Trainer-Trickkiste: Talentierte Viktoria mit Druck im Abstiegskampf
In unserer Rubrik "Trainer-Trickkiste" werfen wir wieder einen genauen Blick auf den kommenden Gegner des Chemnitzer FC: den FC Viktoria 1889 Berlin. Das Medienteam des Clubs hat die Hauptstädter analysiert, um euch auf den anstehenden Saisonabschluss optimal einzustimmen. Am Sonntag ab 13.30 Uhr rollt der Ball im Stadion – An der Gellertstraße.
Viktoria Berlin steckt in einer sportlich äußerst angespannten Lage. Der Hauptstadtklub steht auf dem vorletzten Tabellenplatz. Dabei begann die Saison verheißungsvoll – zwischenzeitlich stand man auf Platz sieben. Doch seither hat die Mannschaft spürbar an Konstanz eingebüßt, sowohl sportlich als auch strukturell. Inzwischen steht mit Sven Körner bereits der vierte Cheftrainer an der Seitenlinie – ein deutliches Zeichen für die Unruhe im Verein. Die zahlreichen Wechsel auf der Bank haben sichtbare Spuren im Spiel hinterlassen.
Spielidee: Ballbesitz, Technik, Verlagerung
Trotz der schwierigen Gesamtlage bleibt die Berliner Viktoria der spielstarken, dominanzorientierten Philosophie treu, auch wenn Körner nun etwas pragmatischer an das Spiel geht als seine Vorgänger. Die Mannschaft sucht den strukturierten Aufbau aus der eigenen Hälfte und arbeitet gezielt mit Überladungen auf einer Seite, um in engen Räumen Überzahl zu erzeugen. Diese Überzahl wird genutzt, um anschließend den Raum auf der ballfernen Seite freizuspielen – ein Element, das tief im Spielverständnis des Teams verankert ist.
Im Angriffsdrittel agiert die Viktoria mit klarer Rollenverteilung, vielen Anspielstationen und flachen Passkombinationen. Das System bleibt in der Regel ein klassisches 4-2-3-1, wobei die Offensivreihe versucht, über Bewegung und Kombinationen gefährlich zu werden. Doch so sauber der Plan auf dem Papier aussieht – es fehlt an Zielstrebigkeit und Entschlossenheit im letzten Drittel, insbesondere im Eins-gegen-eins. Viele junge Spieler verfügen zwar über starke Anlagen, scheitern aktuell jedoch am fehlenden Selbstvertrauen, das besonders im Abstiegskampf entscheidend wäre.
Gegen den Ball: Mutig, aber anfällig
Im Spiel gegen den Ball setzt Viktoria Berlin auf frühes Pressing, häufig mannorientiert und mit viel Laufaufwand. Die Berliner wollen den Gegner früh stören und den Weg zum gegnerischen Tor kurz halten.
In der Rückwärtsbewegung zeigt sich das Team nicht immer konsequent, was vor allem bei schnellen Umschaltmomenten des Gegners regelmäßig zu gefährlichen Kontersituationen führt. Im Hinspiel schoss der CFC zwei Tore nach Kontern.
Nervenflattern im Abstiegskampf: Fünf Platzverweise in fünf Spielen
Besonders auffällig ist in den letzten Wochen die hohe Zahl an Platzverweisen: Gleich fünf Rote Karten in den vergangenen fünf Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Viktoria Berlin wirkt in vielen Situationen nervös, übermotiviert oder unkontrolliert, was in dieser Häufung zum echten Problem geworden ist. Sicher ein Faktor ist dabei das Alter. Mit 21,9 Jahren ist das Team näher an der "Jugendmannschaft" Hertha BSC II (21,3 Jahre) als an dem nächsten Männerteam Rot-Weiß Erfurt (22,8 Jahre).
Voraussichtliche Aufstellung FC Viktoria 1889 Berlin: Horenburg 22 – Scholz 13, Lippegaus 29, Oellers 14, Meisur 16 – Dikarev 21, Berg 8 – Elekwa 17, Jones 9, Damelang 11 – Scacun 25 (4-2-3-1)



