Vor dem mitteldeutschen Duell: Die beiden Trainer im Interview
Gestern haben wir den Trainer unserer Gäste, Sven Köhler, vor dem anstehenden Duell zu Wort kommen lassen. Heute ist nun unser Trainer, Karsten Heine, an der Reihe um uns Rede und Antwort zu stehen, die sportliche Entwicklung der letzten Wochen zu reflektieren und einen Ausblick auf die kommenden Spiele zu geben!
Herr Heine, am Sonntag steht das Prestigeduell zwischen dem Chemnitzer FC und dem Halleschen FC auf dem Programm. Was dürfen sich die Anhänger der Himmelblauen von dieser Partie erhoffen?
Karsten Heine: Die Zuschauer dürfen sich mit Sicherheit auf ein spannendes Fußballspiel freuen. Die letzten Ergebnisse von Halle sprechen für die Qualität dieser Mannschaft, doch auch wir werden nach den letzten Wochen mit sehr viel Selbstvertrauen in die Begegnung gehen und alles dafür geben diese Partie für uns erfolgreich zu gestalten.
Sie haben sowohl als Spieler mit Union Berlin, als auch als Trainer mit Hertha BSC II gegen den HFC antreten müssen. Was verbinden Sie mit Duellen gegen die „Rot-Weißen" von der Saale?
Karsten Heine: Vor allem aus den letzten Duellen ist mir der HFC als Mannschaft in Erinnerung geblieben, die sich durch große Disziplin in der Defensive auszeichnet und sehr kompakt steht. In dieser Saison kommt beim HFC noch hinzu, dass sie sich durch ihre Neuverpflichtungen in der Offensive gut verstärkt haben und dadurch torgefährlicher geworden sind.
Zu Jahresbeginn bemängelten Sie oftmals die fehlende Effektivität der eigenen Offensive. In den ersten vier Partien standen null Tore zu Buche. Zuletzt hat die Mannschaft viermal in Folge getroffen und stattliche acht Treffer erzielt. Wie ist es dem gelernten Offensivspieler Karsten Heine gelungen, seiner Offensive wieder neuen Schwung zu verleihen?
Karsten Heine: In allererster Linie ist das ein Verdienst der gesamten Mannschaft, denn bei der Erzielung und Verhinderung von Toren müssen alle Spieler aktiv mitwirken. Grundvoraussetzung ist daher ein kompaktes Defensivverhalten und ein gutes Pressing, um dadurch eine frühe Balleroberung zu gewährleisten und den Gegner sofort unter Druck zu setzen. Letztendlich ist es natürlich auch eine Frage des nötigen Selbstvertrauens, welches wir durch die Ergebnisse der letzten Spiele zurück gewonnen haben. Darauf müssen wir in den nächsten Partien aufbauen und weiter unsere Punkte sammeln.
In Stuttgart überzeugte die Mannschaft durch Effektivität im Torabschluss und eine ganz starke läuferische Leistung aller Mannschaftsteile. Dem Gegner wurden so kaum Chancen gestattet. Ist das die Spielweise die sie von ihrer Mannschaft erwarten?
Karsten Heine: Auch in den Spielen zuvor haben wir bereits gute Ansätze gezeigt, wobei teilweise das Ergebnis die Leistung noch nicht widerspiegelte. Wir erwarten von jedem Einzelnen, dass er in jedem Spiel sein Möglichstes einbringt und bis an die eigenen läuferischen Grenzen geht. Die nötige Laufbereitschaft ist die Basis für unser Spiel!
Zu ihrem Amtsantritt im Oktober betonten Sie, dass schnelles Umschaltspiel und Offensivfußball ihre Handschrift beim CFC prägen sollen. Die Ergebnisse der letzten Wochen legen nahe, dass die Mannschaft die Philosophie ihres Trainers mittlerweile verinnerlicht hat?
Karsten Heine: Wir arbeiten jede Woche daran uns kontinuierlich zu verbessern, denn punktemäßig sind wir noch lange nicht durch. Um eine optimale Leistung zeigen zu können, müssen Wille und Laufbereitschaft einfach stimmen. Im Abstiegskampf geht es nicht immer darum, attraktiven Fußball zu spielen, sondern erfolgreich zu sein und die nötigen Tore zu schießen. Daher werden wir auch in den kommenden Wochen akribisch weiterarbeiten.
Die Leistung eines Trainers wird allgemein sehr schnell an Statistiken gemessen. Wie wichtig sind unter diesem Gesichtspunkt Geduld und Selbstvertrauen, damit man die Umstellung eines bestehenden Spielsystems durch die eigene Philosophie erfolgreich durchführen kann?
Karsten Heine: Wenn es sportlich nicht läuft ist der Trainer immer in der Verantwortung und dieser Verantwortung darf man sich auch nicht entziehen! Es ist wichtig, dass in diesen Situationen sowohl Mannschaft als auch Trainerteam an die Dinge glauben, die sie umsetzen wollen. Natürlich ist es für alle in Zeiten des Erfolges leichter, aber auch bei Misserfolgen darf man sich nicht gleich vom Weg abbringen lassen. Trotzdem ist es immer wichtig situativ notwendige Korrekturen vorzunehmen, sei es infolge von Verletzungen oder durch Formschwächen.
