Zurück zur Übersicht

06.12.2025 - 16.50 Uhr | 1. Mannschaft

Trotz Chancenplus und Überzahl – CFC mit torlosem Remis an der Ostseeküste

Für den Chemnitzer FC ging es am Samstagnachmittag im Volksstadion Greifswald um wichtige Punkte und um eine Antwort auf die zuletzt durchwachsene Ausbeute. Nach drei Spielen ohne Sieg sollte gegen den krisengeplagten Greifswalder FC endlich wieder ein Dreier her – und die 828 Zuschauerinnen und Zuschauer vor Ort sollten erleben, dass die Himmelblauen diesen Anspruch ernst meinten. Von Beginn an entwickelte sich ein packendes, intensives und offenes Regionalliga-Spiel, das die Chemnitzer trotz Chancenplus nicht für sich entscheiden konnten.

CFC reist Freitag an – Rücker fällt aus

Bereits am Freitagabend war der CFC an die Ostseeküste gereist, um optimale Bedingungen für das wichtige Auswärtsspiel zu schaffen. Am Spieltag selbst traf das Team rund 90 Minuten vor Anpfiff am Stadion ein.

Cheftrainer Benjamin Duda stellte seine Mannschaft auf drei Positionen im Vergleich zum 1:1 gegen den BFC Dynamo um: Anton Rücker stand verletzungsbedingt nicht zur Verfügung, zudem rotierten Tobias Stockinger und Jonas Marx aus der Startelf. Neu in die Anfangsformation rückten Artur Mergel und Leon Damer, die das zentrale Mittelfeld vor Sechser Tom Baumgart bildeten, sowie Domenico Alberico, der auf dem Flügel agierte.

Jakubov macht die 300 voll

Vor dem Anpfiff wurde es dann noch feierlich: Greifswalds Keeper Jakub Jakubov wurde für sein 300. Regionalliga-Spiel geehrt – eine Marke, die vor ihm nur Ex-BFC-Verteidiger Chris Reher (317 Einsätze) erreichte. Jakubov ist der Spieler in der Regionalliga Nordost mit den zweitmeisten Einsätzen. Applaus aus beiden Lagern begleitete dieses Jubiläum – wie passend zum Jubiläum das Spiel der beiden Clubs, für die er in der Liga am häufigsten zwischen den Pfosten stand.

Hohe Intensität, Chancen im Minutentakt – aber keine Tore

Dann ertönte der Pfiff des Unparteiischen Kai Kaltwasser und vom ersten Ballkontakt an entwickelte sich eine temporeiche Partie, in der beide Teams sofort den Vorwärtsgang einlegten. Die Gastgeber tauchten früh gefährlich vor dem CFC-Gehäuse auf, doch Ekui rettete in höchster Not und klärte einen Abschluss von Benyamina vor der Linie (2.). Es war der Auftakt zu einem offenen Schlagabtausch.

Auf der anderen Seite setzte Chemnitz das erste massive Ausrufezeichen: Bozic schickte Damer steil, der frei vor Jakubov auftauchte, den Keeper überwand – und dennoch nur die Latte traf (5.). Der CFC war nun voll im Spiel, gewann viele zweite Bälle und übernahm das Kommando.

Es folgte die nächste strittige Szene: Grimaldi eroberte im Pressing stark den Ball, wurde im Strafraum klar getroffen, doch der Pfiff blieb aus. Bozic reagierte schnell, wuchtete den Abpraller in Richtung Winkel – Jakubov parierte spektakulär (11.).

Die Partie ließ keine Atempausen. Greifswald antwortete mit einem wuchtigen Kopfball von Benyamina, der das Aluminium erzittern ließ (16.) – der zweite Alutreffer der Partie. Chemnitz spielte weiter mutig nach vorn, suchte auf engem Raum immer wieder kreative Lösungen. Mergel und Bozic versuchten es sogar akrobatisch per Fallrückzieher, trafen den Kasten aber nicht.

Nach gut zwanzig Minuten beruhigte sich das Geschehen ein wenig. Trotzdem hatte der CFC die nächste Doppelchance: Bozic versuchte Jakubov, der weit vor seinem Kasten stand, aus großer Distanz zu überlupfen. Nur Sekunden später setzte Grimaldi einen präzisen Abschluss nach einem perfekten Steckpass von Mergel knapp am langen Eck vorbei (25.).

Trotz zahlreicher Chancen torlos in die Pause

Anschließend gab es kaum noch Offensivaktionen bis zur Pause. Damers flacher Abschluss aus zwanzig Metern stellte Jakubov zwar nicht vor Probleme, gehörte aber zu den Highlights der letzten zwanzig Minuten.

Pünktlich nach einer Dreiviertelstunde ging es torlos in die Kabine – allerdings trotz des Spielstands nach einem äußerst unterhaltsamen ersten Durchgang. Der CFC zeigte eine strukturierte und zugleich mutige Vorstellung und erspielte sich Chance um Chance. Auch die Greifswalder kamen zu aussichtsreichen Gelegenheiten und beide hätten mehr als einmal treffen müssen.

