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31.08.2022 - 09.08 Uhr | App-News

"Wir müssen Bilder im Kopf malen!" CFC-Utensilien bei der Europameisterschaft im Einsatz

Peter Lomb und sein Patensohn Malte Borgwardt haben Mitte August die European Championships in München besucht und den Sport für hunderte sehbehinderte Menschen im Kopf zum Leben erweckt. Im Gepäck hatten sie dabei das Chemnitzer Reporter-Set.

Spricht man mit Peter Lomb über das Beschreiben, merkt man, wie viele Details der Sport eigentlich hat. Der Leipziger ist Audiodeskripteur und beschreibt für sehbehinderte und blinde Menschen bei Sportveranstaltungen das Geschehen. Zuletzt machte er das Mitte August bei den European Championships in München bei neun verschiedenen Sportarten und benutzte dafür auch die Ausrüstung der Stadt Chemnitz, die bei Spielen des Chemnitzer FC zum Einsatz kommt.

"Wir müssen Bilder im Kopf malen", sagt Lomb im ClubMagazin-Interview. Ganz konkret macht er das mit einem Mikrofon, ähnlich wie ein Radio-Reporter. "Dann können sich die Menschen vor dem Sportereignis bei mir anmelden und ihre Kopfhörer abholen. Sie sitzen dann mitten in der Zuschauermasse und bekommen von mir den Sport aufs Ohr", so Lomb.

Blinde und Sehbehinderte hören beim Sport normalerweise nicht die Dinge, die sie interessieren. Wenn Lomb wie bei den European Championships ein Kanu-Rennen beschreibt, bezieht er nicht nur das Renn-Geschehen mit ein. Audiodeskripteure tasten sich von außen nach innen an den Sport heran. Lomb: "Bevor das Rennen startet, beschreibe ich die Umgebung. Ich erkläre, dass Bojen im Wasser schwimmen und Bäume auf dem gegenüberliegenden Hang stehen. Anschließend beschreibe ich in welchem Tribünenbereich der Zuhörer sitzt und wie er auf die Sportanlage blickt." Kanu-Olympiasieger Sebastian Brendel beschrieb Lomb beim Rennen anschließend nicht als Führenden mit einer Bootslänge Vorsprung, sondern als "Mann mit dunkelblonden Haaren, weißem Trägershirt mit Applikationen in den Nationalfarben und extrem muskulöser Statur".

Wie Peter Lomb haben es bei den European Championships mehrere Ehrenamtliche getan. Organisiert vom Unternehmen Audio2 in insgesamt fünf Reporterteams. Lomb selbst ist ehrenamtlich geschäftsführender Gesellschafter der HörMal - Audiodeskription gUG (Hier gibt es Informationen zu Veranstaltungen mit Live-Audiodeskription) und wurde in München von seinem Patensohn Malte Borgwardt besucht. Der Abiturient war vor allem von der Aufmachung der EM überrascht: "4.000 Volontäre haben an dieser Großveranstaltung teilgenommen und trotzdem war der Ablauf super abgestimmt. Alle Zuschauer waren sehr euphorisch, jede Nation wurde abgefeiert. Es war ein gelungenes Event."

Neben dem Angebot der Vor-Ort-Audiodeskription konnten sich die Fans den Livestream auch im Internet anhören und das Sportereignis vom eigenen Sofa aus verfolgen. Außerdem wurden mobile Induktionsschleifen ausgegeben, die es Menschen mit Hörgerät ermöglichen nur den Sound des Stadionsprechers aufs Ohr zu bekommen, der parallel auch von Gebärdendolmetschern übersetzt wurde. Peter Lomb und Kollegen haben für ihren freiwilligen Einsatz sehr viel Dankbarkeit spüren dürfen. "Teilhabe ohne Audiodeskription ist für sehbehinderte und blinde Menschen nicht möglich, weil Sie sonst keine Ahnung haben, warum sie jetzt jubeln sollen", erklärt Lomb. Audiodeskription sei die einzige Möglichkeit, diese Barriere abzubauen.

Schwierigkeiten bei (Sport-)Großveranstaltungen gibt es aber häufig beim finanziellen Aspekt. Die Veranstalter müssen Geld in die Hand nehmen, selbst wenn nur drei Besucher das Angebot der Audiodeskription in Anspruch nehmen. Lomb ermutigt die Menschen deshalb, die Audiodeskription ganz konkret beim Veranstalter einzufordern, schließlich müsse dieser auch eine Rolli-Rampe bauen. Lomb: "Und selbst wenn es nur ein einziger kommt, hat sich all der Aufwand schon gelohnt."