Welchen zusätzlichen Impuls haben die Kurztrainingslager vor den Heimspielen gegen Darmstadt und Saarbrücken gegeben?
Karsten Heine: Für den sportlichen Erfolg ist jedes Mosaiksteinchen wichtig. Durch diese zusätzliche Art der Vorbereitung ist es möglich, die Sinne jedes Einzelnen noch mehr zu schärfen und sich noch fokussierter auf das nächste Spiel vorzubereiten. Außerdem wird dadurch der interne Zusammenhalt nochmals gestärkt. Deshalb bin ich unserem Vorstand auch sehr dankbar, dass er uns diese Kurztrainingslager auch ermöglicht.
Ist vor dem Spiel gegen den Halleschen FC wieder ein Kurztrainingslager angedacht?
Karsten Heine: Auch vor dem Spiel gegen den Halleschen FC werden wir die Möglichkeit wahrnehmen, auch wenn wir dafür diesmal einen Tag weniger nutzen werden.
In der Winterpause wurden mit Marc Lais und Marcel Hofrath zwei junge Neuzugänge verpflichtet, die beide bereits ihre „Feuertaufe" in der 3. Liga hinter sich haben. Welchen Beitrag haben unsere beiden „Neuen" am Formanstieg der letzten Wochen?
Karsten Heine: Beide Spieler sind von der Mannschaft wunderbar aufgenommen worden und konnten sich schnell im Team integrieren. Durch ihre Leistung haben sie, wie jeder andere Spieler auch, dazu beigetragen, dass die Mannschaft aus dem Tabellenkeller herausgekommen ist.
Eine erfolgreiche taktische Maßnahme war es sicherlich auch, Ronny Garbuschewski direkt hinter den Spitzen spielen zu lassen?
Karsten Heine: Ronny Garbuschewski verfügt über herausragende Offensivqualitäten und kann durch seine Vielseitigkeit und Technik eine richtige Waffe sein, wie er zuletzt auch erfolgreich unter Beweis stellen konnte. Von der Maßnahme, ihn zentral aufzubieten, haben wir uns außerdem erhofft, dass er das Spiel noch mehr gestalten kann und er selbst für den Gegner nicht mehr so leicht auszurechnen ist.
Wie werden Sie seinen Ausfall in den kommenden Wochen kompensieren?
Karsten Heine: Mit Verletzungen muss man im Saisonverlauf immer rechnen und diese müssen vom Mannschaftskollektiv kompensiert werden können. Die Arbeit von Ronny muss jetzt einfach auf mehrere Schultern verteilt werden. Dafür haben wir mehrere Optionen auf dem Tisch, was nicht bedeuten muss, dass wir jetzt einen Systemwechsel vollziehen werden.
Der Chemnitzer FC verfügt seit kurzem auch über einen hauptamtlichen Scout. Welchen Stellenwert messen Sie einem vereinseigenem Scoutingsystem bei?
Karsten Heine: Sofern es im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten ist, gehört ein hauptamtlicher Scout oder ein Scoutingsystem bei jedem Profiverein dazu. Hierbei sollen vor allem die Beobachtung der Gegner, aber auch die Sichtung potentieller Neuzugänge adäquat abgedeckt werden.
Nach dem überzeugenden 3:0-Sieg bei den Stuttgarter Kickers, die bis dato über ein halbes Jahr zuhause nicht mehr verloren hatten, feierten die Fans ihre Spieler noch über eine halbe Stunde nach Ende der Partie. Eine bessere Motivation der eigenen Mannschaft kann sich ein Trainer nicht wünschen?
Karsten Heine: Die Unterstützung unserer Fans in den letzten Spielen war klasse! Für uns besteht nicht nur deswegen einfach die Verpflichtung, in den kommenden Spielen alles aus uns heraus zu holen. Die Zuschauer müssen das Gefühl bekommen, die Mannschaft zerreiße für den Verein, indem über die gesamte Spielzeit Leidenschaft, Wille und Laufbereitschaft an den Tag gelegt werden. Wir sind in der Bringpflicht und jeder muss wissen, dass es nur gemeinsam geht. Umfeld, Verein und Fans müssen zusammenstehen, auch wenn es mal nicht so läuft, wie erhofft.
Gegen den Halleschen FC gab es im Hinspiel eine ärgerliche 1:2-Niedelage. Was erwarten Sie von ihrem Team, damit diese Scharte vor eigenem Publikum ausgewetzt wird?
Karsten Heine: Wir haben einen echten Ost-Klassiker vor uns, deshalb erwarte ich die bereits angesprochenen Grundtugenden Leidenschaft, Wille und Laufbereitschaft! Wir sind noch lange nicht durch, daher ist auch jeder gefordert alles zu geben, damit wir dieses Spiel erfolgreich gestalten.
Herr Heine, vielen herzlichen Dank für dieses Gespräch und viel Erfolg mit den Himmelblauen!



