Zwischen Reifeprozess und Ergebnisfußball: Die U17 des CFC vor dem Start in die Hauptrunde
Die Winterpause war für die U17 des Chemnitzer FC keine Phase des Stillstands, sondern eine Zeit der Neujustierung. Am Samstag, dem 21. Februar, wird das Team von Cheftrainer Markus Mühling beim FC St. Pauli in die Hauptrunde der DFB-Nachwuchsliga starten. Dafür galt es, personelle Veränderungen aufzufangen, körperliche Grundlagen zu legen und eine Mannschaft weiterzuentwickeln, die spürbar reifer aus der Pause zurückgekehrt ist.
Der Start ins neue Jahr verlief dabei nicht ohne Herausforderungen. Krankheitsbedingte Ausfälle prägten weite Teile der Vorbereitung, Konstanz im Trainingsbetrieb war kaum möglich. „Wir hatten im Schnitt vier bis fünf Jungs, die erkältet waren – das hat sich durchgezogen“, erklärt Mühling. Verletzungen blieben jedoch weitgehend aus, einzig Alex Haupt fällt mit anhaltenden Leistenproblemen längerfristig aus.
Ein kleinerer Kader – und neue Optionen
Personell ging die U17 mit einem leicht verkleinerten Kader in das Jahr 2026. Mit Anton Kinder (SV Tanne Thalheim) und Vincent Zemmrich (Fortuna Chemnitz) verließen zwei Spieler den Verein. Verstärkung kam aus den eigenen Reihen: U16-Stürmer Nino Scherm rückte auf. Ole Jellen ging bereits im Sommer den Schritt in den älteren Jahrgang.
„Gerade im Offensivbereich hat sich das Thema für uns entschärft“, sagt Mühling. „Mit Ole und Nino sind wir jetzt deutlich breiter aufgestellt. Das hilft uns enorm – vor allem, wenn Spieler zeitweise höhergezogen werden oder ausfallen.“ Externe Neuzugänge gab es bewusst nicht. Der Fokus lag klar auf interner Entwicklung.
Testspiele mit klaren Erkenntnissen
Sportlich verlief die Vorbereitung mit Licht und Schatten. Ein früher Versuch mit Dreierkette beim Testspiel bei Borea Dresden scheiterte deutlich – eine Erkenntnis, die schnell verarbeitet wurde. „Das hat überhaupt nicht funktioniert. Aber auch das gehört zur Entwicklung dazu“, ordnet Mühling nüchtern ein.
Es folgten deutlich stabilere Auftritte: ein 4:3-Erfolg bei der U19 von Borna sowie ein viel beachteter 2:1-Sieg gegen die SpVgg Unterhaching, bei dem auch Gastspieler des FC Bayern München beteiligt waren. „Das war ein richtig starker Auftritt. Da haben wir gesehen, was möglich ist, wenn wir fokussiert arbeiten“, so der Trainer.
Wetterbedingte Absagen verhinderten weitere Tests, doch die Trainingseinheiten nutzte das Team konsequent. Auch der eigentliche Ligastart mit dem Heimspiel am 07. Februar gegen den Eimsbüttler TV wurde nun aufgrund er Schneedecke über Chemnitz abgesagt.
Kraft als Fundament – Reife als Bonus
Inhaltlich setzte die Vorbereitung klare Schwerpunkte. Seit Dezember lag der Fokus stark auf Athletik und körperlicher Entwicklung. Zwei intensive Krafteinheiten pro Woche – mit klarer Trennung von Ober- und Unterkörper – bildeten das Fundament.
„Wir haben uns ganz bewusst auf die körperliche Basis konzentriert“, erklärt Mühling. „Alles andere kam als Bonus dazu.“ Trainiert wird das Team im athletischen Bereich von Co-Trainer Johann Vavrek, dessen individuelle und präzise Arbeit Mühling ausdrücklich hervorhebt: „Das ist absolut top, was er mit den Jungs macht. Er war ja beispielsweise auch schon bei der tschechischen Frauen-Nationalmannschaft im Einsatz – diese Professionalität spürt man.“
Parallel dazu zeigte sich ein weiterer Effekt: mentale Reife. „Man merkt, dass sie erwachsener geworden sind. Der Kopf ist jetzt ein anderer“, sagt der Cheftrainer. Eine Entwicklung, die nicht geplant war – aber willkommen.
Mehr Ergebnisfokus – ohne den Jugendgedanken zu verlieren
Mit dem Start in die Hauptrunde verändert sich nun auch die Herangehensweise. Die Phase, in der möglichst alle Spieler gleichmäßig Einsatzzeit bekamen, ist abgeschlossen. Der Übergang in leistungsbezogeneres Arbeiten beginnt.
„Wir gehen jetzt gezielter auf die Spiele ein“, erklärt Mühling. „Natürlich steht die Entwicklung der Jungs weiter im Vordergrund – aber sie müssen lernen, dass Leistung im Training entscheidet, wer am Wochenende spielt.“ Gleichzeitig betont er: „U17 bleibt Jugendfußball. Fehler gehören dazu, der Druck ist noch nicht wie in der U19. Aber wir bewegen uns klar in diese Richtung.“
Anspruchsvoll starten – mutig auftreten
Mit dem FC St. Pauli wartet das NLZ eines Bundesligisten zum Auftakt. „Das wird eine schwere Aufgabe“, warnt Mühling. „Aber wir haben gezeigt: Wenn wir konzentriert arbeiten und fit sind, machen wir es jedem Gegner schwer.“ Das Ziel für die Rückrunde ist klar formuliert: konkurrenzfähig sein, Entwicklung sichtbar machen – und möglichst unter die Top vier kommen.
Parallel bleibt der Sachsenpokal ein zentrales Ziel. Im Halbfinale wartet entweder Lok Leipzig oder RB Leipzig. „Das ist natürlich ein großes Ziel“, sagt Mühling. „Ins Finale zu kommen – und vielleicht sogar den Titel zu holen.“
Der Weg dorthin beginnt am Samstag. Mit einer Mannschaft, die gewachsen ist. Körperlich, mental – und im Anspruch an sich selbst.



