Trainer-Trickkiste: Shootingstars im Blickpunkt — So spielt der FCC unter Grote
In unserer Rubrik „Trainer-Trickkiste“ werfen wir wieder einen genauen Blick auf den kommenden Gegner des Chemnitzer FC: den FC Carl Zeiss Jena. Am Freitag, dem 28. August, gastieren die Thüringer ab 19 Uhr im eins-Stadion – An der Gellertstraße.
Seit dem 1. Juli wird der FCC von Marco Grote trainiert, der in Jena einen kontrollierten Kombinationsfußball mit klaren Abläufen etablieren möchte. Nach fünf Spieltagen steht Jena bei drei Siegen und zwei Niederlagen sowie 8:4 Toren. Damit belegt der FCC mit neun Punkten aktuell den neunten Tabellenplatz. Wie die Thüringer ihre Spiele angehen, schauen wir uns jetzt an.
Kontrolle als Ausgangspunkt
Grote setzt auf einen strukturierten Spielaufbau und möchte den Ball kontrolliert durch die eigenen Reihen bewegen. Jena soll sich auch unter gegnerischem Druck spielerisch lösen und anschließend zielstrebig nach vorne spielen. Häufig agieren die Thüringer aus einem 4-4-2 mit Doppelsechs heraus. Gleichzeitig wird viel Wert auf kompakte Abstände und die Absicherung hinter dem Ball gelegt.
Interessant ist dabei der Blick auf die Daten: Mit 297 erfolgreichen Pässen pro 90 Minuten liegt Jena lediglich auf Rang 13 der Regionalliga Nordost, die Passquote von 78,6 Prozent bedeutet ebenfalls Rang 13. Auch kurze Pässe gehören mit 145 pro 90 Minuten zu den niedrigsten Werten der Liga (17.). Jena definiert seine Spielkontrolle damit bislang weniger über eine enorme Menge an Pässen, sondern versucht, mit einer klaren Struktur und gezielten Kombinationen Raum zu gewinnen.
Nach Ballgewinn schnell nach vorne
Besonders gefährlich wird der FCC, wenn aus einem Ballgewinn unmittelbar Tempo entsteht. Jena versucht zwar, Begegnungen mit Ball zu kontrollieren, kann aber ebenso schnell umschalten. Das 1:0 gegen Zwickau entstand beispielsweise nach einem Fehler im gegnerischen Aufbau: Kevin Lankford trieb die Aktion an, anschließend kam der Ball über Timon Burmeister in den Rückraum, wo Emilio Munser direkt abschloss. Auch gegen den RSV Eintracht entstanden Treffer aus aggressivem Druck auf den gegnerischen Aufbau.
Im letzten Drittel sucht Jena dabei immer wieder die Außenbahnen und anschließend den Weg zurück ins Zentrum. Flache Hereingaben, Pässe in den Rückraum und Steckpässe hinter die letzte Linie gehören zu den wiederkehrenden Mitteln. Mit 50 erfolgreichen Pässen im Angriffsdrittel pro 90 Minuten liegt der FCC ligaweit auf Rang neun. Die Thüringer wollen also nicht permanent kombinieren, sondern nach dem Überspielen gegnerischer Linien möglichst schnell zum entscheidenden Pass kommen.
Wenige Abschlüsse – Effizienz gefragt
Auffällig ist bislang die vergleichsweise geringe Zahl an Abschlüssen. Mit 11 Schüssen pro 90 Minuten rangiert Jena lediglich auf Platz 14 der Liga. Davon kommen 6,6 Abschlüsse aus dem Strafraum (13.), 4,6 aus der Distanz (11.). Auch bei den Schüssen auf das Tor liegt der FCC mit 4,6 pro 90 Minuten im unteren Mittelfeld.
Munser sorgt für neue Dynamik
Eine der spannendsten Figuren des Saisonstarts ist Emilio Munser. Der erst 18-Jährige traf bei seinem Regionalliga-Debüt gegen Zwickau direkt zum 1:0 und legte beim 4:0 gegen den RSV Eintracht einen Doppelpack nach. Munser sucht mutig den Abschluss, bewegt sich aufmerksam im Strafraum und reagiert schnell auf zweite Bälle und Fehler des Gegners. Gerade mit seinem aggressiven Anlaufen passt er sehr gut zu Grotes Idee, Ballgewinne möglichst schnell in offensive Aktionen umzuwandeln.
Der wichtigste offensive Fixpunkt bleibt jedoch Elias Löder. Er lässt sich aus der Spitze immer wieder zurückfallen, verbindet Mittelfeld und Angriff und startet anschließend selbst in den Strafraum. Dazu kommen mit Kevin Lankford oder Manasse Eshele dynamischer Spieler für direkte Aktionen und Standards, sowie physisch starke Ziel- und Verbindungsspieler. Gerade diese unterschiedlichen Profile machen Jena offensiv variabel.
Zwischen Kontrolle und Risiko
Gegen den Ball fordert Grote frühes Attackieren, kompakte Ketten und schnelle Rückeroberungen. Besonders beim 4:0 gegen den RSV Eintracht funktionierte dieses Zusammenspiel: Jena gewann viele zweite Bälle, setzte den gegnerischen Aufbau früh unter Druck und ließ defensiv kaum klare Möglichkeiten zu. Bei einer deutlichen Führung kann der FCC anschließend das Tempo reduzieren, tiefer stehen und eine Partie kontrolliert zu Ende bringen.
Bei engen Spielständen funktioniert diese Balance noch nicht durchgehend. Gegen Zwickau verlor Jena nach eigener Führung zunehmend den Zugriff und kassierte nach einer Standardsituation sowie einem Angriff in die Tiefe noch zwei Gegentreffer. Auch gegen Erfurt konnte eine Pausenführung nicht verteidigt werden. Im Vergleich zur Vorsaison unter Volkan Uluc wirkt der FCC damit kontrollierter und stärker über feste Abläufe organisiert. Der offensive Anspruch ist geblieben – Grote versucht jedoch, ihn mit mehr Struktur und defensiver Absicherung zu verbinden. Genau diese Balance dürfte am Freitagabend an der Gellertstraße eine entscheidende Rolle spielen.
Voraussichtliche Aufstellung: Liesegang — Talabidi, Redsemann, Boog, Butzen (C) — Munser, Werner, Fritz, Lankford — Eshele, Löder



