Wieder machen die Standards Probleme – Erfurt gewinnt deutlich
Am 26. Spieltag empfing der Chemnitzer FC vor 6.342 Zuschauern im eins-Stadion – An der Gellertstraße den FC Rot-Weiß Erfurt. Die Himmelblauen wollten im Ost-Klassiker gegen die ambitionierten Thüringer nach zuletzt zwei Auswärtsniederlagen den sportlichen Umschwung einleiten. Doch dieses Vorhaben misslang: Zwei Erfurter Doppelschläge – in der Anfangsviertelstunde und kurz vor der Pause – stellten früh die Weichen auf Auswärtssieg. Am Ende unterlag der CFC mit 0:4.
Personell musste der CFC neben den Langzeitverletzten Niclas Erlbeck, Johannes Pistol (beide im Aufbautraining) und Maurizio Grimaldi (Innenbanddehnung) kurzfristig einen weiteren Ausfall verkraften: Linksverteidiger Niclas Walther meldete sich vor der Partie mit einer Knieverletzung ab. Toptorjäger Dejan Bozic konnte aufgrund von Sprunggelenksproblemen in den vergangenen Tagen nur eingeschränkt trainieren und nahm zumindest auf der Auswechselbank Platz. Neu in der Anfangsformation standen Tom Baumgart nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre sowie Martial Ekui.
92 Sekunden bis zum Erfurter Führungstreffer
Auf dem Platz herrschte direkt höchste Alarmstufe aus Sicht der Hausherren. Die erste längere Ballbesitzphase der Gäste nach dem Anpfiff führte zu einem Freistoß für Rot-Weiß rund zehn Meter in der Chemnitzer Hälfte. Beim vergangenen Auswärtsspiel in Halle dauerte es 96 Sekunden bis zum ersten Gegentor – diesmal ging es sogar noch schneller. Bereits nach 92 Sekunden setzte es die erste kalte Dusche für den CFC. Wieder war es ein Standard, der zum frühen Rückstand führte.
Und so ist er entstanden: Wolf brachte den Ball gefühlvoll in Richtung Strafraum, wo Hajrulla die Hereingabe aus der Luft mit dem Fuß über Daniel Adamczyk hinweg ins Chemnitzer Tor verlängerte (2.). Der CFC-Schlussmann machte sich beim Gegentreffer lang, konnte den Ball aber nicht mehr entscheidend ablenken.
Müller trifft – doch zweimal zählt der Treffer nicht
Die Schützlinge von Cheftrainer Benjamin Duda mussten sich kurz schütteln und versuchten anschließend, selbst für erste offensive Akzente zu sorgen. Gleichzeitig war bei jedem weiteren Erfurter Angriff höchste Wachsamkeit gefragt, denn die Gäste traten mit spürbarem Selbstvertrauen auf.
In der 8. Spielminute jubelten die über 5.000 CFC-Fans, doch die Freude währte nur kurz. Nach einer Freistoßhereingabe von Domenico Alberico hatte Kapitän Tobias Müller zwar getroffen, doch der Assistent hob die Fahne – eine hauchdünne Abseitsentscheidung.
Defensive offenbart große Schwächen
Es entwickelte sich eine Regionalliga-Partie mit offenem Visier, auch weil der CFC früh unter Zugzwang geriet. Für die Zuschauer durchaus unterhaltsam, allerdings wirkten die Himmelblauen äußerst anfällig, was es den Erfurtern zu leicht machte.
Denn auch die nächste gefährliche Standardsituation brachte den nächsten Rückschlag aus Chemnitzer Sicht. Der nächste Freistoß kurz hinter der Mittellinie landete erneut am Strafraum, wo Moritz den Ball per Kopf vor das Tor verlängerte. Falcao stand goldrichtig und vollendete im Stile eines Torjägers eiskalt zum 0:2 (15.).
Erinnerungen an die indiskutable erste Halbzeit in Halle wurden wach. Doch diesmal war zumindest ein Aufbäumen der Himmelblauen zu erkennen, auch wenn vieles fahrig wirkte. Den Willen konnte man den CFC-Profis jedenfalls nicht absprechen. Doch es fehlte – nicht nur im Abschluss, sondern auch in vielen kleinen, entscheidenden Momenten – an Konsequenz, Präzision und dem nötigen Spielglück auf Chemnitzer Seite.
In der 22. Minute lag der Ball erneut nach einem Treffer von Tobias Müller im Erfurter Tor. Doch auch diesmal entschied das Schiedsrichtergespann nach einer Freistoßflanke aus dem Halbfeld auf Abseits.
