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20.03.2014 - 13.38 Uhr | 1. Mannschaft

Vor dem mitteldeutschen Duell: Die beiden Trainer im Interview

Im Vorfeld der Begegnung zwischen unserem Chemnitzer FC und dem Halleschen FC stehen uns die Trainer beider Mannschaften im Gespräch Rede und Antwort. Im Interview geben Sie Einblicke in das sportliche Geschehen und sagen uns wie ihr Fazit zum bisherigen Saisonverlauf ausfällt und was sie sich vom Duell am Sonntag erwarten.

Den Anfang macht heute: Sven Köhler

Mit 372 Pflichtspielen für unsere Himmelblauen gehört Sven Köhler sicherlich zu einem der Spieler, auf die das Prädikat FCK/CFC-Urgestein bestens zutrifft. Er war Teil der erfolgreichen FCK-Europapokal-Mannschaft, die sich mit Boavista Porto oder Juventus Turin maß, spielte mit unserem CFC sieben Jahre in der 2. Bundesliga und feierte mit dem Einzug ins DFB-Pokalhalbfinale und dem Zweitliga-Aufstieg 1998/99 weitere große Erfolge mit seinem Heimatverein. Nach der aktiven Laufbahn war er zunächst als Co-Trainer unter Christoph Franke tätig und übernahm ab 01. Juli 2007 das Amt des Cheftrainers beim Halleschen FC. Unter seiner Regie feierte der HFC vier Landespokalsiege und am Ende der Saison 2011/12 den Aufstieg in die 3. Liga. Zudem ist Sven Köhler, der sein Amt an der Saale seit mittlerweile 2.454 Tagen begleitet, der aktuell am längsten amtierende Trainer in der 3. Liga.

Herr Köhler, am Sonntag steht das Prestigeduell zwischen dem Chemnitzer FC und ihrem Halleschen FC auf dem Programm. Für Sie sicherlich kein gewöhnliches Aufeinandertreffen?

Sven Köhler: Ich bin in Chemnitz groß geworden und habe lange Jahre für den Verein gespielt, insofern sind Spiele gegen den CFC für mich immer etwas ganz Besonderes!

Welche Momente sind Ihnen aus ihrer Zeit in Chemnitz in besonderer Erinnerung geblieben?

Sven Köhler: Vor allem natürlich die Zeit Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre als wir mit dem FCK zwei Spielzeiten im Europapokal vertreten waren. Auch die Zweitligazeiten sind mir in guter Erinnerung geblieben.

Ein Blick auf ihre ganz persönliche Bilanz gegen den CFC, die immerhin vier Siege und nur zwei Niederlagen vorweist, lässt den Eindruck erwecken, dass Sie auch sportlich allen Grund zur Freude auf Spiele gegen ihren Ex-Club haben müssten?

Sven Köhler: So genau habe ich mich mit dieser Statistik ehrlich gesagt gar nicht befasst! Fakt ist, dass Spiele gegen den CFC immer Spiele auf Augenhöhe und dementsprechend sehr eng gewesen sind. Trotzdem haben wir auswärts immer gut ausgesehen.

Wann waren Sie das letzte Mal als Zuschauer bei einem Spiel des Chemnitzer FC zu Gast?

Sven Köhler: Aufgrund der häufigen terminlichen Überschneidungen unserer Spiele bin ich in diesem Jahr noch gar nicht dazu gekommen ein Spiel in Chemnitz anzuschauen. In der ersten Halbserie habe ich den CFC dagegen das ein oder andere Mal live im Stadion beobachtet.

Inwieweit verfolgen Sie das Geschehen bei den Himmelblauen auch außerhalb ihrer Funktion als Trainer des HFC?

Sven Köhler: Da ich nach wie vor in Chemnitz wohne, bekomme ich selbstverständlich etwas mehr mit, als wenn dem nicht so wäre. Insbesondere die sportliche Entwicklung in der Rückrunde und die damit einhergehenden Probleme habe ich aufmerksam verfolgt.

Der Hallesche FC verfügt mit dem ERDGAS Sportpark bereits über eine moderne Fußballarena. In Chemnitz schafft der Abrissbagger gerade ebenfalls Platz für eine neue Spielstätte. Welche Erinnerungen verbinden Sie persönlich mit dem alten Stadion an der Gellertstraße und welche Vorfreude können Sie den CFC-Fans bezüglich eines neuen Stadions durch ihre Erfahrungen aus Halle vermitteln?

Sven Köhler: Im Gellertstadion zu spielen war für mich immer ein schönes Ereignis, da es ein sehr enges Stadion mit einer guten Atmosphäre ist. Hier aufzulaufen hat mir immer großen Spaß gemacht! Aber auch als Trainer, ob mit Dresden oder Halle, bin ich gerne hier gewesen. Doch man muss auch sehen, dass das Stadion in die Jahre gekommen und nicht mehr allzu zeitgemäß ist. Ein neues und modernes Fußballstadion ist da einfach etwas ganz anderes und gehört auch dazu, wenn man das Ziel hat, perspektivisch in der 2. Liga zu spielen. Auch was die Atmosphäre anbelangt, ist ein neues Stadion für Spieler und Fans gleichermaßen eine tolle Sache!

