Weltmeister & CFC-Mitarbeiter Marc Tausch im Interview: "Wirklich fassen kann ich es immer noch nicht"
Der Chemnitzer FC hat einen Weltmeister in seinen Reihen. Anfang November konnte CFC-Mitarbeiter Marc Tausch sich mit seinem Team "Synchronic" im finnischen Helsinki zum Clash of Clans (CoC) Weltmeister krönen. Mit einem 14:11-Erfolg war seine Mannschaft im Finale deutlich überlegen und sicherte sich bei der sechsten CoC-Weltmeisterschaft zum ersten Mal den Titel.
In dem beliebten Mobile-Game (über 500 Millionen Downloads allein im Google Play Store) geht es darum, sich ein Dorf aufzubauen, dieses - insbesondere das Rathaus - durch verschiedene Verteidigungsvorrichtungen vor Angreifern zu schützen und selbst durch strategisches Geschick Dörfer anderer Spieler zu erobern, um Ressourcen zu erbeuten. Seit sechs Jahren gibt es nun eine Weltmeisterschaft, bei der sich jährlich die besten Spieler weltweit messen.
Jedes Team besteht aus fünf Akteuren, die nacheinander abwechselnd angreifen und versuchen, die gegnerischen Dörfer zu zerstören. Für den Grad des Erfolges bekommt der angreifende Spieler zwischen null und drei Sternen. Im selten eintretenden Optimalfall kann ein Team also bis zu 15 Sterne sammeln.
Das im Januar dieses Jahres gegründete Team "Synchronic", dem Marc angehört, qualifizierte sich frühzeitig für das Turnier, an dem nur sechs Teams teilnehmen und vor etwa 500 Live-Zuschauern (ca. 68.000 im Stream) den Titel unter sich ausmachen. Der Gesamt-Preispool des Turniers belief sich auf 1 Million Dollar, wovon allein das Siegerteam 300.000 Dollar unter sich aufteilen durfte. Eine Summe, die Marc nun zur Finanzierung seines Studiums einsetzen kann.
Jetzt ist Marc wieder an seinen Schreibtisch in der Geschäftsstelle des Chemnitzer FC zurückgekehrt, und wir haben uns mit dem 26-jährigen Dresdner im Stadion – An der Gellertstraße zum Interview getroffen, um über seine Eindrücke bei der WM und seinen großen Erfolg in Finnland zu sprechen.
Marc, um die ganze Geschichte von vorn aufzurollen: Wie bist du dazu gekommen, Clash of Clans auf so einem gehobenen Level zu spielen?
Marc: Ich habe – wie die meisten – in der Schule angefangen. Dann hat man sich mit Kumpels auf dem Schulhof verglichen. Irgendwann haben die meisten dann aufgehört, ich habe aber weitergespielt. Bei mir hat sich ein Ehrgeiz entwickelt, und so habe ich recherchiert, wie man sich auch über den eigenen Freundeskreis hinaus kompetitiv mit anderen Spielern vergleichen kann.
Und wie bist du dann zu deinem Team "Synchronic" gekommen?
Marc: Ich habe dann zum ersten Mal diese Weltmeisterschaften und damit einhergehend das Prinzip der Fünf-gegen-fünf-Duelle gesehen. Da wurde mir klar, dass ich so etwas auch machen will. Also habe ich mich darauf vorbereitet und meinen Account auf das nötige Level gebracht, um an Turnieren teilnehmen zu können, habe Kontakte geknüpft und bin einem Team beigetreten. In der Folge gab es viele Wechsel, weil innerhalb der Teams viel Bewegung herrschte. Anfang dieses Jahres haben wir dann mit dem Ziel, diese WM zu gewinnen, unser Team gegründet.
Wie habt ihr euch dann für die Weltmeisterschaft qualifiziert?
Marc: Über das Jahr verteilt gibt es verschiedene Qualifikationsturniere. Vier davon werden zwischen April und Juli ausgespielt. Danach gibt es noch ein Turnier, bei dem sich die Mannschaften, die noch nicht qualifiziert sind, versuchen können. Ein "Goldenes Ticket" (berechtigt zur Teilnahme an der WM, Anm. d. Red.) geht fix nach China, da dort aufgrund staatlicher Anordnung nur auf einem staatlichen Server gespielt werden darf, der nicht mit dem Rest der Welt verbunden ist. Wir konnten uns dann gleich im ersten Qualifikationsturnier souverän durchsetzen.
Kann man in diesem Spiel auch den Gegner beobachten und sich darauf vorbereiten?
Marc: Das Spiel wird vom Entwickler "Supercell" ständig weiterentwickelt. Es kommt als Team darauf an, sich den Entwicklungen anzupassen. Wer sich besser anpasst, gewinnt am Ende. Es gibt Qualifikationsturniere, in denen man sich die Gegner anschauen kann und sieht, wie sie mit welchen Änderungen umgehen und welche Mittel sie einsetzen. Das kann dann strategisch genutzt werden.
Anfang des Monats durftet ihr zur Weltmeisterschaft nach Helsinki fliegen und habt euch im Hauptsitz des Spielentwicklers "Supercell" souverän den Titel gesichert. Kannst du uns den Weg zur Trophäe nochmal aufzeigen?
Marc: Wir haben uns am Freitag (1. November, Anm. d. Red.) in der Gruppenphase gegen zwei Teams als Gruppenerster ziemlich souverän durchgesetzt. Unter anderem konnten wir als unerfahrenes Team – erst zwei unserer Spieler sind bisher bei einer WM gewesen – gegen das japanische Team, Fanliebling und ehemaligen Weltmeister "Navi" durchsetzen. Am Samstag konnten wir uns dann die andere Gruppe ansehen und wussten, dass wir das beste Team in diesem Turnier sind. Mit diesem Selbstvertrauen konnten wir auch das Halbfinale und das Finale souverän gewinnen.
Im Finale am 3. November war schon früh absehbar, dass ihr dieses Turnier gewinnen und Weltmeister werden würdet. Wie hast du euren Titelgewinn wahrgenommen?
Marc: Wirklich fassen kann ich es immer noch nicht. Ich glaube, das kommt dann in den kommenden Wochen, wenn ich alles in Ruhe sacken lassen konnte. Ich habe die letzten Minuten auf der Bühne vor allem die Atmosphäre in der Arena sehr genossen. Wir wussten schon weit vor Spielende, dass wir gewinnen, deshalb kam es jetzt nicht sonderlich überraschend. Die Emotionen kamen also nicht auf einen Schlag, sondern schlichen sich nach und nach ein.
Bist du damit nun E-Sportler?
Marc: Nein. Richtige E-Sportler, die in League of Legends, Counter-Strike oder EA FC (vormals FIFA, Anm. d. Red.) antreten, machen das hauptberuflich und haben richtige Trainingspläne. Die stehen morgens auf und trainieren dann mindestens acht Stunden täglich, meist deutlich mehr. Da gibt es dann richtige Coaches, mit denen trainiert wird. Das gibt es in Clash of Clans nicht. Ich plane mir selbst ein, wie es zwischen Studium und Arbeitsalltag möglich ist, und kann viel über strategisches Spielverständnis lösen, wodurch nicht so viel Training nötig ist.
Danke für das Gespräch, Marc, und viel Erfolg bei deinem weiteren Weg in Clash of Clans und beim CFC. Schön, dass du wieder Teil unseres Teams bist!
Interview: Yannic Gillmeister