Hausherren mit Schwung in Halbzeit zwei

Ohne personelle Veränderungen kamen beide Mannschaften aus der Kabine, und schon die ersten Minuten machten deutlich, dass die Partie nahtlos an das hohe Tempo der ersten Halbzeit anknüpfen würde. Greifswald erwischte den besseren Wiederbeginn, setzte sich früh in der CFC-Hälfte fest und suchte mit Wucht den Weg zum Tor. Chemnitz brauchte einige Minuten, um sich neu zu sortieren und wieder selbst Kontrolle zu gewinnen.

Chemnitz in Überzahl – Hüther fliegt vom Platz

Nach diesem lebhaften Start kippte die Partie plötzlich: McMoordy Hüther hielt gegen Mergel drüber und sah – bereits verwarnt – folgerichtig Gelb-Rot. Ab der 53. Minute war der CFC in Überzahl.

Greifswald stellte daraufhin um, verteidigte nun extrem kompakt und verlagerte den Fokus fast ausschließlich aufs Kontern. Für die Himmelblauen bedeutete diese neue Statik: noch mehr Ballbesitz, noch mehr Geduld – aber auch die Aufgabe, in der letzten Linie auf engstem Raum Lösungen finden zu müssen. Das Spiel mit offenem Visier, wie in Halbzeit eins, liegt der Mannschaft von Benjamin Duda eigentlich mehr.

Duda reagierte und brachte Tobias Stockinger für den verwarnten Tom Baumgart, um ein weiteres, frisches Kreativelement auf dem Rasen zu haben. Mergel rückte auf die Sechserposition.

CFC schnürt Greifswald ein – Chancen im Minutentakt

Mit fortlaufender Spielzeit verlagerte sich das Geschehen zunehmend tief in die Hälfte des GFC. Chemnitz kontrollierte, kombinierte, spielte geduldig um den Block herum, kam aber nur selten durch.

Es war also Zeit für eine geniale Einzelaktion: Pistol schüttelte zwei Gegenspieler ab und hielt aus spitzem Winkel mit dem Außenrist drauf – doch Jakubov parierte stark. Den Nachschuss hatte Alberico auf dem Fuß, aber der Ball wurde von zwei Greifswaldern an den Pfosten abgefälscht (76.). Es war die nächste Szene, in der der Führungstreffer eigentlich überfällig schien.

Und der CFC blieb dran: Alberico sorgte für den vierten Lattentreffer des Tages. Im Nachschuss wurde Stockinger gleich mehrfach von Jakubov und seinen Vorderleuten auf der Linie geblockt (80.).

Greifswald setzt späten Nadelstich – Adamczyk hält die Null

In Unterzahl gelang es Greifswald nur noch selten, gefährliche Konter anzusetzen. Die beste Gelegenheit hatte der eingewechselte Rudolf Ndualu, der aus über 30 Metern den Abschluss suchte und Adamczyk zu einer sehenswerten Flugeinlage zwang (84.).

Auch in den letzten Minuten hielt das Greifswalder Defensivbollwerk den wütenden Chemnitzer Angriffen stand. Der CFC versuchte es – mittlerweile mit Jonas Marx und Tobias Müller auf dem Feld – vor allem per Flanke erfolglos.

Nächstes Remis – Chancenverwertung ist das Manko

Am Ende steht ein starker Auftritt. Ein Spiel, mit dem sich sicher jeder CFC-Fan identifizieren kann und eine Leistung, die mehr verdient hätte. Das Toreschießen ist aber eben kein unerheblicher Teil dieses Sports und so steht auch wieder kein Sieg für diese Leistung auf der Habenseite – zum nun vierten Mal in Folge. Es bleiben also gemischte Gefühle nach diesem Auswärtsspiel.

In exakt sieben Tagen geht es für die Himmelblauen weiter. Dann steht der Abschluss des Jahres gegen den FSV Luckenwalde an. Gegen die Brandenburger wollen die Jungs von Benjamin Duda einen versöhnlichen Jahresabschluss für alle Chemnitzerinnen und Chemnitzer beisteuern. Greifswald gastiert einen Tag später im Leutzscher Holz bei der BSG Chemie Leipzig (14 Uhr).

Greifswalder FC – Chemnitzer FC 0:0

GFC: Jakubov 1 – Wagner 26, Kaizer 4, Eglseder 29, Farr 6 – Hüther 8, Vogt 20, Richardson 10 (72. Daedlow 25) – Atilgan 99 (72. Bokake 9), Benyamina 90 (C), Harz 33 (65. Ndualu 22)

CFC: Adamczyk 1 – Ekui 27, F. Müller 26, Eppendorfer 25, Pistol 18 – Alberico 11, Damer 13 (75. Marx 19), Baumgart 29 (63. Stockinger 7), Mergel 10 (87. T. Müller 38), Grimaldi 23 – Bozic 33 (C)

Besondere Vorkommnisse: Gelb-Rot McMoordy Hüther (53.)

Zuschauer: 828