Wenn man die Saisonziele mit der Tabellenfahrt beider Mannschaften vergleicht, stellt man einmal mehr fest, dass Fußball kein Wunschkonzert ist. Hätten Sie damit gerechnet, dass sowohl der CFC, als auch der HFC mit dem Tabellenkeller in Berührung kommen könnten?

Sven Köhler: Für uns war die Hoffnung schon da, nicht hinten hineinzurutschen, aber es hat sich einmal mehr bestätigt, dass außer der Tabellenspitze um Heidenheim, Leipzig oder Darmstadt jeder durch eine Durststrecke schnell in bedrohliche Regionen abrutschen kann. Dafür ist die 3. Liga einfach viel zu ausgeglichen, als das man sich in falscher Sicherheit wiegen könnte. Auch beim CFC hätte ich nicht gedacht, dass sie es phasenweise so schwer haben würden. Umso erfreulicher ist natürlich die Entwicklung der letzten Spiele!

In der Sommerpause verließen unter anderem mit Darko Horvat, Dennis Mast oder Marco Hartmann viele Leistungsträger den Verein. Wie schwer wogen diese Abgänge für die Entwicklung ihrer Mannschaft?

Sven Köhler: Wir haben im Sommer einen sehr großen Umbruch vollzogen, der teils gewollt war, teils aber auch Abgängen zu anderen Vereinen geschuldet war. Aus dieser Konstellation heraus war es für uns zu Beginn nicht einfach, den Kader voll zu bekommen, weshalb wir auch schwierig in die Saison gestartet sind. Man hat gesehen, dass alles seine Zeit braucht, was vor allem die sportlichen Schwankungen verdeutlichten.

Trotzdem findet sich der Hallesche FC aktuell auf einem sehr guten siebenten Tabellenplatz wieder. Nach durchwachsener Vorrunde und Abrutschen in gefährliche Tabellenregionen, haben Sie zuletzt eine durchweg positive Entwicklung verzeichnen können. Welche Faktoren haben zu dieser Trendwende geführt?

Sven Köhler: Wir sind mittlerweile länger zusammen und die Spieler haben sehr gut zueinander gefunden. Zusätzlich konnte der lange verletzte Björn Ziegenbein wieder zur Mannschaft stoßen, was uns offensiv noch durchschlagskräftiger gemacht hat. Außerdem haben wir uns in der Winterpause durch die Verpflichtungen von Tim Kruse und Francky Sembolo nochmals gezielt verstärkt.

Bereits im Jahr zuvor haben Sie mit den Verpflichtungen von Timo Furuholm oder Daniel Ziebig in der Winterpause ihren Transferriecher bewiesen. Mit Tim Kruse und Francky Sembolo ist dies in der jetzigen Saison erneut gelungen. Sind Wintertransfers eine Stärke des Hallenser Scoutingsystems?

Sven Köhler: Ich würde nicht so weit gehen, dies als alleinige Stärke des HFC anzusehen. Es ist vielmehr entscheidend, das richtige Gefühl dafür zu haben, welche Transfers passen könnten und letztendlich gehört auch einfach das nötige Quäntchen Glück dazu.

Mit Dr. Michael Schädlich haben Sie in Halle einen Präsidenten, der auch in sportlich schwierigen Situationen nicht in Aktionismus verfällt. Wie wichtig ist das für ihre persönliche Arbeit?

Sven Köhler: Rückendeckung durch das Präsidium ist immer wichtig. Letztendlich haben wir aber auch in den vergangenen Jahren nachgewiesen, dass wir in der Lage sind, die richtige Entwicklung zu nehmen.

In ihrer Laufbahn als Spieler haben sie sicherlich das ein oder andere spielerische Vorbild gehabt. Als Trainer steht man bekanntlich auf der anderen Seite. Wer hat Sie diesbezüglich am meisten geprägt?

Sven Köhler: Während meiner Laufbahn habe ich einige Trainer erlebt, wobei die Zeiten unter Hans Meyer nicht zuletzt aufgrund der Erfolge sehr prägend waren. Gleiches gilt für Christoph Franke, unter dem ich nicht nur am längsten gespielt habe, sondern danach in Dresden auch als Trainer zusammengearbeitet habe. Von ihm habe ich viel über Trainingsmethoden gelernt und er ist für mich über all die Jahre immer ein wichtiger Ansprechpartner geblieben. In den letzten Jahren hatte ich auch sehr guten Kontakt zu Gerd Schädlich, mit dem ich mich ebenfalls häufig ausgetauscht habe.

Was wünschen Sie sich und den Zuschauern für das bevorstehende Duell zwischen Himmelblau und Rot-Weiß?

Sven Köhler: Trotz des aktuell im Umbau befindlichen Stadions hoffe ich auf eine stimmungsvolle Kulisse. Beide Mannschaften sind aktuell sportlich auf einem sehr guten Weg, daher können wir uns auf ein rassiges Duell freuen, aus dem wir hoffentlich auch etwas Zählbares mitnehmen werden!

Herr Köhler, vielen herzlichen Dank für dieses Interview!