Zwischen Potenzial & Verletzungspech: Warum der CFC besser ist als sein Tabellenplatz
Nach zwölf Spielen steht der Chemnitzer FC auf dem 16. Tabellenplatz der Regionalliga Nordost. Doch diese Platzierung gibt nicht das ganze Bild wieder. Die Himmelblauen präsentieren sich als ein Team der Extreme: Während sie nach dem packenden Pokalfight gegen Dynamo Dresden für große Begeisterung sorgten, kam gegen Aufsteiger VFC Plauen direkt die Ernüchterung im Liga-Alltag. Aktuell stellt der CFC die schwächste Offensive der Liga und trifft nur in jedem zweiten Spiel. Gleichzeitig steht die Defensive stabil und ist mit nur wenigen Gegentoren die drittbeste der Liga.
Ein Blick auf die Statistiken nach dem ersten Saisondrittel zeigt: Der CFC ist besser, als es der Tabellenplatz vermuten lässt. Hier ein genauerer Blick auf die Zahlen.
Kontrollierter Spielaufbau
Der Spielaufbau ist das Fundament für ein geordnetes Offensivspiel, und hier macht der CFC vieles richtig. Mit durchschnittlich 329 angekommenen Pässen pro Spiel belegen die Chemnitzer Platz fünf in der Liga. Auch die Passquote im Abwehrdrittel kann sich sehen lassen: Mit knapp 80 Prozent (7. Platz) angekommener Pässe spielen die Himmelblauen einen kontrollierten Ball aus der Defensive heraus. Ein Problem bleibt jedoch die hohe Fehlerquote: Mit durchschnittlich fast 63 Ballverlusten pro 90 Minuten gibt der CFC zu oft den Ball leichtfertig an die Gegner ab und muss direkt nach eigenem Ballbesitz zu oft schnell wieder gegen den Ball arbeiten, was zusätzlich Kraft kostet.
Viele Wege führen zum Tor
Trotz der schwachen Offensivbilanz gibt es Lichtblicke. Besonders stark agiert der CFC im Eins-gegen-Eins: Bei 5,5 Versuchen pro Spiel (3. Platz) setzen sich die Chemnitzer in knapp zwei Fällen erfolgreich durch (2. Platz). Nils Lihsek führt hier die interne Statistik mit zehn erfolgreichen Dribblings an. Doch die Neuzugänge Jong-min Seo (0,83 erfolgreiche Dribblings pro 90 Minuten) und Dardan Karimani (1,02) stehen in den Startlöchern, um Lihsek schon bald Konkurrenz in dieser Statistik zu machen.
Ein weiterer Angriffspfad führt über Flanken: Die Himmelblauen bringen pro Spiel im Schnitt 22 Flanken in den Strafraum, wovon 24,4 Prozent (3. Platz) einen Mitspieler finden – das sind fast sechs erfolgreiche Flanken pro Partie. Hier spielt Leon Damer eine Schlüsselrolle, der als Standardspezialist die meisten Hereingaben schlägt.
Passgenauigkeit in der Offensive
Interessant ist, dass die Passgenauigkeit des CFC mit zunehmender Spielfeldhöhe steigt. Im Mittelfeld liegt die Passquote bei 84 Prozent (6. Platz), und im letzten Drittel, wo der Druck am höchsten ist, bringt die Mannschaft immer noch 78 Prozent (5. Platz) ihrer Pässe an den Mann – ein beeindruckender Wert in einem so umkämpften Bereich. Allerdings spielt der CFC insgesamt nur 45 Pässe pro Spiel in der gegnerischen Hälfte.
Abschlüsse sind vorhanden, die Präzision macht den Unterschied
Unabhängig vom Weg in den Strafraum – einmal dort angekommen, geht es nur noch darum, den Ball ins Netz zu befördern. Mit durchschnittlich 10,33 Schüssen pro Spiel belegt der CFC im Ligavergleich Platz 14. Auch bei den Schüssen aufs Tor (3,33/90 Minuten) stehen die Himmelblauen auf Rang 14. Doch nur 15 Prozent dieser Abschlüsse führen zu einem Treffer. Die Mannschaft erspielt sich also genügend Chancen, doch bislang fehlt es an Timing und Präzision im Abschluss. Diese Diskrepanz zeigt sich sowohl in den Statistiken als auch beim Beobachten der Spiele.
Jeder trifft, keiner ist Torjäger
Ein Grund für die geringe Torausbeute ist der monatelange Ausfall von Toptorjäger Dejan Bozic. Noch konnte kein Spieler in seine Rolle schlüpfen: Die bisherigen sechs Ligatore verteilen sich auf sechs verschiedene Torschützen. Positiv gesehen zeigt das die Vielfalt im Team. Andererseits steht der beste Torschütze nach zwölf Spielen bei nur einem Treffer, was die fehlende Durchschlagskraft deutlich macht.
Disziplinierte Defensivarbeit im Teamverbund
Nicht die Einzelstatistiken, sondern die disziplinierte Defensivarbeit im Kollektiv macht die CFC-Abwehr stark. Obwohl die Mannschaft bei den Balleroberungen (54, 12. Platz), Zweikämpfen (62, 9.) und gewonnenen Luftduellen (110, 13.) nur im Mittelfeld rangiert, liegt ihre Stärke im defensiven Verbund. Das Team verteidigt diszipliniert in einer klaren 4-4-2-Formation und zieht sich tief in die eigene Hälfte zurück, um die Räume für den Gegner ab vierzig Metern vor dem eigenen Tor zu verdichten.
Verletzungen und Lichtblick Baumgart
In einer nicht erfassten Kategorie würde der CFC jedoch sicher vorn mitspielen: Verletzungen. Wie schon in der Vorsaison hat der Verein mit zahlreichen Ausfällen zu kämpfen, wodurch sich eine Stammformation nicht bilden kann. Niclas Erlbeck musste am vergangenen Wochenende krankheitsbedingt passen. Luis Fischer, der ebenfalls angeschlagen war, saß zwar auf der Bank, kam aber nicht zum Einsatz. Dazu kommen langfristige Ausfälle wie Topstürmer Dejan Bozic (Schambeinentzündung), Kapitän Tobias Müller (Innenbandriss) und Top-Neuzugang Tom Baumgart (Knochenmarködem), die bis mindestens Januar fehlen. Baumgart konnte in seinen zwei Einsätzen jedoch bereits seine Klasse unter Beweis stellen. Mit ihm auf dem Feld holte der CFC im Schnitt 2,00 Punkte pro Spiel – der höchste Wert im Kader.
Fazit
Der Chemnitzer FC steht statistisch besser da, als es der aktuelle Tabellenplatz vermuten lässt. Auch wenn der CFC derzeit kein Spitzenteam der Liga ist – das wäre nach dem Umbruch im Verein auch ein sehr ambitioniertes Ziel –, deuten die Daten eher auf eine Mannschaft aus dem gesicherten Mittelfeld hin, die zwischen Platz 9 und 12 stehen könnte. Momentan fehlen zu dieser Tabellenregion etwa sechs Punkte, was zwei zusätzliche Siege oder umgerechnet sechs Punkte mehr aus den letzten zwölf Spielen bedeutet hätte. Bei den vielen knappen Niederlagen lag das absolut im machbaren Bereich. Die kommenden sieben Spiele bis zur Winterpause werden zeigen, wohin die Reise der Duda-Elf führt.



