltsituationen oder Standards, aus denen die größte Gefahr entsteht – besonders gegen Top-Teams, die selbst viel Ballbesitz haben. Hier glänzt Willi Reincke, der mit Tempo, Dynamik und Technik kreative Momente liefert. Seine vier Tore und sechs Vorlagen zeigen, wie stark der Neuzugang vom SC Verl in der Liga eingeschlagen ist.
Aggressives Gegenpressing – viele Spieler im Ballraum
Typisch für Kutrieb ist ein sehr aktives Gegenpressing. Nach Ballverlust rücken sofort mehrere Spieler in den ballnahen Raum und versuchen, den Gegner früh wieder zu stellen. Dadurch entstehen viele Balleroberungen, aber auch riskante Situationen, wenn der erste Zugriff nicht sitzt. Bei längerem Ballbesitz des Gegners bleibt die Mannschaft trotzdem hoch positioniert an der Mittellinie.
Der BFC ist ein Gegner, der trotz Tabellenplatz 14 keinesfalls nach einem Abstiegskandidaten aussieht. Sie haben klare Strukturen, viel Ballbesitz, ein aggressives Gegenpressing und ein paar überdurchschnittliche talentierte Spieler. Eine echte Herausforderung für den CFC am Freitag.
Voraussichtliche Aufstellung: Ortegel 1 – Reincke 28, Mattmüller 6, Gunte 22, Polte 3, Oellers 13 – Knesevic 23, Pestic 25, Breitfeld 14 – Putaro 20, Fritzsche 9



