Trainer-Trickkiste: Frühe Ballgewinne, schnelles Umschalten und viel Intensität – So spielt die BSG Chemie Leipzig
In unserer Rubrik „Trainer-Trickkiste“ werfen wir wieder einen genauen Blick auf den kommenden Gegner des Chemnitzer FC: die BSG Chemie Leipzig. Am Sonntag, den 20. September, sind die Himmelblauen um 18 Uhr im Alfred-Kunze-Sportpark zu Gast. Das Medienteam des CFC hat sich deshalb wieder genau angeschaut, wie die Leutzscher unter Cheftrainer Alexander Schmidt auftreten und welche taktischen Mittel die BSG auszeichnen.
Chemie befindet sich nach dem großen personellen Umbruch im Sommer weiterhin in einer Findungsphase. Viele Leistungsträger verließen den Verein, die Mannschaft musste nahezu neu zusammengestellt werden. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Neun Tore bedeuten ligaweit Rang 16, bei 2.016 erfolgreichen Pässen sowie 326 erfolgreichen Zuspielen im Angriffsdrittel liegt Chemie jeweils auf dem letzten Platz. Zuletzt gab es beim 5:2 gegen Tasmania Berlin allerdings ein deutliches offensives Ausrufezeichen und damit einen Hinweis darauf, wie gefährlich die Mannschaft werden kann, wenn ihre Spielidee greift.
Mit Ball: Schnell statt kompliziert
Schmidts Mannschaft sucht nach Ballgewinnen möglichst schnell den Weg nach vorne. Statt langer Ballbesitzphasen stehen vertikale Aktionen, Diagonalbälle und direkte Kombinationen im Vordergrund. Aus einem 4-3-3 sollen die Außenbahnen schnell eingebunden und anschließend Tempo Richtung gegnerisches Tor aufgenommen werden. Dass Chemie mit lediglich 326 erfolgreichen Pässen im Angriffsdrittel (18.) ligaweit den niedrigsten Wert aufweist, passt zu diesem Ansatz: Die BSG will nicht zwingend lange vor dem gegnerischen Strafraum zirkulieren, sondern möglichst direkt gefährlich werden.
Wichtig ist dabei ausdrücklich zu sagen: Die Lösungen sollen spielerisch gefunden werden. Wenige lange Bälle, viel Kurzpassspiel. Ein klarer fußballerischer Ansatz.
Eine wichtige Rolle übernimmt dabei Elias Kratzer. Mit 50 erfolgreichen Pässen im Angriffsdrittel führt er diese Kategorie innerhalb der Mannschaft an, noch auffälliger sind seine 16 Dribblings in den freien Raum, mit denen er viele Meter überbrückt. Über die Außen soll Chemie Breite herstellen, Eins-gegen-eins-Situationen suchen oder diagonal Richtung Strafraum ziehen. Dort ist Philipp Kühn mit vier Treffern und acht Abschlüssen aufs Tor bislang der gefährlichste Spieler. Bedeutet auch: 50 Prozent seiner Abschlüsse auf den Kasten finden den Weg ins Tor. Insgesamt bleibt die Effizienz jedoch ein Thema: 40 Schüsse aufs Tor bedeuten Rang elf, die Schussgenauigkeit von lediglich 29,4 Prozent sogar den letzten Platz.
Gegen den Ball: Stressen und früh erobern
Die vielleicht deutlichste Handschrift von Alexander Schmidt zeigt sich gegen den Ball. Der Trainer fordert eine „aktive Balleroberung“ und möchte den Gegner bewusst „stressen“. Chemie soll intensiv anlaufen, Zweikämpfe erzwingen und Fehler im gegnerischen Aufbau provozieren. Nach eigenen Ballverlusten wird deshalb unmittelbar nachgesetzt, um den Ball möglichst noch in einer hohen Position zurückzugewinnen.
Gelingt das nicht, werden Kompaktheit und Restverteidigung wichtig. Schmidt legt großen Wert auf geringe Abstände zwischen den Mannschaftsteilen und darauf, dass seine Mannschaft auch in engen und körperlichen Partien stabil bleibt. Gerade nach dem großen Kaderumbau wurden die Abläufe zunächst bewusst vereinfacht: Zweikampfhärte, körperliche Stabilität und eine klare defensive Organisation sollen das Fundament bilden.
Spielidee: Intensität als Ausgangspunkt
Übergeordnet basiert Schmidts Fußball weniger auf langen Ballbesitzphasen als auf Intensität und Dynamik. Chemie möchte den Gegner gegen den Ball beschäftigen, früh zu Fehlern zwingen und daraus selbst Tempo entwickeln. Nach der Balleroberung soll es möglichst schnell vertikal gehen. Entweder über die Außen, durch das Zentrum oder mit direkten Bällen in die Tiefe. Die 72 Abschlüsse innerhalb des Strafraums (10.) zeigen dabei, dass die BSG durchaus regelmäßig in gefährliche Abschlusspositionen gelangt.
Voraussichtliche Aufstellung: Bergmann — Wendt, Hoops, Enke, Lisinski — Silic, Jacobi, Reincke — Kratzer, Kühn, Sanogo



