"Wir wollen unseren intensiven Fußball auf den Platz bringen" – CFC-Frauen starten gegen Marburg in die Pflichtspielsaison
Am Sonntag wird es erstmals in der neuen Saison ernst für die Frauen des Chemnitzer FC. Ab 12 Uhr empfangen die Himmelblauen den SF Blau-Gelb Marburg im DFB-Pokal. Vor dem ersten Pflichtspiel haben wir mit Cheftrainer Swen Wolf über die intensive Vorbereitung, die Integration der Neuzugänge und die Ausgangslage gegen den amtierenden Hessenpokalsieger gesprochen.
Dabei richtet sich der Blick bereits über den Pokal hinaus auf Regionalliga-Saison. Wolf ordnet die Himmelblauen gegen das eingespielte Team aus Marburg trotz der eigenen höheren Ligazugehörigkeit nicht als Favoriten ein und sieht die Begegnung vor allem als wertvollen Härtetest. Gleichzeitig macht der Cheftrainer deutlich, worauf es in den kommenden Monaten ankommen wird: Die Mannschaft soll ihrem intensiven Spielstil treu bleiben, Rückschläge gemeinsam wegstecken und sich als neu formiertes Team Schritt für Schritt weiterentwickeln.
Swen, am Sonntag beginnt mit dem DFB-Pokal die Pflichtspielsaison. Wie groß ist die Vorfreude darauf, dass es nach der intensiven Vorbereitung endlich um etwas geht?
Die Vorfreude ist sehr groß. In der vergangenen Woche haben wir mit drei Testspielen noch einmal eine enorme Belastung gehabt und ich habe schon gemerkt, dass die Mädels danach etwas platt waren. Jetzt nehmen wir aber wieder Fahrt auf und richten den Fokus komplett auf Sonntag. Im DFB-Pokal zu spielen, ist für uns immer etwas Besonderes und ein großes Event. Deshalb freuen wir uns darauf, dass es jetzt endlich wieder um etwas geht.
Mit Marburg kommt der Hessenpokalsieger und Meister der vergangenen Hessenliga-Saison nach Chemnitz. Du siehst euch eher in der Außenseiterrolle gesehen. Woran machst du diese Einschätzung fest?
Marburg ist eine eingespielte Mannschaft und genau das sind wir aktuell noch nicht. Sie sind mit großem Vorsprung Meister in der Hessenliga geworden und haben zusätzlich den Landespokal gewonnen. Warum sie anschließend auf den Aufstieg verzichtet haben, kann ich nicht beurteilen. Ihre sportliche Qualität steht für mich aber außer Frage. Deshalb wird es eine harte Aufgabe und ich sehe uns trotz unserer Regionalliga-Zugehörigkeit nicht automatisch als Favoriten.
Gleichzeitig seid ihr frischgebackener Regionalligist und spielt zu Hause. Wie wichtig ist es, trotz der Rollenverteilung mit Selbstvertrauen aufzutreten und Marburg von Beginn an zu zeigen, dass ihr weiterkommen wollt?
Unser Hauptaugenmerk in der gesamten Vorbereitung liegt auf der Regionalliga. Aber so ein Highlight im DFB-Pokal ist natürlich einer der besten Tests, die wir unmittelbar vor dem Ligastart bekommen können. Wir wollen zu Hause alles investieren und unbedingt eine Runde weiterkommen, um uns ein weiteres Highlight in diesem Wettbewerb zu ermöglichen. Das ist ganz klar unser Ziel für Sonntag. Trotzdem bleibt die Liga über die gesamte Saison betrachtet unsere Priorität.
Wie wichtig wäre ein erfolgreiches Pokalspiel auch mit Blick auf den Saisonstart? Kann ein Sieg unmittelbar vor der Regionalliga-Saison zusätzliches Selbstvertrauen und vielleicht auch einen gewissen Schwung geben?
Ich möchte dieses eine Spiel mit Blick auf die Liga nicht zu hoch hängen. Natürlich wollen wir gewinnen und mit einem guten Gefühl aus der Vorbereitung in die Saison starten. Gleichzeitig wissen wir genau, welche Qualität Marburg mitbringt. Deshalb können wir realistisch einschätzen, dass wir trotz unserer höheren Ligazugehörigkeit nicht als klarer Favorit in diese Partie gehen. Entscheidend ist für mich auch, wie wir auftreten und welche Entwicklung wir auf dem Platz erkennen können.
Es ist das erste Pflichtspiel nach einigen Veränderungen im Kader und einer intensiven Vorbereitung. Was möchtest du am Sonntag unabhängig vom Ergebnis unbedingt von deiner Mannschaft auf dem Platz sehen?
