Zurück zur Übersicht

12.03.2026 - 14.00 Uhr | 1. Mannschaft

Trainer-Trickkiste: Wucht, Tiefe und Variabilität – So spielt Rot-Weiß Erfurt

In unserer Rubrik „Trainer-Trickkiste“ werfen wir wieder einen genauen Blick auf die Spielweise des kommenden Gegners der Himmelblauen: den FC Rot-Weiß Erfurt. Am Samstag empfängt der Chemnitzer FC die Thüringer im eins-Stadion – An der Gellertstraße ab 14 Uhr live im MDR.

Erfolgscoach der Erfurter ist Fabian Gerber. Der 46-Jährige befindet sich in seiner fünften Saison als Cheftrainer bei Rot-Weiß und hat in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Entwicklung mit seinem Team zurückgelegt. Die einstigen Konterspezialisten von RWE präsentieren sich mittlerweile mit viel Geduld im Aufbau und anschließend explosiven Tiefenläufen – ein Mix, der sie offensiv zu einem der gefährlichsten Teams der Liga macht. Wir schauen uns die Spielweise im Detail an.

Offensivpower auf vielen Schultern

Mit 43 Treffern stellt Rot-Weiß Erfurt die zweitbeste Offensive der Liga. Dabei verteilt sich die Torgefahr auf mehrere Schultern. Top-Scorer ist Chinidu Ugondu mit 10 Toren und 4 Vorlagen. Dahinter folgen Stanislav Fehler mit 6 Toren und 5 Vorlagen, Marco Wolf mit 6 Treffern und 2 Assists sowie der Ex-Chemnitzer Benjika Caciel mit 6 Toren und 4 Vorlagen.

Vor allem Fehler und Caciel sorgen regelmäßig mit Distanzschüssen für Gefahr. Beide verfügen über einen starken Abschluss aus der zweiten Reihe und haben in dieser Saison bereits mehrere spektakuläre Tore erzielt. Caciel traf erst am vergangenen Spieltag doppelt von Außerhalb des Strafraums gegen Chemie Leipzig.

Verstärkung im Winter

Im Winter legte die ohnehin schon starke Erfurter Mannschaft noch einmal auf dem Transfermarkt nach. Besonders spektakulär war die Rückholaktion von Mittelstürmer Romarjo Hajrulla, der von Energie Cottbus kam. In nur 550 Einsatzminuten erzielte er bereits 5 Tore und 2 Vorlagen für RWE.

Auch der brasilianische Offensivspieler Lucas Falcao kam im Winter nach Thüringen. Zwar wartet er nach fünf Einsätzen noch auf seinen ersten Treffer, doch der Angreifer bringt reichlich Qualität mit: In der Saison 2023/24 sammelte er 23 Scorerpunkte für FC Viktoria 1889 Berlin.

Aufbau mit Geduld und Tiefgang

Im Spielaufbau setzt Erfurt meist auf einen 2-3-Aufbau. Zwei Innenverteidiger eröffnen das Spiel, davor agieren der Sechser und die beiden Außenverteidiger, die ballnah entgegenkommen und ballfern nach vorn schieben.

Durch viele gegenläufige Bewegungen wird Raum für den entscheidenden Pass vorbereitet. Häufig folgt dann ein gezielter langer Ball entlang der Linie, mit dem die Thüringer schnell Raum überbrücken.

Besonders gefährlich ist dabei die Variabilität der Tiefenläufe. Nicht nur die Stürmer gehen in die Tiefe – auch die Achter oder einer der Außenverteidiger können diesen Lauf starten. Häufig wird der Lauf auch angetäuscht und abgebrochen, um Raum für einen anderen Mitspieler zu schaffen. Insgesamt geht also von sieben Spieler Gefahr aus, die mit Tempo und Dynamik in die Tiefe stoßen können – ein schwer berechenbares Angriffsmuster.

Abschlussstärke aus vielen Situationen

Die Thüringer geben im Schnitt 13 Schüsse pro Spiel ab (4. Platz). Auffällig ist dabei die hohe Anzahl an Distanzschüssen: Über fünf Abschlüsse pro Partie kommen von außerhalb des Strafraums (4.). Gleichzeitig gehen knapp sieben Schüsse pro Spiel am Tor vorbei (2.), was zeigt, dass Erfurt häufig den Abschluss sucht, auch aus schwierigeren Positionen.

Kompaktes Defensivspiel

Gegen den Ball formiert sich Rot-Weiß Erfurt meist in einem 4-2-3-1. Die Mannschaft steht kompakt und beginnt das Pressing häufig erst ab dem Mittelkreis. Statt aggressiv nach vorn zu laufen, liegt der Fokus auf einer kontrollierten Raumaufteilung und mannorientiertem Verteidigen.

Dabei bleibt die Sicherung der Tiefe oberste Priorität. Erfurt versucht, gegnerische Angriffe früh zu lenken und gleichzeitig keine großen Räume hinter der eigenen Abwehr zu öffnen.

Der FC Rot-Weiß Erfurt kombiniert körperliche Präsenz, individuelle Qualität und eine klar strukturierte Spielweise. Geduld im Aufbau, variable Tiefenläufe und viele Abschlüsse machen die Thüringer offensiv extrem gefährlich. Gleichzeitig sorgt das kompakte Defensivspiel für Stabilität. Für den Chemnitzer FC wartet damit ein physisches, taktisch anspruchsvolles Duell.

Voraussichtliche Aufstellung: Otto 1 – Soares 16, Awoudja 6, Schwarz 3 (C), Moritz 2 – Caciel 8, Boboy 25, Wolf 10 – Ugondu 13, Hajrulla 9, Durakov 54