Zwei Führungen reichen nicht: CFC verpasst Heimsieg gegen Greifswald
Der Chemnitzer FC empfing am 27. Spieltag vor 5.212 Zuschauern den Greifswalder FC im Stadion – An der Gellertstraße. Nach dem bitteren Pokal-Aus in der Vorwoche, das vor allem aufgrund der Art und Weise eine Enttäuschung für alle Himmelblauen war, wollte die Mannschaft von Cheftrainer Benjamin Duda im Liga-Alltag eine Reaktion zeigen.
Von der ersten Minute an war genau diese Energie auf dem Platz zu spüren – die Mannschaft spielte leidenschaftlich und wollte den nächsten Heimdreier erzwingen. Am Ende stand ein 2:2 auf der Anzeigetafel – das Ergebnis einer geschlossenen Mannschaftsleistung und leider zweier Unaufmerksamkeiten.
Der Tag begann mit einer positiven Nachricht: Linksverteidiger Niclas Walther feierte nach 112 Tagen sein Startelf-Comeback. Jong-min Seo stand erstmals seit seinem Wechsel zu den Himmelblauen nicht in der Startformation. Mittelfeld-Abräumer Niclas Erlbeck fehlte weiter mit einer Fußverletzung. Ansonsten konnte Coach Duda aus dem Vollen seines Kaders schöpfen.
Intensive Anfangsphase ohne klare Chancen
Beide Teams lieferten sich eine intensive Anfangsphase, die einiges zu bieten hatte. Nur klare Torchancen sprangen dabei zunächst nicht heraus.
In der 6. Minute blieb die Kunststoffkugel nach einer Ecke im Strafraum der Gäste zentral sieben Meter vor dem Tor liegen. Dort fasste sich Innenverteidiger Felix Müller ein Herz und zog direkt ab. Doch im letzten Moment wurde der Ball geblockt. Das war gleichzeitig auch die erste Torannäherung der Partie.
Es dauerte bis zur 19. Minute, als Artur Mergel die erste Großchance des Spiels nicht mit einem Tor vollenden konnte. Der 27-Jährige spitzelte einem Greifswalder Abwehrmann stark den Ball vom Fuß und lief plötzlich völlig frei auf den ehemaligen Chemnitzer Fanliebling im Greifswalder Tor, Jakub Jakubov, zu. Doch Mergel kam aus der Bewegung heraus ins Straucheln und ging zu Boden, bevor er den Ball im Tor unterbringen konnte.
Benyamina als Greifswalder Lichtblick – Elfmeter bringt die Führung
Dann zeigte Greifswalds Torjäger Soufian Benyamina mal seine ganze Klasse, als er fast die gesamte Chemnitzer Hintermannschaft im Alleingang beschäftigte und erst an Zickert und dann an Walther vorbeizog, während er den Ball am Fuß führte. Kapitän Müller war es dann, der mit seinem Einsatz größere Torgefahr vereitelte.
Schwungvoll ging es auf der anderen Seite weiter. Eine der zahlreichen Chemnitzer Flanken nahm Farr ganz unglücklich ohne den ganz großen Gegnerdruck mit Oberkörper und Hand runter. Schiedsrichter Wien zeigte auf den Punkt. CFC-Torjäger Dejan Bozic übernahm Verantwortung, schickte Jakubov in die falsche Ecke und verwandelte nach einer halben Stunde sicher zur verdienten Führung für die Hausherren.
Greifswald kommt durch Eigentor zurück
Den Greifswaldern gelang postwendend mit der ersten Torchance des Spiels der Ausgleich. Griebsch brach auf links bis zur Grundlinie durch und legte den Ball kraftvoll flach in die Mitte. Aus einem Haufen an Chemnitzern und Greifswaldern sprang der Ball von CFC-Abwehrmann Felix Müller ganz unglücklich zum 1:1-Ausgleich ins eigene Tor (36.).
Dann hatte der CFC innerhalb von nur fünf Minuten gleich zweimal die dicke Gelegenheit, um wieder die Führung im Spiel zu übernehmen, doch sowohl Zickerts Kopfball (41.) als auch Damers Fußspitze (45.+1) scheiterten am Querbalken.
