Trainer-Trickkiste: Talent, Mut und Risiko – Hertha-Bubis zwischen Spektakel und Anfälligkeit
In unserer Rubrik „Trainer-Trickkiste“ werfen wir einen genauen Blick auf den kommenden Gegner des Chemnitzer FC: die U23 von Hertha BSC. Am Samstag empfangen die Himmelblauen das Team von Trainer Rejhan Hasanovic im eins-Stadion – An der Gellertstraße. Anstoß ist um 14 Uhr.
Die Berliner stehen aktuell auf Platz 11 mit 33 Punkten aus 27 Spielen und liefern eine Saison mit starken Ausschlägen. Auf vier Siege in Serie folgten zuletzt vier Niederlagen, ehe der Negativlauf mit dem 2:1 gegen den 1. FC Magdeburg II gestoppt wurde.
Auffällig ist vor allem die Torbilanz: Mit 40 Treffern (9. Platz) stellt Hertha eine ordentliche Offensive, gleichzeitig sind 51 Gegentore (zweitschlechtester Wert der Liga) Ausdruck der defensiven Anfälligkeit. Insgesamt fielen in Spielen mit Hertha-Beteiligung bereits 91 Tore – nur bei Babelsberg-Partien sind es mehr.
Ballbesitz als klare DNA
Die U23 von Hertha BSC verfolgt einen klaren Ansatz: Spielkontrolle durch Ballbesitz. Mit 402 erfolgreichen Pässen pro Spiel (3. Platz), 475 gespielten Pässen (3.) und einer Passquote von 84,6 % (2.) gehört das Team zu den spielstärksten Mannschaften der Liga.
Der Aufbau erfolgt meist in einer 2-3-Struktur, aus der heraus die Berliner ihr Spiel geduldig entwickeln. In der Spielfortsetzung zeigen sie sich dann sehr flexibel. Ziel ist es, über saubere Ballzirkulation und viele Positionswechsel Räume zu öffnen und den Gegner in Bewegung zu bringen.
Kreativität und Tempo im Angriff
Offensiv lebt das Spiel von Dynamik, Technik und viel Kreativität. Die Spieler suchen gezielt das Eins-gegen-Eins – das zeigt sich auch in 3,7 erfolgreichen Dribblings pro Spiel (5. Platz).
Mit 15 verschiedenen Torschützen (5. Platz) ist die Offensive breit aufgestellt. Es gibt keinen klaren Fokus auf einen einzelnen Spieler. Gefahr entsteht vielmehr aus unterschiedlichen Abschlusspositionen – geprägt von Kombinationen, Tempo und individueller Qualität.
Trotz der spielerischen Dominanz zeigt sich ein klarer Kontrast: Die Berliner kommen nur auf rund 4 Schüsse aufs Tor pro Spiel (11. Platz), obwohl ihre Schussgenauigkeit bei starken 38 % (3.) liegt. Es fehlt also weniger an Präzision, sondern eher an der Menge klarer Abschlüsse.
Mutig, aber anfällig gegen den Ball
Auch gegen den Ball bleiben die hochtalentierten Berliner ihrer Philosophie treu. Die Hertha-Bubis verteidigen zumeist aktiv, rücken mutig nach vorn und versuchen, den Gegner früh unter Druck zu setzen.
Allerdings entstehen genau hier die größten Probleme. Die Abstände zwischen den Linien sind häufig zu groß, besonders nach Ballverlusten fehlt es schon mal an Kompaktheit. Dadurch ist das Team extrem anfällig für schnelle Umschaltmomente – ein Grund für bislang 51 Gegentore.
Risiko als Teil der Entwicklung
Die Spielweise der Berliner ist bewusst risikoreich angelegt. Fehler werden in Kauf genommen, da der Fokus bei der jüngsten Mannschaft der Liga (durchschnittlich 22 Jahre) klar auf Ausbildung und Entwicklung liegt. Das führt zu einem modernen, mutigen Fußball, der attraktiv anzusehen ist, aber nicht immer stabil wirkt.
Die Mischung aus hoher technischer Qualität, klarer Struktur im Aufbau und offensiver Freiheit macht Hertha zu einem gefährlichen Gegner – gleichzeitig eröffnet genau dieser Ansatz auch Räume für den Gegner.
Voraussichtliche Aufstellung: Heide 13 – Koldzic 4, Hoffmann 46, Bruns 5