Doppelschlag vor der Pause sorgt für die Vorentscheidung
Bis zur Pause kippte die Partie dann endgültig in Richtung der Gäste. Kurz vor dem Halbzeitpfiff sorgten die Thüringer mit einem weiteren Doppelschlag für die Vorentscheidung. Auch der dritte Treffer folgte dem bekannten Muster: Wieder konnte der CFC einen Standard nicht verteidigen. Nach einem Freistoß von der linken Seite stand diesmal Claxton fünf Meter vor dem Tor frei und schob zum 0:3 ein (41.).
Doch damit nicht genug: Nur wenig später musste das Chemnitzer Publikum erneut Leidensfähigkeit beweisen. Nach einem langen Ball in der zweiten Minute der Nachspielzeit setzte sich der agile Ugondu durch und vollendete wuchtig zum 0:4-Pausenstand – ein Ergebnis, das auch in dieser Höhe nicht unverdient war.
Es verwunderte daher niemanden, dass die CFC-Profis beim Gang in die Kabinen von deutlichen Pfiffen des eigenen Anhangs begleitet wurden. Kurzum: Vor allem die Defensivleistung der Himmelblauen brauchte eine schnellstmögliche Korrektur – auch wenn die Partie zur Halbzeit bereits entschieden schien.
Auch der dritte Treffer des CFC zählt nicht
Trainer Benjamin Duda reagierte zur Pause mit zwei Wechseln und brachte Leon Damer und Felix Müller ins Spiel. Dafür blieben Tobias Stockinger und Julius Bochmann in der Kabine.
Das frische Personal schien Wirkung zu entfalten, denn der CFC setzte das erste Zeichen im zweiten Durchgang. Nur Sekunden nach Wiederanpfiff brachte Domenico Alberico den Ball im Erfurter Tor unter, doch erneut wurde der Treffer aberkannt.
Erfurt verwaltet das Ergebnis clever
Im weiteren Verlauf des zweiten Durchgangs verflachte die Partie jedoch zunehmend. Der CFC versuchte zwar, offensiv Akzente zu setzen, doch das schwindende Selbstvertrauen war spürbar.
Rot-Weiß Erfurt verwaltete die komfortable Führung und ließ Ball und Gegner laufen. Zudem wurde der Spielfluss immer wieder durch kleinere Unterbrechungen und Zweikämpfe unterbrochen. Dabei fielen die Erfurter oftmals zu leicht.
Die aussichtsreichste Möglichkeit für die Himmelblauen hatte Leon Damer, der sich im Strafraum gegen mehrere Gegenspieler behauptete, nach einem Zweikampf jedoch keinen Elfmeter zugesprochen bekam (63.).
In der Schlussphase nahm Benjamin Duda weitere Wechsel vor und brachte unter anderem Samuel Biven, Georg Hempel und Pepe Philipp. Am Spielgeschehen änderte sich jedoch wenig. Erfurt spielte die Partie souverän zu Ende und ließ kaum noch gefährliche Aktionen zu, sodass es am Ende beim deutlichen 0:4 aus Chemnitzer Sicht blieb.
Erfurt souverän – der CFC kassiert drei Standardtore
Erfurt ließ im zweiten Durchgang nichts anbrennen, der CFC konnte offensiv wenig nachlegen. Am Ende steht zum zweiten Mal in Folge ein Spiel, welches die Chemnitzer nach Unaufmerksamkeiten bei den Standards schon in der ersten Halbzeit aus der Hand geben. Nun gilt es in erster Linie die Köpfe freizubekommen und kommende Woche gegen Jena ein anderes Gesicht zu zeigen.
Der FC Carl Zeiss Jena gastiert am kommenden Sonntag um 14 Uhr an der Gellertstraße. Erfurt empfängt bereits am Freitag um 19 Uhr Hertha BSC II.
Chemnitzer FC – FC Rot-Weiß Erfurt 0:4 (0:4)
CFC: Adamczyk 1 – Ekui 27, Gebuhr 3, Bochmann 5 (46. F. Müller 26), Baumgart 29 – Mergel 10 (65. Biven 8), Eppendorfer 25 (65. Hempel 9), T. Müller 38 – Alberico 11 (79. Philipp 28), Marx 19, Stockinger 7 (46. Damer 13)
RWE: Otto 1 – Moritz 2, Schwarz 3 (26. Claxton 19), Awoudja 6 (81. Fuakala 5), Boboy 27 (46. Dukarov 54) – Caciel 8, Wolf 10, Soares 16, Falcao 55 (61. Assibey-Mensah 7) – Ugondu 13 (81. Chentoufi 25), Hajrulla 9
Tore: 0:1 Hajrulla (2.), 0:2 Falcao (15.), 0:3 Claxton (41.), 0:4 Ugondu (45.+2)
Zuschauer: 6.342