Die Himmelblauen lieferten ein sehr ordentliches Heimspiel ab. Nur beim Ausgleichstreffer fehlte die gewohnte Entschlossenheit bei der Defensivarbeit, und so kam Greifswald etwas glücklich schnell zurück ins Spiel. Die Chemnitzer verzeichneten ein klares Chancenplus, konnten aus einer Handvoll guter Gelegenheiten jedoch nur einen Treffer markieren.
Nach der 15-minütigen Halbzeitpause kehrten die Teams auf das Spielfeld zurück. Der CFC blieb auch im zweiten Durchgang über weite Strecken die aktivere und spielbestimmende Mannschaft.
Kuriose Szene direkt nach Wiederanpfiff – Greifswald wird gefährlicher
Gleich nach dem Seitenwechsel sorgte eine kuriose Szene für Aufsehen: Leon Damer schlug eine Flanke von links, die im Strafraum aufsprang und über GFC-Keeper Jakub Jakubov hinwegzusegeln drohte. In höchster Not hechtete der Torhüter hinterher und klärte mit der Faust.
In der 57. Minute meldeten sich die Gäste offensiv zurück: Guido Kocer erkannte, dass Adamczyk zu stark auf eine Flanke spekulierte, und versuchte es aus spitzem Winkel direkt. CFC-Schlussmann Adamczyk musste sein ganzes Können aufbieten, um den Ball zu entschärfen. Insgesamt wirkten die Greifswalder nun wacher und nutzten ihre Umschaltmomente besser. Das Spiel entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch, beide Teams drängten auf den Führungstreffer.
Seo bringt den CFC in Führung – Greifswald antwortet erneut
In der 85. Minute ließ der eingewechselte Jong-min Seo die Fischerwiese beben: Mit einem satten Linksschuss nach kurzem Dribbling brachte er den CFC traumhaft wieder in Führung. Doch wie schon im ersten Durchgang fanden die Gäste postwendend eine Antwort. Nur zwei Minuten später sorgte der frisch eingewechselte Kosak mit seinem ersten Ballkontakt für den 2:2-Ausgleich (87.).
In den letzten Minuten warf der CFC noch einmal alles nach vorn. Damer setzte in der zweiten Minute der Nachspielzeit zum Konter an, wurde aber gestoppt. Bozic versuchte es eine Minute später aus der Distanz, doch Jakubov war zur Stelle. Kurz darauf pfiff der Schiedsrichter ab.
Zwei Führungen reichen nicht – aber starke Reaktion gezeigt
Der Chemnitzer FC zeigte die erwartete Reaktion auf das Pokal-Aus, überzeugte mit viel Einsatz, Spielwitz und Spielfreude. Das 2:2 gegen einen starken Gegner aus Greifswald fühlt sich deshalb trotz einer engagierten Leistung wie zwei verlorene Punkte an. Dennoch: Der Auftritt macht Mut für die kommenden Aufgaben – mit dieser Haltung ist in der Liga weiter viel möglich.
Am kommenden Sonntag empfangen die Himmelblauen dann den FSV Luckenwalde (13 Uhr). Zeitgleich spielen die Greifswalder in ihrem Volksstadion gegen den VFC Plauen.
Chemnitzer FC – Greifswalder FC 2:2 (1:1)
CFC: Adamczyk 1 – Walther 4, Zickert 21, F. Müller 23, Reutter 16 – Mergel 10 (60. Seo 14), T. Müller 38 (C) (75. Rücker 17), Baumgart 29 – Lihsek 8, Bozic 33, Damer 13
GFC: Jakubov 1 – Griebsch 17, Sanin 21, Hollenbach 3, Farr 6 – Brandt 8 (C), Lämmel 11, Vogt 20 (34. Heil 19) – Kratzer 18, Benyamina 90, Ndualu 22 (46. Kocer 7)
Tore: 1:0 Bozic (30.), 1:1 F. Müller EG (36.), 2:1 Seo (85.), 2:2 Kosak (87.)
Zuschauer: 5.212