Wir wollen unseren intensiven Fußball auf den Platz bringen und als Mannschaft geschlossen auftreten. Gerade mit den neuen Spielerinnen befinden wir uns noch in einem Prozess und müssen weiter zusammenfinden. Wenn es uns gelingt, unsere Art und Weise über das gesamte Spiel gemeinsam durchzuziehen und füreinander zu arbeiten, können wir unabhängig vom Ergebnis vom nächsten Entwicklungsschritt sprechen. Genau das möchte ich am Sonntag sehen.
Nach dem Pokal richtet sich der Blick endgültig auf die Regionalliga. Wo steht die Mannschaft aktuell im Vergleich zu dem Niveau, das ihr für die neue und deutlich anspruchsvollere Spielklasse erreichen wollt?
Wir wissen noch nicht abschließend, was uns in der Regionalliga erwartet. Wir haben in der Vorbereitung bewusst gegen mehrere Regionalligisten getestet, um ein Gefühl für das Niveau zu bekommen. Zum Auftakt wartet mit dem SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf eine Mannschaft aus dem Berliner Raum, die ich vom Stil her ein Stück weit mit dem SFC Stern vergleichen würde. Ich habe Hohen Neuendorf vor zwei Jahren bereits gegen RB Leipzig II gesehen und davon noch einige Eindrücke im Kopf. Trotzdem wird gerade die erste Saisonphase für uns auch darum gehen, die Liga und ihre unterschiedlichen Mannschaften kennenzulernen.
Wie bereitet ihr euch generell auf die Gegner vor in den kommenden Wochen?
Ein umfangreiches Scouting ist bei diesen Entfernungen und unseren Strukturen im Ehrenamt nur schwer umzusetzen. Deshalb müssen wir in erster Linie bei uns bleiben und unsere eigenen Prinzipien festigen. Im Spiel selbst müssen wir dann schnell erkennen, was der Gegner macht, darauf reagieren und gegebenenfalls Dinge umstellen. Gerade in der Hinrunde wird das Informationsmaterial zu einigen Mannschaften noch überschaubar sein. Umso wichtiger ist es, dass wir verschiedene Lösungen vorbereitet haben.
Der Klassenerhalt ist das klare Saisonziel. Was muss euch über die gesamte Regionalliga-Saison auszeichnen, damit ihr als Aufsteiger bestehen und euch möglichst schnell in der Liga etablieren könnt?
Wir müssen selbstbewusst auftreten und unseren eigenen Fußball spielen. Es wird Situationen und Spiele geben, in denen etwas nicht funktioniert. Dann dürfen wir nicht von unserem Weg abkommen, sondern müssen bei uns bleiben. Gleichzeitig ist es wichtig, individuell auf unsere Spielerinnen einzugehen und die Mannschaft kontinuierlich weiterzuentwickeln. Wir müssen unsere Qualität von Spiel zu Spiel immer wieder auf den Platz bekommen.
Im Sachsenpokal-Finale habt ihr gegen RB Leipzig II deutlich mit 1:7 verloren. Dieser Gegner wartet nun auch in der Regionalliga. Wie geht ihr mit möglichen höheren Niederlagen um, die es in dieser Saison sicherlich auch einmal geben kann?
Dann verliere ich im Zweifel lieber einmal deutlich gegen eine Top-Mannschaft und gewinne dafür anschließend gegen einen direkten Konkurrenten. Darauf müssen wir unseren Fokus legen. Wir wissen, dass es in dieser Liga Mannschaften mit enormer Qualität gibt und gegen diese Teams muss für uns sehr viel zusammenpassen. Auch im Pokalfinale gegen RB waren wir zunächst gut in der Partie, bis sich Jennifer Menzl verletzt hat. Danach kam ein Bruch in unser Spiel. Solche Erfahrungen gehören dazu und entscheidend wird sein, wie wir anschließend darauf reagieren.
Und was wünschst du dir für das Spiel am Sonntag?
Ich wünsche mir vor allem ein spannendes Spiel, ganz egal, ob es nach neunzig Minuten entschieden ist oder länger dauert. Ich hoffe auf viele Zuschauer, die uns am Neubauernweg unterstützen und der Mannschaft zusätzliche Energie geben. Am schönsten wäre es, wenn die Leute nach dem Spiel nach Hause gehen und sagen: Das hat Spaß gemacht, da komme ich gerne wieder.
Vielen Dank, Swen und einen erfolgreichen Pflichtspielstart dir und deinem Team am Sonntag!
Interview: Yannic Gillmeister



